DDR/BRD

Dr. Grandels letzten Jahre in Freiberg/SN - Situation in Augsburg


(701-1945) In Freiberg/Sachsen bezieht Gottfried Grandel im Jahre 1942 im Alter von 65 Jahren seinen letzten Wohnsitz.

Clara Gertrud Hubricht, die im Januar 1941 ihren seit Jahrzehnten mit Gottfried Grandel befreundeten Mann Emil durch eine Krankheit verliert, nimmt Gottfried Grandel kurze Zeit später, nach dessen Trennung von seiner dritten Frau Magdalena, unter dem Dach der geräumigen Freiberger Villa an der Leipziger Straße 18 auf.

Direkter Nachbar innerhalb der geräumigen Stadtvilla: Der am 29. Januar 1946 verstorbene Chemiker Dr. phil. Otto Brunck.


Letzter Wohnsitz von Gottfried Grandel: Leipziger Straße 18 in Freiberg/Sachsen (Wikimedia Commons / Unukorno - Datei: Freiberg Leipziger Straße 18.jpg - Aufnahme vom 12.2.2015)

Die aus dem Besitz ihres verstorbenen Ehemannes vermögende Witwe Hubricht, geb. Haager, wird am 21. August 1887 in Chemnitz geboren. (Sterbebuch Freiberg, Nr. 1015/1973)

Ihr Freiburger Ehemann Theodor Emil Hubricht verstirb am 18. Januar 1941 an einer chronischen Nierenentzündung, Wassersucht und Herzschwäche. (Sterbebuch Freiberg, Nr. 39/1941)


Kriegsende 1945

Das Reichsgebiet Sachsen liegt nach dem Kriegsende in der sowjetischen Besatzungszone. Jegliche Postverbindung mit diesem östlichen Teil des besetzten Deutschlands scheint für die westalliiert-besetzten Landesteile unterbunden, sodass schnell Gerüchte von Hunger und Vergewaltigungen Verbreitung finden. Gottfried Grandel steht als früher Förderer Adolf Hitlers auf der Liste der gesuchten Personen - jedoch nicht in Freiberg/Sachsen, sondern in Augsburg. Am Beispiel seines Nachfolgers in der frühen Augsburger Ortsgruppenleitung läßt sich erkennen, in welche Richtung sich für ihn ein mögliches Spruchkammerverfahren entwickelt hätte, wenn er an seinem Geburtsort Augsburg verblieben wäre.

"Dr. Adolf Frank, 28.10.1881 (...) wird in Gruppe I der Hauptbeschuldigten eingereiht.

Ziff.1 - Er wird auf die Dauer von 3 Jahren in ein Arbeitslager eingewiesen, um Wiedergutmachungs- und Aufbauarbeiten zu verrichten;

Ziff.2 - Sein Vermögen ist als Beitrag zur Wiedergutmachung einzuziehen. Es ist nur der Betrag zu belassen, der unter Berücksichtigung der Familienverhältnisse und der Errwerbstfähigkeit zum notdürftigen Lebensunterhalt erforderlich ist.

Ziff.3 - Er ist dauernd unfähig, ein öffentliches Amt einschliesslich des Notariats und der Anwaltschaft zu bekleiden;

Ziff.4 - Er verliert alle Rechtsansprüche auf eine aus öffentlichen Mitteln zahlbaren Pension oder Rente;

Ziff.5 - Er verliert das Wahlrecht, die Wählbarkeit und das Recht, sich irgendwie politisch zu betätigen und einer politischen Partei als Mitglied anzugehören;

Ziff.6 - Er darf weder Mitglied einer Gewerkschaft noch einer wirtschaftlichen oder beruflichen Vereinigung sein;

Belastung: NSDAP 1921-1923 und von 1925-1945

Begründung:

I. (...) Daneben ist er zunächst vermutungsgemäss als Belasteter anzusehen gem. Anhang (...), weil er vor dem 1.1.1933 der NSDAP beitrat und weil er in ihr den Rang eines Ortsgruppenleiters als Gründer der Ortsgruppe Augsburg einnahm.

II. Der öffentliche Kläger stellte in der mündlichen Verhandlung nach Schluss der Beweiserhebung den Antrag, den Betroffenen in der Gruppe I zu belassen und ihn neben den obligatorischen Sühnemassnahmen auf die Dauer von 6 Jahren in ein Arbeitslager einzuweisen.(...)

IV. (...) Es ist zweifelsfrei erwiesen, dass der Betroffene seit dem Jahre 1922 bis zum Ende der NSDAP angehörte, dass er der Gründer der Ortsgruppe Augsburg der NSDAP war und dass mit dieser Gründung der Absicht Hitlers im Regierungsbezirk Schwaben eine Bresche geschlagen wurde (...)." (Bayerisches Staatsarchiv: Spruchkammer München VII, Akten-Nummer 1a, AZ 4466/47 - 6.11.1947)

Gottfried Grandels Nachfolger in der Ortsgruppenleitung betont abschließend in seinem Spruchkammer-Verfahren:

"In der heutigen Verhandlung äussert der Betroffene: dass er im Jahre 1921 aus Idealismus und im Glauben an eine gute Sache der NSDAP beigetreten sei. Im Jahre 1921 oder 1922, genau könne er dies nicht mehr angeben, habe er die Ortsgruppe Augsburg gegründet und das Amt des Ortsgruppenleiters (-von Gottfried Grandel-) übernommen." (Bayerisches Staatsarchiv: Spruchkammer München VII, Akten-Nummer 1a, AZ 4466/47, als Beilage das Protokoll der öffentl. Sitzung v. 16.12.1948)


Augsburg 1945

Bereits vor dem Ende der jeweiligen Kampfhandlungen spüren Einheiten der Alliierten die verantwortlichen Funktionsträger aus NSDAP, Gestapo und Wehrmacht auf. Viele von ihnen setzen sich in den Süden des zusammenbrechenden Reiches ab, um nicht in den Einflussbereich der russischen Streitkräfte zu geraten:

"Parallel zu PWD/SHAEF und den armeeigenen P&PW-Abteilungen existierten in der psychologischen Kriegsführung phasenweise weitere Verhörinstanzen, wie beispielsweise die eigenständigen 'Mobile Field Interrogation Units' (MFIU), von denen insgesamt fünf seit Ende 1944 hinter der Front im Westen operierten." (Bischof: "Kriegsgefangene des zweiten Weltkriegs", S.273 - 2005)


Bewachung von Gestapo-Angehöringen durch amerikanische Soldaten - Mai 1945 (Titelbild: LIFE, Vol.18, Nr.22, S.29 v. 28.5.1945)

Amerikanisches Schulungs-Video: Verhörtechniken gegenüber Kriegsgefangenen - 1943

Bei den Verhören geht es den Amerikanern in erster Linie um militärische Informationen über den Feind. Im Folgezeitraum werden hingegen zunehmend Berichte erstellt, die den politisch, wirtschaftlich und militärisch bedeutsamen Vorlauf von Deutschland erfassen. Zeitzeugen berichten:

"Wir machten einen Abstecher nach Augsburg. Die Stadt liegt derart in Trümmern, daß es schon eines archäologisch geschulten Auges bedarf, ihre alte Schönheit zu erahnen. Auf dem Verwaltungsgebäude wehte neben der amerikanischen auch die britische und die französische Fahne. Vor fünf Jahren (-1940-) haben wir die Franzosen so gründlich geschlagen, daß es damals wohl niemand für möglich gehalten hätte, französische Soldaten könnten nochmals einen Fuß auf deutschen Boden setzen. Jetzt sollen sie sich in ihrer Zone, im Badischen, der Rheinpfalz und an der Saar herrischer als 1923 aufführen." (Jering: "Überleben und Neubeginn", S.25 - 1979)

Nach dem Ende der süddeutschen Kampfhandlungen entsteht in der Augsburger Siedlung Bärenkeller ein provisorisches Internierungslager der amerikanischen Besatzungstruppen.


Siedlungsplan Bärenkeller - 1934 (Nerdinger: "Bauten erinnern - Augsburg in der NS-Zeit", S.96 - 2012)


(Wikimedia Commons - Datei: Augsburg-Bärenkeller TK25 1939.jpg / Bayerisches Vermessungsamt - 1939)


Die Bärenkeller-Siedlung aus der Vogelperspektive: Moderner Wohnungsbau von der Stange - 1938 (Postkarte im Privatbesitz / E. Sturm, Friedberg)


H-J-Heim in der Bärenkeller-Siedlung - 1938 (Postkarte im Privatbesitz / E. Sturm, Friedberg)


Entwicklungsflächen für junge Familien: Augsburger Siedlungsbau - 1953 (Fotografie im Privatbesitz)


Bärenkeller - 1939 (Postkarte im Privatbesitz / Hasslacher - Augsburg, Haunstetten)

Vom 2. bis 5. Mai 1945 werden in der durch das außerordentliche bayerische Wohnungsbauprogramm 1934/35 realisierten vorstädtischen Kleinsiedlung rund sechs Dutzend Wohnungen für militärische Verhörzwecke beschlagnahmt. Hierzu heißt es in einem Bericht des Polizeiamtes Bärenkeller:

"Die Wohnungsinhaber erhalten die Aufforderung, ihre Wohnungen meistens innerhalb von einigen Stunden zu verlassen. Bis jetzt d.h. bis heute - 5.5.45 - wurden 75 Wohnungen geräumt und zwar Amselweg 36 Familien, Wertingerstraße 32 Familien und Bärenstraße 7 Familien. Wie durch Unterz.(-eichner-) festgestellt werden konnte, werden in diesen geräumten Wohnungen nur deutsche kriegsgefangene Offiziere untergebracht." (StAA: "Trümmer, Jeeps und leere Mägen", S.32 - 1995 - Polizeiamt Bärenkeller v. 5.5.1945)

Der inhaftierte Dr. Paul Schmidt beschreibt in seinem Erlebnisbericht:

"Durch das wie ausgestorben daliegende München, das mit seinen Ruinenbergen einen niederdrückenden Eindruck machte, fuhren wir dann auf die Autobahn in Richtung Frankfurt und landeten gegen Abend in einem Internierungslager bei Augsburg, das den etwas bedrohlich klingenden Namen 'Bärenkeller' hatte. Bald stellten wir jedoch fest, daß es diesen Namen durchaus zu unrecht führte, denn es war eine größere Stadtrandsiedlung Augsburgs und bestand aus zweistöckigen Reihenhäusern mit dazwischenliegenden Gärten und Wiesen." (Schmidt: "Der Statist auf der Galerie", S.52 - 1951)


Nebeneingänge der Stadtteilschule Bärenkeller-Siedlung: Ritter-von-Steiner-Schule in Augsburg - 1936 (Aufnahme vom Lerchenweg, Völkischer Beobachter, Nr. 12, S.11 / Lischer v. 12.1.1937)


Ritter-von-Steiner-Schule - 1938 (Postkarte im Privatbesitz / E. Sturm, Friedberg)

Einer weiteren Schilderung ist zu entnehmen:

"Ritter-von-Steiner-Siedlung ... Nie gehört. Ein Tor tut sich auf: In weitausgreifendem Geviert, Haus an Haus, etwas wie eine Fuggerei, Neubauten, dünn, rotgeziegelt, Kleinleutehausfronten, ein weites Geviert, dazwischen grüne Rasenflächen. Im Vorstadtstil eine Neubaukapelle. An weißgetünchtem Mast, jetzt schlaff verregnet, die Flagge der US. Vor uns her jagt der Jeep den Kiesweg entlang, vorbei an Dutzenden von Posten vor Häusern, gestopft voll von Offizieren, wendet einem Eckhaus entgegen, dem letzten der äußeren Front, der Stadt zu ..., hält.(...) Zwei Segeanten, drei weitere Amis, ein Posten hinter, ein Posten vorm Haus. Das scheint die Norm auch der Nachbarhäuser. Nur das Eckhaus, der 'Taubenschlag', von dem uns die Fahrbahn des Kieswegs trennt, der die Siedlungsfronten umkreist, bleibt sich selber überlassen. Gestohlen also werden wir nicht. Als erstes Schauspiel erleben wir, unter gellendem Hornsignal, den Aufzug einer Gruppe von Amis zur abendlichen Einholung der Flagge.(...) Die Begleitmusik ist mir neu. Auffällt, daß sich während des Akts kein Kopf in den Fensterfronten zeigt." (Euringer: "Die Sargbreite Leben", S.35/36 + 39 - 1952)


Siedlung Bärenkeller: Modell der Ritter-von-Steiner-Schule in der Bärenstraße - 1. Januar 1937 (Digitalisiert auf //recherche-stadtarchiv.augsburg.de: StadtAA_40100_Fotosammlung_FS_FA_C_276 / Stadtbildstelle)


Ritter-von-Steiner-Schule - 1. Juli 1938 (Digitalisiert auf //recherche-stadtarchiv.augsburg.de: StadtAA_40100_Fotosammlung_FS_FA_C_580 / Stadtbildstelle)

Mit der Ritter-von-Steiner-Grundschule beziehen die Amerikaner ein Gebäude, welches exemplarisch für die umfassende Agitation und Propaganda der Nationalsozialisten steht. Schon über dem Eingang hängt der Reichsadler mit Hakenkreuzsymbol:


Eine der ersten Handlungen nach der Inbesitznahme durch die Amerikaner: Die Demontage des Reichsadlers über dem Eingang des neuen Verwaltungssitzes (Digitalisiert auf //recherche-stadtarchiv.augsburg.de: StadtAA_40100_Fotosammlung_FS_FA_C_466)


Haupteingang zum Verwaltungssitz des us-amerikanischen MFIU 5 ohne Reichsadler: Die 1936 erbaute Ritter-von-Steiner-Schule in der Bärenstraße 15 - Oktober 1945 (Fotografie im Privatbesitz / 1st Lt. Eugene Vincent Valic, 2209 Cleveland Avenue, Niagarafalls/NY - 255th US-Infantry)


(Haupteingang Bärenstraße 15: Wikimedia Commons - Datei: Grund- und Mittelschule Augsburg-Bärenkeller 1.jpg / Ricardalovesmonuments - 2023)

Im Gebäude finden die Amerikaner weitere Relikte parteipolitischer Grundschul-Indoktrination:


Wandspruch aus der Berliner Sportpalastrede des Führers vom 10. Februar 1933 im Treppenhaus der Ritter-von-Steiner-Schule: "Wir wollen diese Jugend vor allem erziehen zur Ehrfurcht vor denen, die einst das schwerste Opfer gebracht haben für unseres Volkes Leben und unseres Volkes Zukunft." (Digitalisiert auf //recherche-stadtarchiv.augsburg.de: StadtAA_40100_Fotosammlung_FS_FA_A_2163)

Auch das Führerportrait fehlt nicht in dem öffentlichen Schulgebäude der Nationalsozialisten:


(Digitalisiert auf //recherche-stadtarchiv.augsburg.de: StadtAA_40100_Fotosammlung_FS_FA_C_485)


(Digitalisiert auf //recherche-stadtarchiv.augsburg.de: StadtAA_40100_Fotosammlung_FS_FA_C_483)


(Digitalisiert auf //recherche-stadtarchiv.augsburg.de: StadtAA_40100_Fotosammlung_FS_FA_A_2083)

Der Vernehmungsoffizier Albert Zoller (geb. 14.5.1904), alias Captain Bernhard, ist einer der psychologisch geschulten Offiziere, die in den Wohnhäusern des Augsburger Randbezirkes Quartier beziehen. Als Angehöriger des zur Vernehmung von Kriegsgefangenen abgestellten 7th Army Interrogation Center führt er in Augsburg u. a. Verhöre mit Hermann Göring durch, doch es kommt in diesem Zusammenhang auch zu skurrilen Situationen. So wird über die europäische Militärdienstzeit des US-Veteranen Kurt Bresnitz berichtet:

"Die von ihm in Erinnerung gerufene Episode bezieht sich auf eine - von seinen damaligen us-Kameraden euphorisch akklamierte - Gefangennahme eines hochdekorierten 'feindlichen Offiziers' 1945 in Augsburg. Doch der Mann in Uniform hatte sich, so Besnitz, nach näherer Befragung durch den deutschsprachigen Bresnitz nicht als gegnerischer Militär, sondern als harmloser und ob seiner Verhaftung sichtlich indignierter 'elevator man' (-Fahrstuhlführer-) eines nahen Hotels herausgestellt." (Traussning: "Militärischer Widerstand von außen", S.74 - 2016)

In einer weiteren Erzählung heißt es:

"Neben vielen anderen Ereignissen und Personen erzählt uns General Gheorghe (-Mihail-) auch die Geschichte des Obersten von M. (-Horst von Mellenthin-). Diesen Oberst von M.(-ellenthin-) kannte der General schon aus seiner Berliner Zeit. In einem Lager ('Bärenkeller' genannt) in der Nähe von Augsburg fiel Oberst von M. einem betrunkenen amerikanischen Sergeanten auf. Dem Sergeanten gefiel offenbar das Gesicht des deutschen Obersten nicht. Der Sergeant sorgte dafür, daß in die Papiere des Obersten der Vermerk 'verdächtig' kam. Dieser Vermerk 'verdächtig' machte von nun an dem Oberst das Leben zur Hölle. Zunächst kam er in ein Straflager bei Ludwigsburg. Bei der Ankunft mußte er sich nackt ausziehen. Daraufhin fielen zwei amerikanische Athletenfiguren über ihn her, gaben ihm Fausthiebe in die Magengegend, bis er ohnmächtig zusammenbrach. Sie übergossen ihn mit kaltem Wasser. Als er wieder zur Besinnung kam, schlugen ihm die Amerikaner sämtliche Zähne aus. Eine Erklärung für diese Behandlung gab man dem Oberst niemals. So kam er von Lager zu Lager, bis er in Dachau wieder mit dem rumänischen General zusammentraf. Nie wurde irgendwo gefragt, wessen er eigentlich verdächtig war. Wie ihm erging es vielen deutschen Soldaten, Beamten und anderen Zivilisten." ("Richtigstellungen zur Zeitgeschichte" - Bd. 1-8, S.62 - 1990)


MFIU-Offiziersquartier in der Augsburger Siedlung Bärenkeller - Oktober 1945 (Fotografie der Bärenstraße 4/6 im Privatbesitz / 1st Lt. Eugene Vincent Valic, 2209 Cleveland Avenue, Niagarafalls/NY - 255th US-Infantry)

In einer Randnotiz kommt ein gefangener General zu folgender Erkenntnis:

"Hübsche, anziehende Frauen haben es auch hier besser als alte Männer. Das konnte man in meinem früheren Gefängnis (-Wertinger Straße 85 bis 91-) beobachten, von dem aus man in die Gärten der Siedlung Bärenkeller (-Bärenstraße 2 bis 10-) sah." (Broucek: "Ein General im Zwielicht", S.556 - 1988)


Vom dienstältesten Offizier gefertigte Lager-Skizze: Bärenstraßen-Casino mit Garteneinblick - Juli 1945 (Skizze v. Generalfeldmarschall Wilhelm Ritter v. Leeb / Lohrmann, Max bzw. Oxford)


Offiziersquartiere des MFIU 5 (Bärenstraße 2-10) mit den dahinter befindlichen Reihenhäusern (Wertinger Straße 85-91) der deutschen Kriegsgefangenen - Oktober 1945 (Aufnahme von der Straßenhöhe Am Rehsprung 11, Fotografie im Privatbesitz / 1st Lt. Eugene Vincent Valic, 2209 Cleveland Avenue, Niagarafalls/NY - 255th US-Infantry)

Albert Zoller landet mit der 7. US-Armee von General Alexander Patch am 15. August 1944 in Südfrankreich, welche sich von dort bis zum Kriegsende nach Berchtesgaden vorkämpft. Vor seinem Einsatz in Europa absolviert Albert Zoller in der kalifornischen Wüste Sonderkurse als Verhörspezialist für Kriegsgefangene, woraufhin er im Rahmen von IPW-Teams (Interrogator Prisoners of War) der Infanteriedivision zugeordnet wird.


Gefangene Wehrmachtssoldaten kreuzen bei Worms den Vormarsch der 7. US-Armee über den Rhein - Anfang April 1945 (dvidshub.net: "CIC Agent Murdered in Germany (17 APR 1945)" / Foto: Lori Stewart)


"Leaving Augsburg": Kinder an der katholischen Pfarrkirche (Aufnahme vom Lerchenweg) St. Konrad verabschieden eines der rund 200 in Europa eingesetzten deutschsprachigen IPW-Teams unter der Führung von Lt. de Bie kurz vor der Verlegung von Augsburg/Bärenkeller nach Seckenheim/Mannheim - Oktober 1945 (Fotografie im Privatbesitz / 1st Lt. Eugene Vincent Valic, 2209 Cleveland Avenue, Niagarafalls/NY - 255th US-Infantry)


Augsburger Siedlung Bärenkeller: Katholische Pfarrkirche St. Konrad in der Bärenstraße 22 - 1939 (Postkarte im Privatbesitz / Verlag Hasslacher, Haunstetten)


(Aufnahme vom Lerchenweg: Wikimedia Commons - Datei: St. Konrad Augsburg-Bärenkeller 1.jpg / Ricardalovesmonuments - 2023)

In einer späteren Buchveröffentlichung berichtet der Augsburger Vernehmungsoffizier Albert Zoller einleitend:

"Die wahren Akteure des Hitlerdramas, die Sateliten, die den dämonischen Planeten umkreisten, sind tot ... oder schweigen. In meiner Eigenschaft als Vernehmungsoffizier des '7th Army Interrogation Center' in der US-Armee hatte ich Gelegenheit, mit ihnen längere Zeit in Berührung zu stehen." (Zoller: "Hitler privat - Erlebnisbericht seiner Geheimsekretärin", S.8 - 1949)

Rückblickend berichtet der ab 1945 inhaftierte Chefdolmetscher des Auswärtigen Amtes, Dr. Paul Schmidt:

"Ende Juni oder Anfang Juli (-1945-) wurde ich nach langer Pause eines Nachmittags wieder zur Vernehmung gerufen. Es war das erstemal seit meiner Internierung, daß mir ein Zivilist gegenübersaß. Er sprach französisch und stellte mir Fragen über die Zusammenkunft zwischen König Leopold von Belgien und Hitler. Seinen Namen nannte mir der mittelgroße, gepflegt aussehende Mann nicht. Das taten die Amerikaner auch nie, oder sie gaben falsche Namen an, die sie wohl aus Tarnungsgründen angenommen hatten. Die Tarnung dauerte meistens nicht sehr lange, denn offensichtlich waren die einzelnen Amerikaner wenig über die Decknamen ihrer Kollegen unterrichtet; sie machten oft ein erstauntes Gesicht, wenn man von Captain Stone, Lieutnant Brown oder Captain Bernhard sprach, wie sich die betreffenden uns gegenüber vorgestellt hatten. Binnen kurzem wußte jeder Internierte, daß diese Namen nicht die richtigen waren, und nach längerer oder kürzerer Zeit kam uns der Zufall in Gestalt von Unterschriften unter Dokumenten und so weiter zu Hilfe, um festzustellen, daß die wirklichen Namen (-Severin F.-) Wallach, (-Captain Hans-) Wallenberg und (-Albert-) Zoller lauteten."(Schmidt: "Der Statist auf der Galerie", S.59/60 - 1951)

In Sachen Presseaufbau steht den Amerikanern in Bayern der anfangs im Augsburger Bärenkeller gegenüber Fritz Sauckel tätige Verhörspezialist, Press Control Officer Captain Ernst Langendorf, zur Verfügung:

"In Bayern war eine sehr aktive Findungskommission am Werk, die im Sommer 1945 ihre Fühler nach allen Seiten ausstreckte, um für München, Nürnberg, Würzburg, Regensburg und nicht zuletzt für Augsburg, aber auch für Garmisch und Bayreuth, für insgesamt rund 20 bayerische Städte maßgeschneiderte Zeitungsmacher zu suchen. Die Gruppe wurde von Oberst Barney McMahon geführt.(...) Seine engagierten Leute, unter denen wie Ernest Langendorf viele jüdische Emigranten waren, fuhren mit ihren Jeeps kreuz und quer durch Bayern, um Hinweisen auf mögliche Kandidaten nachzugehen. Die Hinweise kamen aus den verschiedensten Ecken. Die katholische Kirche machte auf diesen und jenen aufmerksam, ehemalige Gewerkschafter wussten Leute zu nennen, die Widerstand geleistet hatten, und einstige Reichstagsabgeordnete wie die Sozialdemokraten Wilhelm Hoegner aus München, der spätere Ministerpräsident von Bayern und Josef Felder aus Augsburg kannten Genossen, die sich von den Nazis nicht hatten korrumpieren lassen. Wer von den amerikanischen Spürnasen Witterung aufnahm und auf Curt Frenzel stieß, liegt im Reich des nicht mehr zu Klärenden. Die Wahrscheinlichkeit spricht dafür, dass der Sozialdemokrat Curt Frenzel in Bad Reichenhall Kontakt zu alten Genossen suchte und die Amerikaner davon Wind bekamen. Sie suchten ihn auf, ließen ihn einen riesigen Fragebogen ausfüllen, der genauestens geprüft wurde, und waren sich wohl schließlich einig, dass ...(...)

Chemnitz, mit Berufsverbot von den Nazis belegt, in der Lage sein müsste, in Augsburg eine Zeitung zu leiten. Zu den Amerikanern, die mit Curt Frenzel Kontakt aufnahmen, gehörte Dr. Joseph Dunner, einst Sozialdemokrat, der vor den Nazis 1933 in die Schweiz geflohen war und schließlich in den USA landete. In seinen Erinnerungen 'Zu Protokoll gegeben' beschreibt er sein Zusammentreffen mit Curt Frenzel in Bad Reichenhall: 'Ende Juli 1945 hatte ich eine längere Unterredung mit Curt Frenzel, der sich damals in Bad Reichenhall aufhielt. Ich wußte, daß er vor 1933 zur Redaktion der sozialdemokratischen 'Chemnitzer Volksstimme' gehört hatte und in seinem politischen Denken von Paul Levi beeinflußt worden war. Frenzel trug sich mit dem Gedanken, nach Chemnitz zurückzukehren. Er war im Konzentrationslager gewesen und glaubte, dass ihn die sowjetische Verwaltung mit offenen Armen empfangen würde. Ich hatte einen genaueren Einblick in die Verhältnisse der sowjetischen Besatzungszone als er und versuchte, ihn von seinem Vorhaben abzuhalten.' Curt Frenzel mag anfangs wirklich mit dem Gedanken gespielt haben, zurück nach Sachsen zu gehen, zu seinen alten Kameraden und Genossen, mit denen er gegen die Nationalsozialisten agitiert hatte. Schließlich war der Sozialdemokrat Rudolf Friedrichs, der von den Sowjets im Juli 1945 eingesetzte erste sächsische Ministerpräsident, ein enger Freund von Curt Frenzel, mit dem er sich manche Schachpartie geliefert hatte. Und Friedrichs schien willens zu ... (...)." (v. Kuenheim: "Lizenz Nr.7: die Geschichte der Augsburger Allgemeinen Zeitung", S.20/21 - 2009)


Einvernahme von bekannten Vertretern des III. Reiches in dem provisorischen Gefangenenlager  des CIC-Centers - Oktober 1945 (Counter Intelligence Corps) in Augsburg (Fotografie im Privatbesitz - Bärenkeller-Siedlung, vermutlich Lerchenweg 43, Blickrichtung Hirschstraße / 1st Lt. Eugene Vincent Valic, 2209 Cleveland Avenue, Niagarafalls/NY - 255th US-Infantry)

Zu dem Augsburger Verhör-Stützpunkt der amerikanischen Truppen wird auch in der Biographie des späteren Nato-Generalsekretärs, Adolf Heusinger, berichtet, der während seiner fast 50-jährigen Soldatenzeit in vier deutschen Armeen diente:

"Am 4. Mai 1945 geriet Heusinger in Gefangenschaft. Zuerst brachte man ihn in das Lager Augsburg-Bärenkeller, eine zu diesem Zweck geräumte Eisenbahner-Wohnsiedlung. Sie diente nicht nur der Verwahrung der unterschiedlich prominenten Gefangenen verschiedenen Status, darunter einige Funktionäre des nationalsozialistischen Regimes von düsterer Berühmtheit (...). Die Gefangenen, isoliert in den einzelnen Wohnungen und Häusern der Siedlung, hatten wenig Gelegenheit, unbeaufsichtigt miteinander zu sprechen, und sahen sich nur von ferne. Denn in Augsburg-Bärenkeller war das Seventh Army Interrogation Center (SAIC) eingerichtet, das wohl aber, unter Zeitdruck stehend, nur eine erste oberflächliche Sortierung der Gefangenen vornahm." (Meyer: "Adolf Heusinger: Dienst eines deutschen Soldaten", S.294 - 2001)

Von einem weiteren Inhaftierten wird berichtet:

"Nachdem mir von den Amerikanern aus meinem Fünf-Tage-Koffer noch einige Ausrütsungsgegenstände, wie Hemden, Strümpfe und Schuhe ohne Erklärung herausgenommen worden waren und erstaunlicherweise auch das Buch des amerikanischen Staatssekretärs Sumner Welles 'Time for Decision' beschlagnahmt wurde, führte mich ein Posten in eines der Häuser. Ich wurde in einer kleinen Dreizimmerwohnung untergebracht mit der strikten Weisung, daß ich sie unter keinen Umständen verlassen dürfe. Sie beherbergte außer mir noch einen weltberühmten deutschen Flugzeugkonstrukteur (-Prof. Willy Messerschmitt-), den letzten ungarischen Propagandaminister (-Ferenc Kassei-Schallmayer-), den Chef des Telefonabhördienstes von Berlin, (-Gottfried Schapper-) und einen Rechtsanwalt. Gleich am ersten Abend entwickelte sich ein hochinteressantes Gespräch, zu dem jeder der fünf Erfahrungen aus seinem Tätigkeitsgebiet während der vergangenen Jahre beisteuerte. Am schweigsamsten war der ungarische Minister, am lebhaftesten der 'Chef des Forschungsamtes', wie der Abhördienst getarnt hieß. Er teilte die Menschen in zwei Gruppen, solche die 'erfaßt' worden waren und solche die es nicht waren. 'Sie haben wir nicht erfaßt', sagte er mir kurz nach der Begrüßung, 'aber Sie haben mit vielen Leuten gesprochen, die von uns telefonisch überwacht wurden, und daher sind Sie auf vielen unserer Aufnahmen erschienen.'" (Schmidt: "Der Statist auf der Galerie", S.52/53 - 1951)


Das amerikanische Besatzungsorgan MFIU 5 auf dem Weg zur Schuster-Commission im amerikanischen Kriegsgefangenenlager des 7th US-Army Interrogation Center in Seckenheim/Mannheim - Oktober 1945 (Fotografie im Privatbesitz - Bärenkeller-Siedlung, vermutlich Höhe Lerchenweg 43, Blickrichtung Hirschstraße / 1st Lt. Eugene Vincent Valic, 2209 Cleveland Avenue, Niagarafalls/NY - 255th US-Infantry)

Zu dem am 1. Mai 1945 in Murnau festgenommenen Ingenieur Prof. Willy Messerschmitt heißt es:

"Der Flugzeugkonstrukteur war nach Kriegsende (-zum Verhör mit einer DC 3-) schon in London gewesen. Die ihm von englischer Seite angebotene Mitarbeit hatte er von dem Schicksal Deutschlands abhängig gemacht und war daraufhin wieder ins Internierungslager zurückgeschickt worden." (Schmidt: "Der Statist auf der Galerie", S.53 - 1951)

"Von dort kam er für längere Zeit in die 'Bärenkeller-Siedlung' in der Nähe von Augsburg, anschließend nach Ludwigsburg. Aus dem überfüllten Lager wurde in Abständen durch 'Abzählen' jeder zehnte der Internierten nach Heilbronn gebracht. Willy Messerschmitt gehörte eines Tages dazu. In Heilbronn war es am schlimmsten. Die Internierten verbrachten Tag und Nacht, bei Kälte und Regen, auf einer Wiese unter freiem Himmel. Diese Umstände, die mangelhafte Ernährung und Depressionen brachten Messerschmitt dem Tode nahe. Ein US-Wachsoldat fand ihn, brachte ihn in einer Baracke unter und rettete ihm so das Leben. Erst jetzt stellten die Amerikaner fest, um welch prominenten Internierten es sich handelte." (Ebert, Kaiser, Peters: "Willy Messerschmitt - Pionier der Luftfahrt", S. 293 - 1992)

Video: US-Präsentation deutscher Ingenieursleistung: ME 262 - 1946

Bereits im Mai 1945 wird eine der Privatsekretärinnen Adolf Hitlers, Christa Schroeder, von Albert Zoller aus der 7. US-Armee in Augsburg verhört. Da sie für die Amerikaner interessante Einblicke in das Alltagsleben Adolf Hitlers bietet, gelangt sie bereits kurz nach der Internierung von Augsburg nach Seckenheim/Mannheim. Albert Zoller berichtet:

"Im Lager Augsburg traf ich im Mai 1945, verloren in der bunt zusammengewürfelten Menge all jener, die in Partei, Wehrmacht und Regierung zur Prominenz gezählt hatten, eine von Hitlers Privatsekretärinnen." (Zoller: "Hitler privat - Erlebnisbericht seiner Geheimsekretärin", S.8 - 1949)


Verbotschilder für die in Augsburg Internierten: "Es ist strengstens verboten, Briefe an die Kommandantur zu schreiben oder die Wachposten mit solchen oder persönlichen Anliegen zu belästigen" - Oktober 1945 (Lt's Falk, Levy and Jaffray - MFIU #5, Fotografie im Privatbesitz / 1st Lt. Eugene V. Valic, 2209 Cleveland Avenue, Niagarafalls/NY - 255th US-Infantry)


Als Kommandeur des CIC-Detention-Center in Augsburg fungiert Leutnant Ernest Hauser: Auf dem Foto: Vermutlich Sergeant Herbert Bechthold (28) bei der Auszeichnung von Leutnant Falk (r) in der Augsburger Siedlung Bärenkeller - Oktober 1945 (Blick Doppelhaushälfte Bärenstraße 4/6 und Reihenhäuser der Wertinger Straße, Fotografie im Privatbesitz / 1st Lt. Eugene Vincent Valic, 2209 Cleveland Avenue, Niagarafalls/NY - 255th US-Infantry)

In der Augsburger Bärenkeller-Siedlung finden sich diverse Vertreter des untergegangenen Reiches ein, deren Namen zum Teil einen hohen Bekanntheitsgrad besitzen.  Schwabens Gauleiter Karl Wahl gehört hier zu den ersten von den Amerikanern internierten Personen:

"Die nächste Station war die Bärenkellersiedlung im Westen Augsburgs. Hier war die ganze einstige Prominenz versammelt: hohe und höchste Offiziere, Parteiführer, hohe Beamte, auch Göring war ein paar Tage dort. Einmal fand im Freien ein amerikanischer Feldgottesdienst statt, bei dem erst so recht zu ersehen war, wer sich alles in der idyllischen Augsburger Vorstadtsiedlung des NS-Staates ein ungewolltes Stelldichein gab.(...) Eine Zeitlang war ich den Schikanen einzelner untergeordneter amerikanischer Aufsichtspersonen ausgesetzt. Sie galten dem 'berüchtigten Nazi-Gauleiter'. Darüber war ich oft sehr deprimiert. Da, als die Not am größten war, kam ein amerikanischer Hauptmann, der aus Stuttgart stammte, und machte dem wüsten Treiben ein Ende. Wie ein leibhaftiges Wunder empfand ich seine unerwartete Hilfe. Er besuchte mich öfters, brachte Zigaretten mit und unterhielt sich mit mir oft sehr lange. Auch den Lagerleiter brachte er einmal mit. Als ich mich einmal für seine Liebenswürdigkeiten bedanken wollte, wehrte er energisch ab und sagte: 'Ich freue mich, Ihnen helfen zu können, und ich tue das, weil ich die schwäbischen Verhältnisse etwas kenne und viel Gutes von Ihnen gehört habe. Eines Tages wurde er ganz plötzlich versetzt -, er war anscheinend zu gut für seine Aufgabe als Vernehmungsoffizier ...!" (Wahl: "Es ist das deutsche Herz", S.434/435 - 1954)

In dem Verhörlager Bärenkeller werden auch Wissenschaftler, Techniker und Ärzte vom Seventh Army Interrogation Center (SAIC) und der Mobile Field Interrogation Unit (MFIU 5) vernommen, deren Erfahrungen und Forschungsergebnisse den Amerikanern wertvoll erscheinen. Hierzu gehört im Mai 1945 der Augsburger Flugzeugkonstrukteur Prof. Willy Messerschmitt, die Typhus-Experten Hauptmann Dr. Heinrich Daniels (Lemberg?), Hauptmann Dr. Heinrich Müchter und Oberstabarzt Dr. Eyer, aber auch der nationalsozialistischer Dichter Richard Euringer. Der seit 1940 verantwortliche Leiter des Wasserkraft-Handelsverbandes, Herr Walter Fleming, reiht sich als Wasserwirtschafts-Experte in die lange Liste der zu vernehmenden Personen ein. Zu weiteren vom MFIU 5 vernommenen Personen wird vermerkt:

"e. Oberst Dr. Theo Joedicke, Chief of staff of the Medical Military Academy, Berlin. Dr. Joedicke had general knowledge of the water supply development and practice in the Wehrmacht, and knew the men who had been key figures in this field.

f. Gen. Maj. (-Wilhelm Marius-) Petersen, head of the Pioneer school at Dessau-Osslau, had knowledge in the water supply field of onley the" (Joint Intelligence Objectives Agency: "German Military Water Supply", S.5 - 1945)

Auf militärischem Gebiet sind im Augsburger Vernehmungslager Bärenkeller außerdem vertreten die Feldmarschälle

(Kesselring, Albert - Postkarte aus dem Ross-Verlag, Berlin - 1944)

Albert Kesselring, Wilhelm Ritter v. Leeb, Wilhelm List, Gerd v. Rundstedt, Maximilian Freiherr v. Weichs, Reichskriegsminister und Feldmarschall Werner v. Blomberg und die Generalobersten Heinz Guderian, Hans-Georg Reinhardt, General der Flakartellerie und Inspekteur der V1 Walther v. Axthelm (Augsburg v. 20.-31.5.1945), Generalleutnant Alexander von Pfuhlstein, der österreichische General und Vicekanzler Edmund Glaise-Horstenau, Inspekteur der Panzertruppe Leo Geyr v. Schweppenburg und Generalleutnant Adolf Heusinger, dem späteren Nato-Generalsekretär. Neben dem Reichsminister Hans Frank, Robert Ley,


Ende im Gelände: Kriegsgefangerner Robert Ley auf dem Weg zum Augsburger Vernehmungslager Bärenkeller - 16. Mai 1945 (br.de: "US-Soldaten stellen Nazi-Bonzen" v. 7.4.2015)

Weiter finden sich in Augsburg ein: Der Thüringer Gauleiter Fritz Sauckel (in Augsburg v. 13.5.-6.8.1945), Reichsaußenminister Joachim v. Ribbentrop, der Lyoner Gestapo-Chef Klaus Barbie (Verschriftlicht in: "Marxistische Blätter", Bd.23, S.47 - 1963/85), vermutlich auch der im KZ Auschwitz eingesetzte SS-Unterscharführer Hans Nierzwicki und der ehemalige Chef der Reichskanzlei Hans Heinrich Lammers. Auch Reichsminister und Gestapo-Gründer Hermann Göring mit seinem Adjudanten Oberst Bernd v. Brauchitsch finden sich in Augsburger Kriegsgefangenschaft ein. Zu dem direkten Vorlauf heißt es in einem späteren Interview eines beteiligten US-Soldaten:

"We took off following a Mercedes. It turns out a Mercedes came in under a white flag with letters from Reichsmarshall Hermann Göring to General Dwight D. Eisenhower. They couldn't get through to the north so they came our way. Göring was interested in surrendering. He thought he would sit down with Eisenhower and work out the means of surrendering the rest of the German forces and revitalize Germany to assist the Allies, because the Germans thought we'd be fighting the Russians.(...)" (historynet.com: "Interview: Lester Leggett / the Mission to Capture Hermann Göring" v. 6.12.2006)

Weiter wird berichtet:

"An hour later, the men were picked up by a staff car and driven to Seventh Army headquarters. On the afternoon of May 9, word spread throughout Seventh Army headquarters that Reichsmarschall Göring had arrived. The former head of the once-vaunted Luftwaffe swaggered into the Seventh Army Interrogation Center carrying his Field Marshal's baton rolled in a green felt cloth, adorned with his best medals, a unique hunting knife, and a pistol. Göring was relieved of his military medals, including his Grand Cross, Pilot Observers Badge withdimonds (above) and his dagger (below), all while being forced to sit in a small straight back chair designed for am men half his girth. He was obviously ill at ease and sweated profusely throughout the ordeal. In the background stands Colonel Bernt von Brauchitsch, who is removing his own medals."

"Eine Stunde später wurden die Männer von einem Stabswagen abgeholt und zum Hauptquartier der Siebten Armee gefahren. Am Nachmittag des 9. Mai verbreitete sich im Hauptquartier der Siebten Armee die Nachricht, dass Reichsmarschall Göring eingetroffen sei. Der ehemalige Chef der einst gepriesenen Luftwaffe stolzierte in das Verhörzentrum der Siebten Armee und trug den in ein grünes Filztuch gerollten Stab eines Feldmarschalls, geschmückt mit seinen besten Medaillen, einem einzigartigen Jagdmesser und einer Pistole. Göring wurde seiner militärischen Orden enthoben, darunter seines Großkreuzes, seines Flieger-Beobachterabzeichens mit Diamanten (oben) und seines Dolches (unten), während er gezwungen war, in einem kleinen Stuhl mit gerader Rückenlehne für einen Mann mit halbem Körperumfang zu sitzen. Er fühlte sich offensichtlich unwohl und schwitzte während der gesamten Tortur stark. Im Hintergrund steht Oberst Bernt von Brauchitsch, der seine eigenen Orden abnimmt." (Alford: "Nazi Plunder", S. - 2003)


Kriegsgefangener: Hermann Göring bei seiner Ankunft in der Augsburger Siedlung Bärenkeller - 10. Mai 1945 (collections.ushmm.org / Wartenberg, Rolf - links im Bild + granger.com: Image No. 0081266)


Mit Orden, weißer Kapitulationsbinde und umwickeltem Marschallstab in der Hand: Reichsmarschall a.D. Hermann Göring mit seinem Adjudanten Oberst Bernd v. Brauchitsch bei der Ankunft in der Bärenkeller-Siedlung/Bärenstraße 15, mit Blick auf Lerchenweg 63 - 10. Mai 1945 (Deininger: "Portrait einer Fliegerstadt", S.84 - 1995 + augsburger-allgemeine.de: "Als Hermann Göring Häftling im Bärenkeller war" v. 19.5.2015 + pressreader.com: "Hermann Göring, der Häftling im Bärenkeller" v. 19.5.2015 + padresteve.com + granger.com: Image No. 0081268 + Alford: "Nazi Plunder", S.47 - 2003)

Video: Empfang durch Verhör-Kommandant Major Paul Kubala: Ankunft der Kriegsgefangenen Hermann Göring und v. Brauchitsch in der Siedlung Bärenkeller - 9. Mai 1945

Video: Hermann Göring bei seiner Ankunft in der Augsburger Siedlung Bärenkeller, im Hintergrund die Parrkirche St. Konrad, von der Bärenstraße aus gesehen - 9. Mai 1945

Video: Bärenkeller-Küche: Entwaffnung Hermann Görings und Zuweisung in die Unterkunft - 9. Mai 1945

Der ehemalige Reichsmarschall Hermann Göring wird von den amerikanischen Spezialisten nach seinem gescheiterten Staatsstreich im Ritter-von-Steiner-Schulgebäude der Augsburger Siedlung Bärenkeller in den folgenden Tagen als Kriegsgefangener verhört.


(Wikimedia Commons - Datei: GöringDetentionReport.png / us-government)

Zuvor durchläuft der ehemalige Reichsmarschall die obligatorische Abschmückung, deren Ablauf von einem weiteren Internierten wie folgt beschrieben wird:

"Hinter zwei tännenen Tischen hocken zwei Amisergeanten, der eine reicht mir ein großes Kuvert, auf dem bereits mein Name steht. Ein Griff nach meiner Ordensspange ..., ratsch: Orden ab. Sie verschwinden in das Kuvert. Den Brustschmuck liefere ich gelehrig nach. Den Packen Schriften samt Tagebüchern nimmt mir der andere Sergeant ab. Auch sie verschwinden in dem Umschlag. Ein Fingerzeig fordert die Armbanduhr. 'Es ist zwar eine Luftwaffenuhr', erkläre ich, 'aber bezahlt und mein Eigentum'. Das interessiert nicht. Sie wandert also den selben Weg. Waffe? 'Bereits abgegeben.' Griffmesser? (Am Beispiel demonstriert.) 'Nein.' 'Money.' 500 Mark in Noten. Sie werden kassiert. Ich kann gehen. 'The next!'" (Euringer: "Die Sargbreite Leben", S.37 - 1952)

Der amerikanische Captain Eugene Vincent Valic notiert später in einem Brief an seine Frau:

"Liebling, bitte nimm diese zwei Fotoseiten für künftige Referenzen. Sie zeigen Göring unmittelbar nach seiner Gefangennahme durch die Einheiten der 7th Army. Besonders, wo er in einer Küche des Augsburger Internierungslagers sitzt und seine vielen Orden und Auszeichnungen abnimmt. Das hast Du vielleicht nicht gewußt, aber wir hielten Hermann für mehrere Monate fest. Seine Schulter-Dekorationen waren auf jeder Seite aus einem Pfund puren Gold. - Nr. 4 hat nichts von diesem Goldbarren als Souvenier bekommen." (Brief im Privatbesitz / Captain Eugene V. Valic, 2209 Cleveland Avenue, Niagarafalls / NY - 255th US-Infantry - 8.1.1946)


Weiße Armbinde mit Schulter-Deko aus solidem Gold: Reichsmarschall a.D. Hermann Göring mit seinem Adjudant v. Brauchitsch (r) kurz nach der Ankunft in der Augsburger Siedlung Bärenkeller, während sein Adjudant ihm den abgenommenen Gürtel und Orden hält. Von Brauchitsch trägt dabei noch seine Offiziers-Armbinde mit der Aufschrift 'Hermann Göring' - 10. Mai 1945 (U.S. Army Signal Corps / Lapidus, J. + Bridgeman Images, Bildnr.: SZT2994930 + LIFE, Vol.18, Nr.22, S.31 v. 28.5.1945 + bsb-muenchen.de:  Bayerische Staatsbibliothek, Bildnummer hoff-54614 + Wikimedia Commons - Datei: Göring vankina.jpg / o.Ang. + Alford: "Nazi Plunder", S.48 - 2003)


Briefe von der europäischen Front: Captain Eugene Vincent Valic, 2209 Cleveland Avenue, Niagarafalls / NY - 255th US-Infantry - 8. Januar 1946 (Fotografie im Privatbesitz)


Souvenirs vom Untergang des tausendjährigen Reiches: 1st Lt. Eugene Vincent Valic - 1945 (Fotografie im Privatbesitz)

Die abgenommenen Uniformteile Hermann Görings gelten bisweilen als begehrt. So schreibt das Manager-Magazin rund 80 Jahre nach dem Kriegsende:

"In den USA steht in Kürze eine Auktion an, wie es sie hierzulande wenn überhaupt, dann sehr wahrscheinlich nur unter heftigen Protesten geben würde: Das Auktionshaus Rock Island Auction Company in Illinois bietet eine Pistole aus dem Besitz des früheren Nazi-Führers Hermann Göring an. Die vergoldete Waffe des Typs Walther PPK, mit zahlreichen Verzierungen sowie dem Göringschen Familienwappen und den eingravierten Initialen des Hitler-Vertrauten am Griff, soll einen Versteigerungserlös von bis zu 400.000 Dollar bringen, so die Vorabschätzung." (manager-magazin.de: "Hermann Görings Pistole soll 400.000 Dollar wert sein" v. 8.8.2016)


Walther PPK mit Familienwappern: Hermann Görings Hang zum Exklusiven - 9. Mai 1945 (krone.at: "USA: Goldene Göring-Pistole kommt unter den Hammer" v. 8.8.2016 + Wikipedia + Rock Island Auction + Wikimedia Commons - Datei: Goeringcaptivity.jpg + Goeringcaptivity2.jpg / o.Ang. + Allford: "Nazi Plunder", S.45 - 2003)

Die Ordensammlung Hermann Görings hat mittlerweile über Umwege ihren Platz in einem britischen Museum gefunden. Zu ihr gehört das Eiserne Kreuz und der Blaue Max, die Hermann Göring im Ersten Weltkrieg als Kampfflieger der kaiserlichen deutschen Armee verliehen wurde. Andere Medalien waren politische Geschenke von Adolf Hitler, den Führern Italiens, Spaniens, Japans und Ungarns. Die Ordensammlung von Marschall Göring wird jetzt mit seiner Uniform in der Ausstellung Battle of Britain im Hendon Museum der Royal Air Force in London ausgestellt.


Geltung durch Blech: Londoner Museums-Ausstellung aus Hermann Görings Sammlung - 2018 (deviantart.com: Museumsvitrine / Kitterman)

Video: Hermann Görings Orden I

Video: Hermann Görings Orden II


Handelsware für € 1350,-: Jackenabzeichenset für Divisionsoffiziere von Hermann Göring - 2024 (Fotografie im Privatbesitz)

Video: Hermann Görings Wohnungszuweisung innerhalb der Bärenkellersiedlung - 10. Mai 1945

Noch vor dem Kriegsverbrecherprozess in Nürnberg wird Hermann Göring am 11. Mai 1945 den alliierten Journalisten in Augsburg präsentiert. Die amerikanische Öffentlichkeit reagiert irritiert ob der ungezwungen wirkenden Gesprächsatmosphäre. Verantwortlich für das Verhör zeichnet sich der amerikanische General Carl A. Spaatz, Strategie-Kommandeur der US-Luftwaffe in Europa. Auch Klaus Mann, der Sohn des Schriftstellers Thomas Mann, nimmt als amerikanischer Soldat an dem Pressetermin in einer privaten Villa nahe Augsburg teil. Er notiert:

"Wahrscheinlich ist Reichsmarschall Hermann Göring der schillerndste Vogel, der den alliierten Truppen im besetzten Deutschland bisher ins Netz gegangen ist. Daher war es nicht verwunderlich, daß sich eine beachtliche Anzahl (-ca. 50-) Journalisten einfand, als man diesen ungewöhnlichen Gefangenen das erste und vielleicht letzte Mal der Presse vorführte. Die Gruppe, der auch drei amerikanische Offiziere im Generalsrang und verschiedene andere hochrangige Militärs angehörten, bildete eine Art informellen Konvoi und wurde zu dem geheimen Ort geführt, wo der verhaftete Nazi-Führer der Dinge harrt, die auf ihn zukommen. Die Gruppe versammelte sich auf dem Rasen eines kleinen Gartens vor einer bescheidenen Villa. Nachdem man sich im Halbkreis um einen freien Lehnstuhl platziert hatte, erfolgte der Auftritt des berühmten Dicken, der mit kurzen, hastigen Schritten von der Terasse seines bayerischen Landhauses rasch zu uns herüberkam.(...) Der Mann, der sich einem Aufgebot feindseliger, kritischer Augen und surrender Kameras gegenübersah, war nicht ganz mittelgroß, korpulent, mit rosigen Wangen und wirkte nur in Maßen pompös. Er trug eine einfache, hellgraue Uniform mit hakenkreuzverzierten, goldenen Epauletten als einzigem Schmuck. Seine eleganten Seidensocken paßten genau zur Farbe seiner Uniform. Lediglich einen seiner kurzen Finger zierte ein Diamantring. Seine häßlichen Hände zitterten ein wenig, während sie unablässig ein Paar eleganter grauer Handschuhe hin und her bewegten. Offensichtlich war er außerordentlich nervös; die Selbstsicherheit seines Gangs und seiner Sprache wirkte gezwungen. Es gelang ihm nicht, seine Unsicherheit und seine Niedergeschlagenheit zu verbergen. Eins wurde deutlich gleich zu Beginn des Interviews: Dieser alte Kämpfer und führende Repräsentant der Nazi-Bewegung ist durchaus nicht ein halb wahnsinniger Clown, als den ihn manche Korrespondenten beschrieben haben. Er ist schlau, hartgesotten und berechnend. Mit bemerkenswerter Selbstdisziplin gelingt es ihm, sich den veränderten Umständen anzupassen. Er ist bemüht - und macht das nicht einmal ungeschickt -, einen guten Eindruck zu hinterlassen und die Sympathien jener zu gewinnen, deren Gnade er ausgeliefert ist. Er gibt sich als zivilisierter Mensch: versönlich und moderat, wobei er vermeidet, würdelos und allzu unterwürfig zu erscheinen. Da der ehemalige Reichsmarschall kein Wort Englich spricht, mußten alle Fragen und Antworten übersetzt werden. Der Dolmetscher stellte sich als Major Paul Kubala aus Elizabethtown in Kentucky vor.

Meine erste Frage an den Mann, den Hitler einst zu seinem Nachfolger bestimmt hatte, lautete: 'Glauben Sie, daß der Führer wirklich tot ist?' Die Antwort war ein schnelles, nachdrückliches 'Ja'. Es klang aufrichtig - so aufrichtig, wie ein Mann vom Schlage Görings eben sein kann.(...)

Auf die Frage, ob es seiner Meinung nach wirklich Hitler war, der Admiral Dönitz als seinen Nachfolger bestimmte, schüttelte Göring den Kopf. 'Nein, ganz bestimmt nicht. Das Telegramm mit der Ernennung von Dönitz war vom Leiter des Parteibüros, Martin Bormann, unterzeichnet.' Nach Görings Darstellung war Bormann während der letzten Monate die graue Eminenz hinter dem Thron gewesen und hat mehr Einfluß auf Hitler ausgeübt als alle anderen, sogar mehr als Himmler.

Noch weitere Punkte von Interesse kamen zur Sprache. Niemand in Deutschland hätte Bescheid gewußt über Rudolf Heß' Flucht nach England. Es sei für alle, Hitler eingeschlossen, eine vollkommende Überraschung gewesen.

Eine weitere 'frappierende Überraschung' für die Nazis war angeblich Pearl Harbor: Die Japaner hätten es versäumt, ihre deutschen Verbündeten über den geplanten Coup zu informieren.

Was die amerikanische Luftwaffe betrifft, meinte Göring, er sei von der Leistungsfähigkeit der Langstreckenbomber überrascht worden. Mehr als alles andere habe die kontinuierliche Bombardierung der deutschen Industrie- und Handelszentren zu Deutschlands Niederlage beigetragen. Der Reichstagsbrand 1933? Grinsend versicherte Göring seinen Zuhörern, er habe nichts damit zu tun.(...) Es erübrigt sich beinahe zu erwähnen, daß Göring darauf bestand, mit den Greueltaten in den Konzentrationslagern überhaupt nichts zu tun gehabt zu haben; auch habe er den Führer vor einem Krieg im allgemeinen und einem Mehrfrontenkrieg im besonderen gewarnt; kurz und gut, stets habe er versucht, seinen Einfluß zu nutzen, um das Schlimmste zu verhindern - aber seinen klugen Rat habe man so gut wie nie beachtet. All seine Gedanken, so schloß er, seien bei dem armen deutschen Volk, das mit so viel Ausdauer und Tapferkeit gekämpft habe. Kein Wort des Mitleids verlor er für die anderen Nationen, die so unsägliche Opfer bringen mußten für seinen und seines Führers wahnsinnigen Traum von der Weltherrschaft." (Mann/Naumann/Töteberg: "Auf verlorenem Posten/Göring wirbt um Mitgefühl", S.221-224 - 2019)


Ehemals Reichsmarschall: Hermann Göring während des Augsburger Pressetermins - 11. Mai 1945 (LIFE, Vol.18, Nr.22, S.31 v. 28.5.1945 + granger.com: Image No. 0081271 + bsb-muenchen.de: Bayerische Staatsbibliothek, Bildnummer hoff-54611)

In einer weiteren Berichterstattung wird von Hermann Görings Pressetermin vermerkt:

"The object of our drive from Munich to Augsburg was a meeting with Field Marshal Hermann Goering, who was just taken prisoner and was about to grant his first press conference in his new capacity. The interview which took place for some reason outdoors in the backyard of a middle-class house on the outskirts of Augsburg revealed little that was sensational in the way of news , but it had perhaps a certain value as a spectacle. When the (-ca. 50-) correspondents arrived , wooden chairs of the sort caterers supply for garden parties were arranged in a semicircle facing a small weeping willow tree, which supplied the only spot of shade available, and under which two other chairs and a round table had been placed for the field marshal and his interpreter. Photographers, who like bright sunshine, objected to this arrangement so Goering's chair and table were moved out into the sun. Presently the field marshal emerged from the back door of the little villa and walked in a stately fashion to his appointed place. Goering, who looks like his photographs, is the kind of plump, smallish man whose clothes are inevitably the most noticeable thing about him. If and when he goes to the gallows, reporters will describe not the expression on his face, but what he wore, in addition to the rope. On this occasion the marshal was turned out in neat but not gaudy fashion in a gray flannel uniform with fittings to match, including blue-gray shirt, socks and gloves. Not only his famous stock of medals but even the buttons of this uniform had been removed in the approved style for war prisoners. Still apparent, however, were rows of embroidered loops, eight horizontal and six vertical on the left breast which had apparently been the anchorages for these minor evidences of his collector's passion in the past .The (77) field marshal carried a fine linen handkerchief embroidered with his initials HG, with which, when not fiddling with his gloves, he mopped his face from time to time during the interview, which must have been a trying one for him.

The only item not in keeping with Goering's elegant ensemble were his shoes, which were a cheap and shabby maschine-made pair of brown ones. An English marshal in the same position might have been clothed in rags but anything so basic as his boots would have been made by Maxwell and well shined .Group interviews work well when the interviewee is at home and on familiar ground with his interlocutors. On occasions like the one in question they tend to evaporate into insignificance since all the reporters present have different lines of investigation, which , owing to their large number , none of them get a real chance to pursue. Goering answered the stock inquiries as to Hess ' disappear - ance , Germany's failure to invade England, the reason for the invasion of Russia and the effects of Allied air power in almost exactly the same words that Lieutenant General Ditmars had used to me a week before .To the badgerings of some British reporters who seemed bent on making him express contrition for the ill - treatment of war prisoners and others , the marshal responded by indicating that the responsibility lay elsewhere .Only three questions drew really spritely response from the phlegmatic No. 2 Nazi. The first of these was an inquiry as to whether he had ordered the bombing of Coventry. To this he reacted after a moment's pause with an enthusiastic 'Ja wohl,' adding that since Coventry manufactured basic airplane material it was a legitimate target.

The others were on whether he thought Hitler had really appointed Doenitz to replace him and whether Hitler knew about the concentration camp conditions. The former got a vigorous 'Nein' and the latter an adequately vigorous 'Ja'. Goering explained that Hitler ran the German penal system through his own underlings and never consulted comparative outsiders like himself. During the proceedings, which lasted upwards of an hour, the marshal remained calm and self-possessed, bearing out the preliminary assertion of the interpreter, Major Paul Kubala of Elizabethtown, Kentucky, that he showed few symptoms of indulgence in drugs. His expression showed that he often understood the question in English before it was translated. He used only one oratorical gesture. This , when stumped for a concise answer , was to unclasp his fat , freckled , well - manicured hands and roll them in an outward circle from the wrist .The little untended yard in which the correspondents held what may have been a" (Busch: "Lost Continent?", S.76-78 - 1945)

"Gegenstand unserer Fahrt von München nach Augsburg war ein Treffen mit Feldmarschall Hermann Göring, der gerade in Gefangenschaft geraten war und im Begriff war, seine erste Pressekonferenz in seiner neuen Funktion abzuhalten. Das Interview, das aus irgendeinem Grund draußen im Hinterhof eines Bürgerhauses am Rande von Augsburg stattfand, brachte wenig Sensationelles an Nachrichten, hatte aber vielleicht einen gewissen Wert als Spektakel. Als die (-ca. 50-) Korrespondenten eintrafen, standen Holzstühle, wie sie Caterer für Gartenpartys bereitstellen, im Halbkreis gegenüber einer kleinen Trauerweide angeordnet, die den einzigen verfügbaren Schattenplatz bot, und unter der zwei weitere Stühle und ein runder Tisch für den Feldmarschall und seinen Dolmetscher aufgestellt waren. Fotografen, die strahlenden Sonnenschein mögen, lehnten diese Anordnung ab und stellten Görings Stuhl und Tisch in die Sonne. Plötzlich trat der Feldmarschall durch die Hintertür der kleinen Villa hervor und ging würdevoll zu seinem zugewiesenen Platz. Göring, der wie auf seinen Fotos aussieht, ist ein rundlicher, kleiner Mann, dessen Kleidung zwangsläufig das auffälligste Merkmal an ihm ist.

Wenn er zum Galgen geht, werden Reporter nicht seinen Gesichtsausdruck beschreiben, sondern was er zusätzlich zum Seil trug. Bei dieser Gelegenheit präsentierte sich der Marschall in einer eleganten, aber nicht protzig wirkenden grauen Flanelluniform mit passender Ausstattung, einschließlich blaugrauem Hemd, Socken und Handschuhen. Nicht nur sein berühmter Ordensvorrat, sogar die Knöpfe dieser Uniform waren in der für Kriegsgefangene bewährten Manier abgenommen worden. Allerdings waren noch Reihen aufgestickter Schleifen zu erkennen, acht horizontale und sechs Vertikale auf der linken Brust, die in der Vergangenheit offenbar als Anker für diese kleinen Beweise seiner Sammlerleidenschaft gedient hatten. Der Feldmarschall trug ein feines Leinentaschentuch, das mit seinem Initialen HG bestickt war, mit dem er sich während des Interviews, wenn er nicht gerade an seinen Handschuhen herumfummelte, von Zeit zu Zeit das Gesicht abwischte, was für ihn eine anstrengende Angelegenheit gewesen sein muss." (Busch: "Lost Continent?", S.76/77 - 1945)


Erhitzt durch Sonne und journalistische Fragen: Hermann Göring vor der alliierten Presse in Augsburg - 11. Mai 1945 (LIFE, Vol.18, Nr.22, S.30 v. 28.5.1945 + bsb-muenchen.de: Bayerische Staatsbibliothek, Bildnummer hoff-54625)

"Der einzige Gegenstand, der nicht zu Görings elegantem Ensemble passte, waren seine Schuhe, bei denen es sich um billige und schäbige, maschinell hergestellte braune Schuhe handelte. Ein englischer Marschall in der gleichen Position hätte in Lumpen gekleidet sein können, aber alles so Einfache wie seine Stiefel wäre von Maxwell hergestellt und gut geputzt gewesen.

Gruppeninterviews funktionieren gut, wenn der Interviewpartner zu Hause ist und mit seinen Gesprächspartnern vertraut ist. Bei Anlässen wie dem fraglichen neigen sie dazu, sich in der Bedeutungslosigkeit zu verflüchtigen, da alle anwesenden Reporter unterschiedliche Ermittlungsschwerpunkte verfolgen, denen aufgrund ihrer großen Zahl keiner von ihnen eine wirkliche Chance gibt, sie weiterzuverfolgen. Göring antwortete auf die üblichen Fragen zum Verschwinden von Heß, zum Versäumnis Deutschlands, in England einzumarschieren, zum Grund für die Invasion Russlands und zu den Auswirkungen der alliierten Luftwaffe mit fast genau den gleichen Worten, wie der Generalleutnant Ditmars sie mir eine Woche zuvor gesagt hatte."


Vom Reichsmarschall zum Kriegsgefangenen: Hermann Göring während des Augsburger Pressetermins - 11. Mai 1945 (LIFE, Vol.18, Nr.22, S.31 v. 28.5.1945 + bsb-muenchen.de: Bayerische Staatsbibliothek, Bildnummer hoff-54612)

"Auf den Ärger einiger britischer Reporter, die offenbar darauf aus waren, dass er seine Reue über die Misshandlung von Kriegsgefangenen und anderen zum Ausdruck brachte, antwortete der Marschall mit dem Hinweis, dass die Verantwortung woanders liege.

Nur drei Fragen stießen bei dem phlegmatischen Nazi Nr. 2 auf wirklich lebhafte Antworten. Die erste davon war eine Anfrage, ob er die Bombardierung von Coventry angeordnet hatte. Darauf reagierte er nach einer kurzen Pause mit einem begeisterten 'Ja wohl' und fügte hinzu, dass Coventry ein legitimes Ziel sei, da es grundlegendes Flugzeugmaterial herstelle.

Andere fragten, ob er glaubte, Hitler hätte Dönitz wirklich zu seinem Nachfolger ernannt und ob Hitler über die Zustände im Konzentrationslager Bescheid wusste. Ersterer erhielt ein energisches 'Nein' und letzterer ein ausreichend energisches 'Ja'. Göring erklärte, dass Hitler das deutsche Strafsystem durch seine eigenen Untergebenen leitete und niemals vergleichsweise Außenseiter wie ihn selbst konsultierte. Während der Veranstaltung, die mehr als eine Stunde dauerte, blieb der Marschall ruhig und selbstbeherrscht und bestätigte damit die vorläufige Behauptung des Dolmetschers, Major Paul Kubala aus Elizabethtown, Kentucky, dass er kaum Anzeichen von Drogenkonsum zeige. Sein Gesichtsausdruck signalisierte, dass er die Frage auf Englisch oft verstand, bevor sie übersetzt wurde. Er benutzte nur eine rednerische Geste. Als er keine prägnante Antwort parat hatte, musste er seine fetten, sommersprossigen, gut manikürten Hände lösen und sie vom Handgelenk aus kreisförmig nach außen rollen. Der kleine, ungepflegte Hof, in dem die Korrespondenten etwas hielten, was möglicherweise ein ... war" (Busch: "Lost Continent?", S.77/78 - 1945)

Weiter wird von dem Augsburger Pressetermin berichtet:

"A reporter asked, 'What about the Reichsmarschall's statement that if the Allies ever bombed Berlin 'My name is Meyer'?' Göring mopped his brow, blushed like a Rhine maiden and kept his thick lips immobile until the next question."

Der Satz des Reichsmarschalls findet bereits kurz nach der ersten Bombardierung Berlins Eingang in die Karrikatur.


()

Verhört wird Hermann Göring vom Leiter der amerikanischen Einrichtung in Augsburg, dem gebürtigen Berliner Paul Kubala, Major der amerikanischen Streitkräfte:

"On May 10, 1945, after spending a day with Göring, interrogator Major Paul Kubala wrote a detailed report about the encounter. 'Although he has been depicted in news reports as being half-mad,' explained the major, 'Göring gives the impression of being a highly intelligent and cunning man, with charming manners and certain knowledge of art. He is very talkative, and once he has started to develop a favorite theme he can hardly be stopped. According to the report, Göring 'explains his tremendous accumulation of treasures by claiming to be a great lover of artistic works , and by stating it was his intention to transform Carinhall (his residence) into a national museum. 'After all, I'm a Renaissance type', explained Göring."

"Am 10. Mai 1945, nachdem er einen Tag mit Göring verbracht hatte, verfasste der Vernehmer Major Paul Kubala einen ausführlichen Bericht über die Begegnung. 'Obwohl er in Nachrichtenberichten als halb verrückt dargestellt wurde', erklärte der Major, 'erweckt Göring den Eindruck eines hochintelligenten und gerissenen Mannes mit charmanten und sicheren Manieren und gewissen Kunstkenntnissen. Er ist sehr gesprächig und wenn er erst einmal begonnen hat, ein Lieblingsthema zu entwickeln, ist er kaum noch zu bremsen. Dem Bericht zufolge 'erklärt Göring seine enorme Anhäufung von Schätzen damit, dass er behauptet, ein großer Liebhaber künstlerischer Werke zu sein, und dass es seine Absicht sei, Carinhall (seinen Wohnsitz) in ein Nationalmuseum umzuwandeln. 'Schließlich bin ich ein Renaissance-Typ', erklärte Göring." (Alford: "Nazi Plunder", S.51/52 - 2003)


US-amerikanische Präsentation nahe der Augsburger Siedlung Bärenkeller: Der ehemalige Reichsmarschall Hermann Göring und der amerikanische Verhör-Kommandant Major Paul Kubala im Interview mit der alliierten Presse - 11. Mai 1945 (Wikimedia Commons - Datei: Göring Augsburg 1945.jpg / o.Ang. + granger.com: Image No. 0081271 + Nerdinger: "Bauten erinnern - Augsburg in der NS-Zeit", S.97 - 2012 + bsb-muenchen.de: Bayerische Staatsbibliothek, Bildnummer hoff-54619)

Video: US-Inhaftierung deutscher Offiziere - 1945

Video: Pressetermin mit Hermann Göring in der Siedlung Bärenkeller - 11. Mai 1945

Video: Pressetermin ab Minute 6:50 mit Hermann Göring in der Siedlung Bärenkeller - 11.Mai 1945

Dem Vernehmungsoffizier Paul Kubala, der Hermann Göring während des Aufenthaltes in Augsburg eng begleitet, werden verschiedene Geschehnisse zugeordnet:

"Kubala's quarters at Augsburg. Kubala, who was in charge of the Seventh Army Interrogation Center, told me that he thought he knew the whereabouts of the crown. I had a feeling that I, too, knew where it was, and that it was no ..."

"Kubalas Quartier in Augsburg. Kubala, der das Verhörzentrum der Siebten Armee leitete, sagte mir, er glaube, den Verbleib der Krone zu kennen. Ich hatte das Gefühl, dass auch ich wusste, wo es war und dass es kein ..."


"... valet was per- mitted entry to get some shirts and personal belongings de- sired by the Reichsmarschall . I'phoned Major Kubala of the Interrogation Center , who was noted for his intelligence work . When I explained the situation , the"

"... dem Kammerdiener wurde Zutritt gewährt, um einige vom Reichsmarschall gewünschte Hemden und persönliche Gegenstände abzuholen. Ich rief Major Kubala vom Verhörzentrum an, der für seine Geheimdienstarbeit bekannt war. Als ich die Situation erklärte, sagte der" (Rorimer: "Survival: The Salvage and Protection of Art in War", S.155 + 211 - 1950)


"Für seine Geheimdienstarbeit bekannt": Major Paul Kubala mit Hermann Göring - 11. Mai 1945 (Magazin "World War II - Interview: GI's Mission to Capture Hermann Göring", S.35 - 1/2.2006)

Aus einer weiteren Perspektive geht hervor:

"On May 15, after five days of interrogating Göring, Major Kubala telephoned Colonel Quinn, informing him the former Reichsmarschall had access to a famous painting. If he were allowed to collect some clothes from Fischhorn Castle, explained Kubala, Göring would turn the painting over to the military

Kubala took the painting to Colonel Quinn, and the two men carried it to General Patch's office.Patch was not in, so Quinn dismissed Kubala and left the valuable painting on the"

"Am 15. Mai, nachdem er Göring fünf Tage lang verhört hatte, rief Major Kubala Oberst Quinn an und informierte ihn, dass der ehemalige Reichsmarschall Zugang zu einem berühmten Gemälde hatte. Wenn er einige Kleidungsstücke auf der Burg Fischhorn abholen dürfe, erklärte Kubala, würde Göring das Gemälde dem Militär übergeben.

Kubala brachte das Gemälde zu Colonel Quinn, und die beiden Männer trugen es in General Patchs Büro. Patch war nicht da, also entließ Quinn Kubala und ließ das wertvolle Gemälde dort liegen." (Alford: "Nazi Plunder", S.52 - 2003)


Abflug von dem Messerschmitt-Flugplatz/Haunstetten zum luxemburgischen US-Verhörlager Bad Mondorf: Kriegsgefangener Hermann Göring mit Major Ernst Englander (l) und dem 1938 in die USA emigrierten jüdischen Oberstleutnant Eric Warburg aus Hamburg - 21. Mai 1945 (Chernow: "Die Warburgs - Odyssee einer Familie", + Deininger: "Portrait einer Fliegerstadt", S.85 - 1995)

Während der Augsburger Internierung durch die US-Streitkräfte wird dem rangältestem Offizier, Feldmarschall Ritter v. Leeb, ein Angebot gemacht:

"Im Lager Augsburg-Bärenkeller erschienen zwei Leutnante bei dem gerade drei Wochen gefangenen Feldmarschall Ritter v . Leeb und erläuterten ihm am 25. Mai 1945 ihr Vorhaben, Material für ein 'amtliches Werk' zu sammeln, das 'möglichst objektiv ... Vorereignisse und Ereignisse dieses Krieges schildern soll'. Sie seien deswegen an ihn herangetreten, weil mehrere Offiziere ihre Aussagen davon abhängig gemacht hätten, daß er als ranghöchster und rangältester Offizier dazu seine Einwilligung erteile. Leeb gab zur Antwort, er nehme an, 'daß das Werk der allgemeinen Befriedung und Aufklärung dienen soll, daß der Haß in dieser Welt allmählich verschwindet'. Grundsätzlich habe er keine Bedenken, fügte er hinzu, er wolle aber auch die Ansicht des mitgefangenen Feldmarschalls List hierzu hören (der dann seine Auffassung teilte)." (Foerster: "Von der Kapitulation bis zum Pleven-Plan", S.676 - 1982)

Der als Schlächter von Lyon bekannt gewordene Klaus Barbie arbeitet in Augsburg unter dem amerikanischen Führungsoffizier Erhard Dabringhaus:

"1948 war ich Spezialagent des CIC, das war unser Gegenspionagekorps im besetzten Deutschland. [...] Ich war in Augsburg stationiert, und da ich fliessend Deutsch sprechen konnte, wurde ich beauftragt, ein Netzwerk deutscher Informanten zu betreuen, unter denen auch Klaus Barbie war." (Ganser: "Nato-Geheimarmeen in Europa", S.299 - 2014)

Der von den Amerikanern geschätzte Agent Barbie wird nach öffentlichem Bekanntwerden seiner NS-Vergangenheit der neu eingerichteten Funktion entbunden. Die vom Alten Stadtbad (1. Stock) aus praktizierte US-Geheimdiensttätigkeit endet für ihn 1951: Mitsamt seiner Familie flüchtet er von Augsburg über Genua nach Südamerika - vor dem Zugriff der französischen Justiz. Zu diesem Zweck stellen ihm im Februar 1951 die Amerikaner gefälschte Ausweispapiere auf den Alias-Namen Klaus Altmann aus. Über die Personalie Barbie berichtet sein ehemaliger Führungsoffizier später:

"Erhard Dabringhaus, ein amerikanischer Verbindungsoffizier, war einer der wenigen, die sehr früh von der wahren Identität Barbies wußten: 'Da sagte ich, Mensch, wir sind ja hier am arbeiten mit einem echten Kriegsverbrecher. Ich habe das natürlich nach oben gegeben und dachte, ich krieg 'ne Beförderung - und da sagte man mir, sei bitte ruhig, der Mann ist wertvoll.'" (taz.de: "Der Mann ist wertvoll" v. 16.11.1991)

Die sogenannte Ratten-Weg ermöglicht es auch SS-Mitgliedern, sich mit logistischer Hilfe von Vertretern der katholischen Kirche der europäischen Justiz zu entziehen.

Auch der vormals als Ostexperte von Adolf Hitler verwendete Reinhard Gehlen quert von Ende Mai bis zum 6. Juni 1945 das Augsburger Verhörlager Bärenkeller. Der amerikanische CIC bedient sich seiner guten nachrichtendienstlichen Agenten-Kontakte, besonders in den nunmehr sowjetischen Sektor und verwendet ihn schließlich als ersten Geheimdienstchef des BND im bayrischen Pullach. Die taz notiert:

"Die Liste ließe sich noch beliebig verlängern, sie reicht bis zu Reinhard Gehlen, ehemaliger Leiter der Aufklärungsabteilung 'Fremde Heere Ost' und eine der Schlüsselfiguren der mörderischen Feldzüge gegen die Sowjetunion. Er arbeite nach Kriegsende mit den Amerikanern am Aufbau eines antisowjetischen Geheimdienstes. Wohlweislich hatte er sein Geheimarchiv auf Mikrofilm kopiert und so eine gute Verhandlungsposition gegenüber dem CIA. Zwar stand er bis 1952 auf der Liste der meistgesuchten Kriegsverbrecher, aber sein Angebot überwog die moralischen Bedenken der Amerikaner. Gehlen machte bekanntlich als langjähriger Chef des Bundesnachrichtendienstes in Pullach Karriere." (taz.de: "Der Mann ist wertvoll" v. 16.11.1991)

Reinhard Gehlen aktiviert auf diese Weise seine ehemaligen Kontakte, sodass neben SS-Offizieren auch der von 1938 bis 1941 für Augsburg zuständige Gestapo-Offizier Anton Mahler kurzzeitig die Bürogeschäfte des offiziell erst ab April 1947 ebenfalls für den amerikanischen CIC arbeitenden Klaus Barbie übernehmen kann. Auch der ehemals stellvertretende Gestapo-Chef Wilhelm Krichbaum findet auf Gehlens Zuspruch eine neue Verwendung unter dem Schutzdach des neu aufgestellten Nachrichtendienstes BND.

Über den Nachkriegs-Alltag in dem Augsburger Internierungslager Bärenkeller wird berichtet:

"Der Tageslauf blieb von 'hot water, please' bis zur mitternächtlichen Polizeistunde in diesen heißen Sommertagen der gleiche. In seltsamem Kontrast zu der verschwenderischen Natur des deutschen Sommers stand die Erstarrung, in der die Stadt Augsburg , die wir von unseren Fenstern aus in der Ferne sehen konnten, zu liegen schien. Kein Fabrikschornstein rauchte, die Gasanstalt lag verödet und leer mit tiefeingesunkenen Gasbehältern da, Totenstille herrschte auf der Hauptstrecke nach Stuttgart, die so dicht am Lager vorbeiführte. So war denn die erste Lokomotive, die mit drei Güterwagen an einem Junimorgen langsam an unserem Lager vorbeischlich, für uns eine wahre Sensation. 'Der Verkehr wird wieder in Ordnung gebracht', riefen die Ingenieure mit strahlenden Gesichtern, als wäre nun schon alles gewonnen. Einige Tage später stieg aus einem Fabrikschornstein leichter Rauch auf, eines Tages hob sich auch der große Gasbehälter wieder in die Höhe, und man konnte Arbeiter und Fuhrwerke im Hof der Gasanstalt beobachten. Eifrig spähten wir nach weiteren Zeichen des wiederbeginnenden Lebens aus. Die Züge wurden länger und verkehrten regelmäßiger. Immer mehr Fabrikschlote begannen nicht nur leichten Rauch von sich zu geben, sondern kräftig zu qualmen, als wäre wieder ein normaler Betrieb angelaufen. Der Straßenverkehr wurde von Tag zu Tag stärker. Das Eis über Deutschland schien gebrochen. Lebhaft wurde bei uns - auf deutsch und auf englisch - über den Wiederaufbau diskutiert. Auch in unser Lager kam Bewegung. Zunächst waren es nur Gerüchte, die von einer Verlegung nach Heidelberg sprachen. Als Gefangene gehörten wir nämlich der 7. amerikanischen Armee, und diese wechselte damals (-am 22. Juli 1945-) ihren Standort. Schließlich wurde die Verlegung offiziell bekanntgegeben, und eines Morgens im Juli nahmen wir fast bewegten Herzens vom 'Bärenkeller' Abschied, als wir den in den langen Güterzug mit den bekannten (-21,7qm großen-) Wagen für '48 Mann oder 6 Pferde' verladen wurden. Auch unsere puerto-ricanischen Wachsoldaten waren mit von der Partie." (Schmidt: "Der Statist auf der Galerie", S.62 - 1951)

Nachdem die ehemalige NS-Prominenz bereits zum Juli/August 1945 nach Seckenheim/Mannheim verlegt wird, folgt im Oktober/November 1945 die komplette Verlegung der Verhör-Sektion in die ehemalige Loretto-Kaserne.


Sammlung zur Abfahrt nach Seckenheim/Mannheim vor dem Schulgebäude der Bärenkellersiedlung - Oktober 1945 (Blick von Pfarrkirch-Vorplatz auf das von den Amerikanern als Verwaltung genutzte Schulgebäude in der Bärenstraße 15, Fotografie im Privatbesitz / 1st Lt. Eugene Vincent Valic, 2209 Cleveland Avenue, Niagarafalls/NY - 255th US-Infantry)


"MFIU #5 'Jeeps' are assembling before leavin Augsburg for Seckenheim/Mannheim" - Oktober 1945 (Blick von Pfarrkirch-Vorplatz auf Doppelhaushälfte Bärenstraße 10 und die Reihenhäuser vom Amselweg, Fotografie im Privatbesitz / 1st Lt. Eugene Vincent Valic, 2209 Cleveland Avenue, Niagarafalls/NY - 255th US-Infantry)

Der Transport der noch in Augsburg internierten Wissenschaftler, Techniker und hohen Wehrmachtsoffiziere erfolgt dabei auch über das Augsburger Schienennetz:


Fußmarsch mit leichtem Gepäck: Zivile und militärische Funktionäre des untergegangenen NS-Staates warten am Augsburger Bahnübergang Oberer Schleisweg/Ecke Bertha-von-Suttner-Straße auf den Sonderzug nach Seckenheim/Mannheim  - Oktober 1945 (Fotografie im Privatbesitz / 1st Lt. Eugene V. Valic, 2209 Cleveland Avenue, Niagarafalls/NY - 255th US-Infantry)


Abschied vom Bärenkeller: Verlegung der internierten Gefangenen durch den Zugverkehr vom Bahnübergang Oberer Schleisweg/Ecke Berta-von-Suttner-Straße nach Seckenheim/Mannheim - Oktober 1945 (Im Hintergrund das städtische Gaswerk mit Kohlensilo und Behälterturm - Fotografie im Privatbesitz / 1st Lt. Eugene V. Valic, 2209 Cleveland Avenue, Niagarafalls/NY - 255th US-Infantry)


Ähnliche Blickrichtung auf das städtische Gaswerk - ca. 1935 (Fotografie im Privatbesitz)


Gaswerk von oben - 1932 (Wikimedia Commons - Datei: Luftbild Augsburger Gaswerk 1932.jpg / Hans Henle, Archiv Schnyder-Prölls  + sw-augsburg.de / Archiv Franz Haussler, Augsburg)


Überführung der zuvor in der US-Bärenkeller-Siedlung internierten Gefangenen über den Zugverkehr nahe Augsburg-Oberhausen nach Seckenheim/Mannheim - Oktober 1945 (Fotografie im Privatbesitz / 1st Lt. Eugene Vincent Valic, 2209 Cleveland Avenue, Niagarafalls/NY - 255th US-Infantry)


Gelöste Stimmung unter den "Big Shots" beim Besteigen des Zuges: Überführung der zuvor in der US-Bärenkeller-Siedlung internierten Gefangenen über den Zugverkehr nahe Augsburg-Oberhausen nach Seckenheim/Mannheim - Oktober 1945 (Fotografie im Privatbesitz / 1st Lt. Eugene Vincent Valic, 2209 Cleveland Avenue, Niagarafalls/NY - 255th US-Infantry)


Bereit zum Weitertransport im Kühlwagen der Reichsbahn: Vom MFIU #5 internierte Generalstabs-Offiziere, im Vordergrund Hauptmann (-Otto Erich?-) Kahn - Oktober 1945 (Fotografie im Privatbesitz / 1st Lt. Eugene Vincent Valic, 2209 Cleveland Avenue, Niagarafalls/NY - 255th US-Infantry)


Bereit zum Weitertransport im Kühlwagen der Reichsbahn: Vom MFIU #5 internierte Generalstabs-Offiziere, im Vordergrund Hauptmann (-Otto Erich?-) Kahn - Oktober 1945 (Fotografie im Privatbesitz / 1st Lt. Eugene Vincent Valic, 2209 Cleveland Avenue, Niagarafalls/NY - 255th US-Infantry)


"Big Shots": Vom MFIU #5 internierte Parteifunktionäre der NSDAP - Oktober 1945 (Fotografie im Privatbesitz / 1st Lt. Eugene Vincent Valic, 2209 Cleveland Avenue, Niagarafalls/NY - 255th US-Infantry)


Fußläufige Verbindung von der Amselstraße der Bärenkeller-Siedlung über den Oberen Schleisweg zur Bahnstation am Kobelweg - 1948 (StadtAA_40014_Karten-_und_Plansammlung_KPS_131)


Amerikanische Luftaufnahme der Siedlung Bärenkeller nach der Bombardierung Augsburgs - 1945 (StadtAA_40100_Fotosammlung_FS_FA_C_12490)

In einem Erlebnisbericht wird zu der Lagerverlegung berichtet:

"Von 7 Uhr morgens bis 2 Uhr nachts dauerte die Fahrt bis nach Mannheim. Sie bot uns ein recht eindrucksvolles Bild von dem Zustand der Zerstörung, in dem sich Süddeutschland damals befand, und zeigte uns, wie allzu optimistisch wir die Zeichen der rauchenden Schlote von Augsburg und der wieder rollenden Eisenbahn ausgelegt hatten. Wie Friedhöfe wirkten viele der württembergischen Städtchen, durch die sich unser Zug langsam bewegte. Wirre Haufen verbogener Eisenträger lagen über zerborstenem Mauerwerk, wo einstmals die württembergische Kleinindustrie ihre Musterfabriken gehabt hatte. Ausgebrannte Eisenbahnwagen, verrostete Lokomotiven, an denen man noch deutlich die Einschußlöcher der Tiefflieger erkennen konnte, standen in einem Gewirr von umgebrochenen Signalstangen und sich aufbäumenden Schienenenden auf den einstmals so betriebsamen, jetzt aber völlig erstarrten Rangierbahnhöfen. Oft hielten wir an notdürftig ausgebesserten Bahnsteigen, auf denen sich die dichtgedrängt stehenden Menschen mit ihren abgehärmten Gesichtern mit fragenden Augen unseren seltsamen Zug ansahen. Kriegsgefangene konnten wir ja nicht sein, dazu waren zu viele Zivilisten unter uns; andererseits aber wieder saßen in den '48-Mann-oder-6-Pferde'-(-Güter-)Wagen viele hohe Offiziere in Uniform. Und dazu wurde alles bewacht von Südländern in amerikanischen Uniformen, die noch nicht einmal englisch sprachen. 'Was seid Ihr denn für ein sonderbarer Zirkus?', in diesem Sinne wurden wir fast auf jedem Bahnhof um Auskunft gebeten. Wenn wir uns dann als Internierte zu erkennen gaben, bekamen wir hier und da ein paar Früchte hereingereicht, oder es erfolgte sonst ein kleines Zeichen der Sympathie.(...) Am Ende der Reise landeten wir in der Luftwaffenkaserne in Seckenheim bei Mannheim. Es war ein schlechter Tausch gegenüber dem 'Bärenkeller'." (Schmidt: "Der Statist auf der Galerie", S.62/63 - 1951)

Auch der spätere NATO-Generalsekretär Adolf Heusinger wird von Augsburg verlegt:

"Vom Lager Augsburg-Bärenkeller kam Heusinger in den ersten Augusttagen (-bis Mitte August 1945-) nach Mannheim-Seckenheim, in das Kasernement, in dem sich später die Central Army Group der NATO (CENTAG) einrichtete" (Meyer: "Adolf Heusinger: Dienst eines deutschen Soldaten", S.313 - 2001)


"48 Mann oder 6 Pferde": Güterzug im Nachkriegs-Deutschland (BArch: Bild 183-09264-0007 / Idziak)

Die hier gezeigten Fotografien stammen überwiegend von dem am 14. Juni 1909 in Strelitz-Alt geborenen und am 18. Mai 1971 in Neptune/US gestorbene Eugène Vincent Valic, der sich bereits am 30. Januar 1934 bei der amerikanischen Armee meldet und u.a. im Camp Ritchie ausgebildet wird. Lt. Valic verhört in seiner Tätigkeit für das MIS im Jahr 1946 u.a. den Finanzmanager Carl Goetz und im Folgejahr Fritz Menzer in Oberursel, der als Geheimdienst-Abteilungsleiter mit der Kryptanalyse der von der Wehrmacht eingesetzten Verschlüsselungs-Maschine Enigma Verwendung findet. (Boghardt: "U.S. Army Intelligence in Gernany, 1944-1949", S.242 - 2024)


Lt. Eugène Vincent Valic - 1945 (Todesanzeige aus Neptune/US v. 19. Mai 1971 / US-Army)

Zehn der zuvor in der Bärenkeller-Siedlung vernommenen Kriegsgefangenen erhalten nach dem Nürnberger Prozess im Folgejahr das Urteil: Tod durch den Strang. Nur zwei der zum Tode verurteilten durchliefen zuvor nicht das Augsburger Verhörlager von Major Paul Kubala:

"216 Prozesstage später fällt das Todesurteil gegen Göring, von Ribbentrop, Keitel, Jodl und acht weitere Angeklagte." (tagesspiegel.de: "Nürnberger Prozesse - Der erste Angeklagte - und der erste Zeuge" v. 9.11.2015)

Wichtige Grundlage für die Verurteilung bilden die Zeugenaussagen vor Gericht. Als erster wichtiger Kronzeuge der Anklage kommt Generalmajor Erwin Lahousen zu Wort:

"Polens angeblicher Angriff auf deutsches Gebiet? Fingiert. Der Angriff auf Russland? Kein Präventivschlag wie behauptet, sondern geplanter Vernichtungsfeldzug. Die Bombardierung des wehrlosen Warschaus? Gegen den Protest von Canaris auch von Keitel gefordert. Die Liquidierung der polnischen Intelligenz, das Niederbrennen polnischer Bauernhäuser, die angeordnete Ermordung sowjetischer Kriegsgefangener - Lahousen nennt Fakten, Zahlen, Namen.(...) 'Verräter!', schallt es von der Anklagebank, 'Schwein!'. Göring tobte, erinnert sich später der Nürnberger Gefängnispsychologe Gustave Gilbert, habe gerufen, Lahousen sei wohl nach dem 20. Juli, gemeint ist der Tag des Attentats auf Hitler und die anschließende Verhaftungs- und Hinrichtungswelle, vergessen worden." (tagesspiegel.de: "Nürnberger Prozesse - Der erste Angeklagte - und der erste Zeuge" v. 9.11.2015)

Als weiterer Hauptbelastungszeuge gilt der SS-Führer Otto Ohlendorf, während des Krieges gegen die Sowjetunion zeitweilig verantwortlich für die Einsatzgruppe-D. Er berichtet:

Sie (-die Juden-) wurden mit LKWs an die Hinrichtungsstätte gefahren, und zwar immer nur so viel, wie unmittelbar hingerichtet werden konnten; auf diese Weise wurde versucht, die Zeitspanne so kurz wie möglich zu halten, in der die Opfer von dem ihnen Bevorstehenden Kenntnis bekamen, bis zu dem Zeitpunkt der tatsächlichen Hinrichtung.(...) Es war ja der Befehl, dass die jüdische Bevölkerung total ausgerottet werden sollte.(...)

Hermann Göring, der die vernichtende Aussage als Angeklagter verfolgte, schäumte vor Wut. 'Was erwartet das Schwein dadurch zu gewinnen?', tobte der ehemalige Reichsmarschall in einer Verhandlungspause. 'Er wird sowieso hängen.'" (spiegel.de: "Es war ja der Befehl, dass die jüdische Bevölkerung total ausgerottet werden sollte" v. 29.9.2016)


Verhandlungspause mit Ansage: Hermann Göring mit Rudolf Hess (o.r.) - 13. Februar 1946 (deutschlandfunkkultur.de: "Die NS-Elite beim Nürnberger Prozess" v. 27.1.2021 + spiegel.de: "Sammler ersteigert Göring-Telegramm an Hitler für 55.000 Dollar" v. 7.7.2015

Video: Zeugenaussage Otto Ohlendorfs während des Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozesses - 3. Januar 1946

Deutschlandfunk: "Die NS-Elite beim Nürnberger Prozess" v. 27.1.2021


Konfrontation mit dem Verbrechen: Angeklagte Spitzen des NS-Staates auf der Nürnberger Anklagebank. Mittlere Reihe v.l.n.r.: Hermann Göring, aus medizinischen Gründen abwesend: Rudolf Hess, Joachim v. Ribbentrop, Wilhelm Keitel, Alfred Rosenberg, nicht im Bild: Hans Frank. Hintere Reihe v.l.n.r.: Karl Dönitz, Erich Räder, Baldur v. Schirach, Fritz Sauckel, Alfred Jodl - 27. November 1945 (Signal Corps Photo, US Army / Fotografie im Privatbesitz)

Nur zwei Stunden vor der Ausführung des Gerichtsurteils  entzieht sich Hermann Göring am 15. Oktober 1946 um 22:45 Uhr durch die Einnahme von Zyankali. Die amerikanische Administration ist sich nicht klar, wie der zum Tode verurteilte Reichsmarschall a. D. an die Giftkapsel und die Information über den Zeitpunkt seiner Hinrichtung kam. Der zu dieser Zeit in Nürnberg eingesetzte amerikanische Soldat und Wachmann Herbert Lee Stivers behauptet im Jahre 2005, die Kapsel in die Zelle des ehemaligen Reichsmarschalls geschmuggelt zu haben. Er sei jedoch davon ausgegangen, dass es sich, wie von den Kontaktpersonen seiner damaligen Freundin behauptet, bei der in einem Füllfederhalter versteckten Kapsel um ein Medikament gehandelt habe. (spiegel.de: "Half US-Soldat Göring beim Selbstmord?" v. 7.2.2005)


Dem Tod durch den Strang entzogen: Angeklagter Hermann Göring während des Nürnberger Kriegsverbrecherprozesses - 1946 (Wikimedia Commons - Datei: Goering on trial (color).jpg / Raymond D'Addario - 1946)


Das Ende eines Staates: Tod durch den Strang - Oktober 1946 (Fotografie im Privatbesitz)

Zur Fragestellung, aus welchen Wurzeln sich der deutsche Nationalsozialismus in der jungen Weimarer Republik entwickelte, heißt es nach den Nürnberger Prozessen:

"Airey Neave, einer der englischen Ankläger in Nürnberg, begründete einmal, warum man dort die mythologischen Hintergründe des 'Dritten Reiches' bewußt ausgeklammert hatte: 'Wenn wir die harte Evidenz solcher Dinge im Gerichtssaal vorgebracht hätten, wäre dies von der Verteidigung unzweifelhaft benutzt worden, um ihre Klienten als geisteskrank hinzustellen. Die Kriegsverbrecher wären aufgrund von verminderter Zurechnungsfähigkeit entlastet worden. Die Mythen von 'Thule' und 'Atlantis', Hörbigers 'Welteislehre' oder die z. T. bizarren Erforschungen germanischer Sagen, Symbole und Kultstätten paßten weder in paßten weder in die juristische Atmosphäre des Nürnberger Tribunals noch in die nüchternen Nachkriegsversuche, die deutsche Katastrophe an Hand von politischen, historischen und ökonomischen Fakten aufzuarbeiten." (Sünner: "Schwarze Sonne", S.142 - 1999)

Während die westlichen Siegermächte nun schrittweise in klare Konfrontation zu den russischen Streitkräften geraten und der Kalte Krieg somit seine ersten Konturen annimmt, werden in den Städten des Reiches die baulichen Kriegsschäden angegangen und dabei die vielseitigen Spuren des Nationalsozialismus beseitigt.

Video: Demontage des bronzenen Reichsadlers durch amerikanische Soldaten in Augsburg - 1945

Video: Sprengung des bronzenen Reichsadlers durch amerikanische Soldaten in Augsburg - 1945

Viele Stadtkerne haben durch die alliierte Bombardierung ihren beschaulichen Charakter verloren. Augsburg konnte sich hingegen einen Teil bewahren, doch die baulichen Lücken klaffen offensichtlich.


Zerstörtes Dachgeschoss rechts neben den 3 Spitzgiebeln: Der ehemalige Wohnsitz von Helene Grandel in der Bürgermeister-Fischer-Straße 5 - 1946 (Fotografie im Privatbesitz)


Lücken im Augsburger Stadtbild - 1948 (Fotografie im Privatbesitz)

Video: Augsburger Bewohner nach dem Krieg - Sommer 1945


Bekannt als günstigste Sozialsiedlungs Deutschlands: Die historische Fuggerei, welche hauptsächlich älteren Rentnern Wohnung für DM 1,72 Jahresmiete zur Verfügung stellt - 8. Januar 1959 (Fotografie im Privatbesitz / Keystone, Schwenke)

Auch das kulturelle Leben nimmt in Augsburg wieder Formen an. Hatte sich am 21. November 1937 noch der Führer bei seinem Ortsgruppen-Jubiläumsbesuch der ihm zu Ehren vorgetragenen heroischen Aida-Aufführung sehr erfreut, so spielt nun die Städtische Bühne Augsburg vor amerikanischem Publikum.


AIDA geht immer: Augsburger Kulturarbeit nach der Stunde Null - 1950 (Fotografie im Privatbesitz / Aichele, Jean Renee, Special Service - Bavarian Crossroads Augsburg)

Um die Stimmung in der Truppe und den Militärdienst in Deutschland für die jungen Männer attraktiv zu halten, wird auch den mittlerweile in Augsburg fest stationierten US-Soldaten ein vielseitiges Unterhaltungsprogramm durch Special Services geboten. Hier werden u.a. Städtereisen organisiert und auch Feste gefeiert.


(U.S. Army: "Life of the Soldier an the Airmen", Bd.33/34, S.5 - 1949)

Als Anlaufstelle dient den amerikanischen Soldaten ein ehemaliges Offizierskasino der deutschen Wehrmacht, zu dem in der amerikanischen Truppenzeitung Times aus Augsburg berichtet wird:

"The first American troops entered the building on April 29, 1945 at 18:00. In June, an American Red Cross Clubmobile began the well known 'Operation Donut' and after redecoration and renovation, the building was officially opened as an ARC club in August. Transfer of the installation to EUCOM Special Services took place on March 21, 1948." (Augsburg Post - Times: "The Bavarian Crossroads of Augsburg" - 1950)


Umnutzung durch die in Augsburg stationierte US-Army: Clubhaus Bavarian Crossroads an der Sommestraße 30 - 1950 (Fotografie im Privatbesitz / Augsburg Post - Times: "The Bavarian Crossroads of Augsburg" - 1950)

Zum fünften Jahrestag des Augsburger Special Services veranstaltet der hierfür im ehemaligen Wehrmachts-Offizierskasino eingerichtete Club Bavarian Crossroads eine Jubiläumsparty für die amerikanischen Soldaten:


Umnutzung durch die in Augsburg stationierte US-Army: Clubhaus Bavarian Crossroads an der Sommestraße 30 - 1950 (Fotografie im Privatbesitz)


Einladung zum 5-jährigen Bestehen in Augsburg: Bavarian Crossroads in Augsburg - 17. August 1950 (Fotografie im Privatbesitz)


Party zum fünften Jahrestag des Special Services/Bavarian Crossroad in Augsburg: Buffet - Dancing - Ice Cream - 17. August 1950 (Fotografie im Privatbesitz / Aichele, Jean Renee, Special Services - Bararian Crossroads Augsburg)


Musikalische Unterhaltung zum fünften Jahrestag des Special Services Bavarian Crossroads in Augsburg - 17. August 1950 (Fotografie im Privatbesitz / Aichele, Jean Renee, Special Services - Bavarian Crossroads Augsburg)


Beste Wünsche zum Jahreswechsel: Die vier Angestellten der Veranstaltungsagentur Bavarian Crossroads in Augsburg - Dezember 1950 (Special Services - Bavarian Crossroads Augsburg)

Das Gebäude wurde Mitte der 30er Jahre als Offiziers-Kasino für die Wehrmacht konzipiert und fand nach verlorenem Weltkrieg schnell eine entsprechende Folgenutzung:

"Die damaligen Erbauer konnten es sich bestimmt nicht vorstellen, daß schon ein Jahrzehnt später eine fremde militärische Besatzungsmacht dieses Gebäude für ihre eigene Repräsentation und Freizeitgestaltung benutzen würde, zumal es an den Folgen des selbst hervorgerufenen Krieges keinen Schaden nahm. Als Offiziersclub und Guest House wurde es von der U.S. Army in Augsburg nahtlos übernommen, um später als Recreation Center der drei zusammen gefassten Kasernen (Reese Kaserne) den GI´s zur Verfügung zu stehen. " (amerika-in-augsburg.de: Reese Recreation Center)


Wechselvolle Geschichte: Kulturhaus Abraxas in Augsburg - 2009 (Wikimedia Commons - Datei: Kulturhaus_Abraxas.jpg / Mailtosap)


Video: Augsburger Altstadt von oben - 2020

Video: Augsburger Altstadt von oben - 2020



Freiberg/Sachsen

Auch im Osten Deutschlands findet nach dem verlorenen Weltkrieg eine Entnazifizierung statt. Gottfried Grandel bekommt eine Bücherliste vorgelegt mit der Überschrift:

"Ablieferung national-sozialistischer Literatur."

Sie umfaßt 108 Schriftsteller; unter ihnen die völkischen Vertreter Walter Darré, Dietrich Eckart, die Nationalsozialisten Dr. Joseph Goebbels und Adolf Hitler. Insgesamt sind lediglich drei Autoren dieser Liste mit Bleistift unterstrichen, die sich vermutlich noch im Bestand von Gottfried Grandel befinden: Es betrifft die Bücher von Graf v. Reventlow (1869-1943), Dr. Rogge und Ernst Jünger.

Der Offizier v. Reventlow, Journalist und zuerst Politiker der Deutschvölkischen Freiheitspartei (DVFP) und ab 1927 der NSDAP, war ab 1934 Leiter der altkirchlichen Deutschen Glaubensbewegung.

Gottfried Grandel wohnt in Freiberg kommod: Die 1898 erbaute Villa umfasst ca. 600 qm Wohnraum auf drei Etagen.


Ehemaliger Wohnsitz von Emil und Gertrud Hubricht - 2024 (Fotografie im Privatbesitz)

Das hinter dem Haus liegende, parkähnliche Grundstück mit einer Fläche von rund 3300 qm wirkt großzügig. Auf einer kleinen Anhöhe am Ende des mit hohen Nadelbäumen umsäumten Geländes befindet sich ein idyllischer Platz um einen Pavillon herum.


Idyllisch gelegen: Gartenpavillon auf dem ehemaligen Anwesen der Hubrichts - 2024 (Fotografie im Privatbesitz)

In Freiberg kommt Gottfried Grandel, auch altersbedingt, endlich zur Ruhe. Brüche in seiner Biographie bleiben im den letzten Jahrzehnt seines Lebens aus. So wird von ihm der 1948er Jahresrückblick mit dem Hinweis ergänzt:

"Im Herbst war ich bei gutem Wohlbefinden. Mein Gewicht stieg auf 58 kg und ich sah so gut aus, dass man mein Alter überall auf höchstens 60 schätzte. Zum Teil führe ich das auf den reichlichen Genuss von Vollsojamehl zurück, das (-Sohn-) Felix (-Grandel aus Augsburg-) gesandt hatte, ferner auf den vielen Aufenthalt im Wald, wohl auch auf den Genuss der dort gesammelten Wildkräuter." (Jahresrückblick 1948 v. Gottfried Grandel, im Privatbesitz des Sohnes und der Enkeltochter)


Im Freiberger Garten der Leipziger Straße 18: Gottfried Grandel - Oktober 1950 (Fotografie im Privatbesitz des Sohnes und der Enkeltochter)


Lustwandeln im großen Garten: Gang vom Pavillon zum Panorama-Ausblick - 2024 (Fotografie im Privatbesitz)

Gottfried Grandels ältester Sohn, der Augsburger Unternehmer Felix Grandel, vermerkt später zu den Interessensgebieten seines Vaters:

"Da er (-Vater Gottfried Grandel-) in den letzten Jahren seines Lebens als Naturwissenschaftler sich ausschließlich mit lebensreformerischen Problemstellungen beschäftigte, fand man in seinem schriftlichen Nachlaß originelle und eigenwillige Aufzeichnungen ..." (Grandel: "Gesundheit und Ernährung - einmal anders gesehen", S.43 - 1952)

Am 3. Mai 1950 begeht Dr. Gottfried Grandel in Freiberg sein 50-jähriges Doktor-Jubiläum. In seinem Aufzeichnungen notiert er:

"Schön durch Gäste und Wein von meinem Bruder August."

Sein allgemeiner Gesundheitszustand verschlechtert sich jedoch. Lag er schon 1941 "an einem schmerzlichen Rheumatismus darnieder", so leidet er nun auch an schweren Träumen, Schwindelgefühl und gelegentlicher Herzschwäche. Zu seinen Lebenserinnerungen schreibt er:

"Jean Paul sagt: 'Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.' Es ist sicher erstrebenswert, möglichst viele angenehme und erfreuliche Erinnerungen im Leben zu sammeln. Andernfalls ist die Erinnerung nicht das Paradies, sondern die Hölle, aus der man nicht vertrieben werden kann. In dem Abschnitt: 'Was mich reut' sind für mich recht unerfreuliche Erinnerungen enthalten. Man kann sie hundertmal fortschicken, sie kommen wieder in der stillen Nacht. Das beste Mittel dagegen ist ein unermüdlich tätiges Leben."


"Man kann sie hundertmal fortschicken, sie kommen wieder in der stillen Nacht": Gottfried Grandel - Oktober 1942 (Fotografie im Privatbesitz des Sohnes und der Enkeltochter)

Im Juni 1950 vermerkt er in seinem Monatsrückblick:

"Oft recht lebensmüde. Schlechter Schlaf. Kein Geld mehr. Deutliches Nachlassen der Willenskraft." (Monatsrückblick Juni 1950 v. Gottfried Grandel, im Privatbesitz des Sohnes und der Enkeltochter)


Dr. Gottfried Grandel - März 1949 (Fotografie im Privatbesitz des Sohnes und der Enkeltochter)


Der Tod von Gottfried Grandel


(702-1951) Das Leben des Dr. phil. Gottfried Jakob Grandel endet in der Nacht vom 9. auf den 10. Januar 1951 in Freiberg/Sachsen.

Aufgefunden wird der 73-jährige Vater von sechs Kindern rund 9 km von seinem letzten Wohnsitz in Freiberg entfernt - bei Minusgraden, zusammengesackt auf einer Sitzbank im Fürstenbusch, einem Waldstück in der Nähe von Großschirma. Das Standesamt notiert später auf der Totenbescheinigung:

"gottgläubig".

Der von ihm 1924 als einziger Freund benannte Dichter Franz Schrönghamer-Heimdal befindet sich zum Zeitpunkt des Todes im Westteil Deutschlands und wird vermutlich zur Beisetzung von Gottfried Grandel nicht nach Freiberg in Sachsen gefahren sein. In einer Veröffentlichung von 1927 beschäftigt sich dieser jedoch schon mit den Trostgedanken zum Tod, die sich möglicherweise auch auf die Sicht Gottfried Grandels beziehen lassen.


(Digitalisiert auf kohoutikriz.org: "Sterne und Blumen", Nr.44 - 1927)

Einen Hinweis zu seinem Ableben hinterlässt Gottfried Grandel bereits sieben Monate zuvor in seinen privaten Lebenserinnerungen:

"Die Grundstimmung war oft recht gedrückt, oft gefiel es mir nicht mehr auf der Welt und immer häufiger beschäftige ich mich mit dem Gedanken, unauffällig zu verschwinden, d.h. draussen im Wald an einer verborgenen Stelle freiwillig zu sterben. Die Mittel dazu besitze ich längst, Mittel, die ganz schmerzlos, aber sicher sind. ++++++++++++++" (Lebenserinnerungen Gottfried Grandel, im Privatbesitz des Sohnes und der Enkeltochter - Juni 1950)


"Immer häufiger beschäftige ich mich mit dem Gedanken, unauffällig zu verschwinden": Dr. Gottfried Grandel - 1950 (Fotografie im Privatbesitz des Sohnes und der Enkeltochter)

Nach einer der Enkeltochter von ihrem Vater bekannten Erzählung verhält sich Gottfried Grandel am Tage vor seinem Auffinden unauffällig, verlässt das Wohnhaus wortlos an seiner Partnerin Gertrud Hubricht vorbei zu einem Winterspaziergang.


Ein letzter Winter-Spaziergang: Dr. Gottfried Grandels Abschied vom Leben am 9. Januar 1951 (Fotografie im Privatbesitz / Sven FG v. 2003)

Die näheren Umstände zum Tod von Gottfried Grandel sind nicht bekannt, auch das Todesdatum wirkt auf den ersten Blick unklar: Die Todesangabe des Grabsteines weicht um drei Wochen von der standesamtlichen Bescheinigung ab.


Gottfried Grandels Grabstelle auf dem Donatsfriedhof (Fotografie im Privatbesitz)

Die Abweichung deutet darauf hin, dass der Granitgrabstein möglicherweise erst zeitversetzt angefertigt wurde, vermutlich im Zuge der weiteren Grabbelegung im Jahre 1959. Zu dem für Gottfried Grandel ausgewählten Friedhof heißt es:

"Der Donatsfriedhof ist ein Friedhof in Freiberg in Sachsen. Er wurde Anfang des 16. Jahrhunderts außerhalb der Stadtmauer als Pestfriedhof angelegt." (wikiwand.com)


Freiberger Donatsfriedhof: Blick auf das Krematorium (Wikimedia Commons / SchiDD - Datei: Donatsfriedhof7.jpg - Aufnahme v. 14.9.2014)

Gottfried Grandels ältester Sohn, Dr. Felix Grandel aus Augsburg, ist durch die neue innerdeutsche Teilung vermutlich nicht bei der Beerdigung seines Vaters anwesend, wird aber über den tatsächlichen Todestag informiert gewesen sein. Eine Todesanzeige erscheint weder in Freiberg, noch in Augsburg. Warum der Sohn noch im selben Jahr als Herausgeber der posthumen Schriftenreihe 'Forschung und Praxis für die Lebensreform' über seinen verstorbenen Vater den Todestag offenbar bewusst zurückdatiert, bleibt unklar. In dem ersten Heft der Schriftenreihe aus dem Jahr 1951 vermerkt Felix Grandel:

"Der Inhalt der Hefte 1 und 2 stammt aus dem Schriftennachlaß des Ende 1950 in Freiberg/Sa. verstorbenen Dr. phil. Gottfried Grandel, der hier als Naturwissenschaftler und kritischer Beobachter zu Worte kommt." (Grandel: "Sich selbst konservieren", S.4 - 1951)


Noch im Todesjahr vom Sohn posthum veröffentlicht: "Sich selbst konservieren" - 1951 ()

In der Folgeschrift von 1952 präzisiert Felix Grandel daraufhin das offenbar falsche Todesdatum seines Vaters:

"Sowohl diese lebensreformerische Einstellung als auch die Liebe zur Natur hat Dr. Gottfried Grandel seinem Sohn hinterlassen, als er am 29.12.1950 in Freiberg/Sa. starb." (Grandel: "Gesundheit und Ernährung - einmal anders gesehen", S.43 - 1952)

In der Geschichtsliteratur findet sich zu Gottfried Grandel noch ein viertes Sterbedatum:

"Er starb am 7.11.1952 im Alter von 75 Jahren in Freiburg/Sachsen." (Joachimsthaler: "Hitlers Weg begann in München", S.371 - 2000)

Die dokumentierte Beisetzung in Freiberg findet jedoch laut dem Grabbuch des Donatsfriedhofs am 15. Januar 1951 statt; die ersten 25 Jahre Grabpflege übernimmt seine letzte Lebensgefährtin, Clara Gertrud Hubricht.


Freiberger Donatsfriedhof: Blick auf das Krematorium - 1975 (Postkarte im Privatbesitz / o.Ang.)

Als Witwe des 1941 verstorbenen Emil Hubricht, Mitinhaber der Freiberger Firma Carl Hubricht, hatte sie nach dessen Tod Gottfried Grandel die letzten 10 Jahre seines Lebens in ihrem Freiberger Haus in der Leipziger Straße 18 aufgenommen.

Ihr verstorbener Mann Emil war als Unterstützer der germanischen Glaubensbewegung Herausgeber des Buchweisers für das völkisch-religiöse Schrifttum. Zusammen mit Gottfried Grandel hatte er vor dem Hitler-Putsch 1923 für Bayern "einen ausgezeichneten Währungsplan ausgearbeitet".

Gertrud Hubricht verstirbt am 28. November 1973 mit 86 Jahren in Freiberg. Die Grabstelle von Dr. Gottfried Grandel wird nach Ablauf im Jahre 2005 eingeebnet.

Nach dem Tod Gottfried Grandels erhält sein ältester Sohn Felix im Jahre 1951 einen Teil des schriftlichen Nachlasses seines Vaters aus Freiberg übereignet. Hierzu führt dieser aus:

"Da er (-Vater Gottfried Grandel-) in den letzten Jahren seines Lebens als Naturwissenschaftler sich ausschließlich mit lebensreformerischen Problemstellungen beschäftigte, fand man in seinem schriftlichen Nachlaß originelle und eigenwillige Aufzeichnungen, die teilweise in der von Dr. phil. nat. Felix Grandel 1951 geschaffenen Schriftenreihe 'Forschung und Praxis für die Lebensreform' zur Veröffentlichung gelangen." (Grandel: "Gesundheit und Ernährung - einmal anders gesehen", S.43 - 1952)

Bereits im Todesjahr von Gottfried Grandel erscheint auf Veranlassung seines Sohnes das erste Heft aus der Reihe "Forschung und Praxis für die Lebensreform":

"Sich selbst konservieren und andere Betrachtungen zur Erlangung der Vollgesundheit."

Für die Verbreitung der posthumen Schrift seines Vaters sucht sich Felix Grandel den Hanns Georg Müller Verlag bei München aus. Müller ist in der völkischen Szene kein Unbekannter:

"Sebottendorff hat inzwischen die Schriftleitung an den kriegsverletzten Hanns Georg Müller abgegeben, der ebenfalls der Thule-Gesellschaft angehört und der im März 1919 seine neue Tätigkeit aufgenommen hat." (Richardi: "Hitler und seine Hintermänner", S.318 - 1991)

Auch inhaltlich wirkt der Sohn auf der Linie seines Vaters:

"Den Fußstapfen seines verstorbenen Vaters Dr. phil. Gottfried Grandel folgend, gehört der Herausgeber und Verfasser des Heftes 3 (-Felix Grandel-) zu dem Kreis von Menschen, die nach biologischen Gesetzen zu denken vermögen und nach einer umfassenden Lebensordnung streben, die gewiß nicht allein die Ernährung betrifft." (Deutsche Nationalbibliothek Leipzig: Felix Grandel: "Die Gesundheit schützen trotz Tempo und Hetze", S.5 - 1956)


(Deutsche Nationalbibliothek Leipzig: Felix Grandel: "Die Gesundheit schützen trotz Tempo und Hetze" - 1956)


Den Stürmen der Zeit getrotzt: Das Jakobertor - 1957 (Postkarte im Privatbesitz)

Das eigentliche Familiengrab der Grandels in Augsburg wirkt, im Gegensatz zu der bescheidenen Grabstelle in Sachsen, repräsentativ. Gottfried Grandels Sohn Felix findet hier nach 72 Lebensjahren und erfolgreichem Unternehmertum 1977 seine letzte Ruhestätte.


Dr. Felix Grandel mit Stiefmutter Helene Grandel-Winternitz - 1975 (Fotografie im Privatbesitz)

Seine Stiefmutter, Helene Grandel-Winternitz, verstirbt nur zwei Jahre später im Alter von 92 Jahren im Augsburger Pflegeheim Schlößle. Vor ihrem Tod sieht sie ab 1973 noch in Bremen bei ihrem 2023 verstorbenen Enkelsohn Christoph und dessen Ehefrau Elisabeth ihre Urenkelin Susanne aufwachsen.

Helenes älteste Tochter, Nora Gutmann, geb. Winternitz, wird 2011 im Alter von 97 Jahren in London als Fußgängerin von einem abbiegenden LKW tödlich erfasst.

Nur zehn Tage darauf entschläft Noras Halbschwester Christine, geb. Grandel, mit 93 Jahren in Nürtingen. Sie hinterlässt ihrer Urenkelin eine umfangreiche Foto- und Briefsammlung mit der kurzen Notiz:

"Aufheben für Suse."


Besuch in Bremen: Christine mit Enkelin Susanne - August 1982 (Fotografie im Privatbesitz)

Bei der vorliegenden Zusammenstellung dienten diese Unterlagen als Grundlage. Die ursprüngliche Idee der Urenkelin, aus dem Nachlass ein familiäres Fotoalbum zu gestalten, wurde vorerst zurückgestellt. Schon bei den ersten Recherchen im Internet entwickelten sich Themenfelder, die darauf hindeuteten, dass Urgroßvater Dr. Gottfried Grandel in seinem Leben doch größere Kreise gezogen hatte, als es der Familie bislang bekannt gewesen war.

"Etwas Großes ist es mit der Wahrheit. Man kann sie biegen, verstecken, stutzen, zerpflücken und zerzausen. Aber man kann sie nicht umbringen. Sie kommt immer wieder zum Vorschein. Sie leuchtet eines Tages irgendwo durch. Ihre Kleider kann man noch so zerreißen, ihr Gesicht bleibt dennoch schön." (Zeitungsausschnitt, ohne Angabe)


Schlussbetrachtung


(703-2022) Die private und geschichtliche Figur des Gottfried Grandel bleibt auch nach dieser intensiven Spurensuche im Rahmen der Ahnenforschung mit Rätseln behaftet.

Sicherlich war dieser familien-interne Prozess mit Neugier, Erstaunen und gleichzeitigem Entsetzen begleitet. Wer möchte schon den ersten politischen "Nährvater" Adolf Hitlers in seiner direkten Ahnenreihe wissen, dessen Verantwortung für unermessliches Leid jegliche Vorstellungskraft sprengt. Der Umgang mit dem Verstorbenen fällt hier dementsprechend auch ganz unterschiedlich aus.

Die Auseinandersetzung mit den eigenen Ahnen ist aber gewiss nur der eine Aspekt, der in dieser kurzen Schlussbetrachtung erwähnenswert ist. Ein anderer ist die historische Einordnung. Hier bringt es ein Satz aus der Familie auf den Punkt:

"Wäre der Grandel doch bloß bei seinem Öl geblieben."

Nach der hier vorliegenden Recherche ergeben sich unweigerlich Fragen: Was wäre gewesen, wenn Gottfried Grandel nicht in die Politik der frühen Weimarer Republik hineingewirkt hätte?

Allein: Wer hätte ohne Dr. Grandels hälftige Kauf-Bürgschaft den überschuldeten Völkischen Beobachter in schwerer Inflationszeit vor dem Konkurs bewahren wollen? Nur durch dieses Propagandawerkzeug konnte Adolf Hitler daraufhin ungefiltert seinen wahnhaften Antisemitismus in die Breite der Bevölkerung streuen.

Auch Dr. Grandels Rolle in Zeiten politischer Morde um das Jahr 1921 ist nicht mehr rekapitulierbar. Ihn plagten in späteren Jahren schwere Albträume, doch bleibt ein Zusammenhang spekulativ.

Einige Aspekte deuten in diesem Zusammenhang auf eine enge Bindung zu völkisch-nationalen Geheimgorganisationen und der damit verbundenen Bereitschaft zu politischen Attentaten hin. Diese zwei Bereiche stellen somit für die Geschichtsforschung die eigentliche Herausforderung dar.

Auch hierfür dient die jetzt vorliegende Zusammentragung von Quellen zu der Person Gottfried Grandel: Wo kam er her, was tat er und wo ging er hin. Ein Teil der Familie hat bei der Bereitstellung des Nachlasses sehr unterstützend zum Ergebnis beigetragen.

Trotz der genauen Betrachtung seines Lebenslaufes wird es aber sicher noch Bereiche geben, die im Wirkungsfeld Gottfried Grandels übersehen wurden oder dessen Quellen-Material trotz Anfrage leider nicht zur Verfügung gestellt wurde.

Ein ausdrücklicher Dank hingegen sei hier aber den vielen Unterstützern ausgesprochen, besonders für die Übersetzungshilfe der Sütterlin-Schriften; auch die frequentierten Archive haben einen Großteil der Zusammentragung ermöglicht.

Allgemein lässt sich das politische Ringen der Weimarer Republik anhand dieser vorliegenden Biographie leichter einordnen und sei es auch nur für die Sensibilisierung gegenüber radikalen Heilsversprechungen, aus welcher Ecke der Politik sie auch zukünftig kommen mögen. In diesem Sinne: Ein Besuch in der Fuggerstadt ist geschichtlich, wie real, eine Reise wert.

Bremen, im Januar 2023

Oliver Meier - 2021

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(705-1877) 1. Ehefrau: Auguste Grandel, gen. Gutta, wird am 9. September 1877 als Tochter des Pfladermühlen-Besitzers Gottfried Richter in Augsburg geboren.


In Öl: Müllerstochter Auguste Richter, genannt Gutta - 1897 (StadtAA/40002/Schriftdokumentation/2727, Keimdiät-Broschüre von 1967)

In der evangelischen St. Ulrichkirche zu Augsburg heiratet sie 1903 mit 26 Jahren den den frisch promovierten Sohn der Augsburger Öhlmühlenfabrik, Dr. Gottfried Grandel.


(BArch: Symbolbild 183-19000-2554 / o.Ang.)

Schon kurz nach der Hochzeit zieht das Ehepaar Grandel nach Mannheim und bekommt 1905 in der Waldhofstraße 4 ihr erstes Kind: Felix Grandel. Für Gutta wird es das einzige Kind bleiben, für Gottfried hingegen entwickelt sich die für sie abgeschlossene Familienplanung später zum Trennungsgrund.

Kurz nach dem Soldatentod seines früheren Heidelberger Studienkommilitonen, Dr. Fritz Winternitz, läßt sich Dr. Gottfried Grandel 1915 von seiner Frau Gutta wieder scheiden und heiratet 1916 die Kriegerwitwe Helene Winternitz, geb. Willner.

Gutta Grandel ehelicht daraufhin den "Rechtsanwalt Dr. Philipp Roßteuscher, einen in Augsburg altansässigen und auch sonst vereinsaktiven Würzburger".

Über die Jahre unterstützt sie ihren einzigen Sohn Felix Grandel sehr, der von ihr nach dem Tod ihres Bruders Gottfried Richter 1935 die Pfladermühle erbt. Aus dieser Starthilfe in die Selbstständigkeit entwickelt Dr. phil. nat. Felix Grandel schließlich, laut Gesellschaftsvertrag vom 23. April 1947, nach dem II. Weltkrieg die Firma Keimdiät - Dr. Grandel.

In Fachvorträgen werden den Pressevertretern die Produktreihen empfohlen. Oft in der ersten Reihe mit dabei: Gutta Roßteuscher-Grandel.


Fachvortrag gegenüber den Pressevertretern: Produktpräsentation von Grandelate - 1953 (Fotografie im Privatbesitz)


"Jahrzehnte eigentlich gut überstanden": Auguste Roßteuscher-Grandel - 9. September 1967 (StadtAA/40002/Schriftdokumentation/2727, Keimdiät-Broschüre von 1967 zum 90. Geburtstag der KEIMDIÄT-Gesellschafterin Gutta Roßteuscher-Grandel)

"Dann sagte sie: 'Ich habe nun genug gelebt' und starb einen friedlichen Alterstod." (Hübscher: "Was soll ich tun? Ich möchte doch gesund sein!", S.4 - 1972)

Laut Todesanzeige verstirbt Gutta Roßteuscher-Grandel  am "19. April 1971 im 94. Lebensjahr in voller geistiger Frische" in Augsburg. Noch immer hatte das Hochzeits-Ölgemälde einen Platz in ihrer Wohnung.


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(706-1905) 1. Sohn: Felix Grandel, der älteste Sohn von Dr. Gottfried Grandels vier Söhnen, fasst 1931 für seine Promotionsarbeit an der thüringischen Landesuniversität in Jena die Stationen seines Lebens zusammen:


Gemeinsames Frühstück im Augsburger Obstgarten: Gottfried mit Sohn Felix Grandel und Helene mit Kindern Norle und Hans Winternitz - Frühjahr 1917 (Fotografie im Privatbesitz)


"Lebenslauf

Am 1. Juni 1905 wurde ich, Felix Grandel, als Sohn des Chemikers und Fabrikbesitzers Dr. Gottfried Grandel zu Mannheim geboren; ich bin evangelischer Konfession und bayerischer Staatsangehöriger.
Von 1911 an besuchte ich die Volksschule und anschließend die Kreisoberrealschule zu Augsburg."

Die Familien-Situation "ertragen": Gottfried Grandel mit erstgeborenem Sohn Felix, Eleonore und Hans Winternitz und seiner neuen Ehefrau Helene Grandel, verw. Winternitz - Sommer 1917 (Fotografie im Privatbesitz)


Kinder aus drei verschiedenen Ehen zusammengefügt: Helene und Gottfried Grandel mit Felix Grandel, Hans Winternitz, Christel Grandel (auf dem Schoß von Haushaltshilfe Lena Randy) und Norle Winternitz - 1918 (Fotografie im Privatbesitz)

"Nach 1 ½-jähriger landwirtschaftlicher Praxis studierte ich an der Kreis-Ackerbauschule Landsberg a. Lech/Bayern, die ich 1923 nach der Abschlußprüfung verließ.
Nachdem ich zur Vervollständigung meiner praktischen Kenntnisse in der Landwirtschaft ein Jahr auf dem (Kloster-) Gute Thierhaupten bei Augsburg tätig war, trat ich im Oktober 1924 in die Bayerische Hochschule für Landwirtschaft und Brauerei Weihenstephan bei München als Hörer ein. Dort bestand ich im März 1926 die Vorprüfung für das landwirtschaftliche Diplomexamen.
Die Obersekundareife erhielt ich nachträglich auf Grund einer Prüfung an der Oberrealschule III in München am 23. März 1926.
Im Agrikulturchemischen Institut der Landwirtschaftlichen Hochschule Weihenstephan führte ich unter der Leitung von Professor Dr. H. Nicklas umfangreiche Untersuchungen über Boden- und Pflanzennitrate aus; sie sind in der Schriftensammlung 'Naturwissenschaft und Landwirtschaft', Heft 12, Verlag Datterer & Cie., Freising bei München, veröffentlicht."


April 1926

"Infolge Krankheit des Vaters (-Sanatorien-) mußte ich in der Folgezeit bis Oktober 1927 die Leitung der väterlichen Fabrik (Ölwerke G. Grandel - Augsburg) übernehmen."


Vertretung für den erkrangten Firmenchef: Felix Grandel mit seinen Halbgeschwistern Maidl (l)und Christel (r) und Helenes Kindern aus erster Ehe, Norle und Hans Winternitz - Sommer 1926 (Fotografie im Privatbesitz)


Oktober 1927

"Im Wintersemester 1927/28 begann ich mit dem Studium der Chemie und mit der Beendigung meiner landwirtschaftlichen Ausbildung an der Thüringischen Landesuniversität Jena.
Juli 1928 legte ich in Weimar und Jena die 'Prüfung für Hochbegabte ohne Reifezeugnis' ab und bestand am 29. Januar und 31. Oktober 1929 das 1. und 2. Verbandsexamen, im Sommersemester 1930 das landwirtschaftliche Diplomexamen mit 'Sehr gut'.
Mit der vorliegenden Arbeit begann ich im Sommer-Semester 1929 unter Leitung von Prof. Dr. H.P. Kaufmann am Pharmazeutischen Institut der Universität Jena."

Im Rahmen seines Entnazifizierungsverfahren fügt Dr. Felix Grandel am 22. Juli 1946 den eingereichten Unterlagen einen politischen Lebenslauf hinzu:

"Ich, Dr. phil. nat. Felix Grandel, Chemiker und Dipl. Landwirt, bin der Sohn des ehemaligen Fabrikanten Dr. Gottfried Grandel aus Augsburg.
Großvater und Vater waren angesehene Bürger der Stadt Augsburg.
Das Anwesen befand sich in der Johannes-Haag-Strasse 18/20, die Firma hieß 'Georg Grandel, Gewürz- und Oelfabrik'.
Ich bin der einzige Sohn aus erster Ehe, während mein Vater eine zweite Ehe mit der Kriegswitwe Helene Winternitz, geb. Willner aus Reichenberg (jüdischer Konfession) einging und zwei Kinder (-Hans und Nora Winternitz-) derselben Konfession übernahm.
Im Jahre 1919 trat ich meine erste landwirtschaftliche Lehrstelle an und war von diesem Zeitpunkt an immer in der Fremde. Nur in den Jahren (-April-) 1926 - (-Oktober-) 1927 war ich hintereinander im väterlichen Anwesen in Augsburg tätig." (Staatsarchiv Augsburg, Akten G 475, Spruchkammer Augsburg-Stadt I u. III - Felix Grandel: "Politischer Lebenslauf" v. 22.7.1946)


Erfolg in der Faktis-Forschung: Dr. Grandel mit Sohn Felix, Ehefrau Helene und deren Tochter aus erster Ehe, Eleonore Winternitz - 1927 (Fotografie im Privatbesitz)


Trotz großer Hitze im Krawatten-Anzug: Felix Grandel - 1927 (Fotografie im Privatbesitz)

 

Abschied als stellv. Firmenchef: Felix Grandel mit Maidl (Bildrand), Norle Winternitz, Helene Grandel und Hans Winternitz - 1927 (Fotografie im Privatbesitz)

Im Rahmen der späteren Entnazifizierung erklärt Felix Grandel gegenüber den amerikanischen Ermittlern:

"Es ist mir bekannt, daß mein Vater sich eine Zeitlang stark politisch betätigt hat und auch bei der Gründung der NSDAP Einfluß hatte, später aber mit dem Aufkommen der antisemitischen Strömung in der Partei wegen seiner Ehe mit einer Jüdin immer mehr ausgeschaltet wurde, sich im Jahr 1924 ganz zurückzog und dann ein heftiger Gegner der NSDAP wurde. Obwohl ihm später öfter Ämter und einflußreiche Stellungen in der Partei angeboten wurden, behielt er seine ablehnende Haltung.
Mein Vater besaß nach seinen Aussagen keine Mitgliedschaft in der Partei und trug auch nie eine Nadel.
Obwohl ich in Bayern und zu Hause sehr früh mit der nationalsozialistischen Weltanschauung in Kontakt kam, hielt ich mich als junger Mann und Student politisch sehr zurück, wenn ich auch mit manchen Ideengängen des Nationalsozialismus sympathisierte.
Obwohl ich in den Jahren 1924 - 1931 in dem stark nationalsozialistischen Thüringen (Ministerpräsident Dr. Frick) lebte und damals in Jena Chemie und Landwirtschaft studierte, bin ich aus meiner politischen Zurückhaltung auch dort nicht herausgegangen. Meine Interessen lagen - wie auch heute noch - in der Arbeit, wie ja meine zahlreichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen in der Fachpresse hinreichend beweisen. (Siehe angehängtes Verzeichnis.)
Nach Beendigung meines Studiums bekam ich die Anstellung als Chemiker bei den N.V. Elektrochemische Industrie, einem Zweigwerk des großen holländischen Familienkonzerns (...) Noury & van der Lande, Deventer/Holland." (Staatsarchiv Augsburg, Akten G 475, Spruchkammer Augsburg-Stadt I u. III - Felix Grandel: "Politischer Lebenslauf" v. 22.7.1946)

In einem späteren Lebensrückblick wird vermerkt:

"Er studierte Chemie an der Thüringischen Landesuniversität Jena. Unter der Obhut Prof. H.P. Kauffmanns schloß er im Jahre 1932 seine Studien auf fettchemischem Gebiet mit suma cum laude ab. Im Parallelstudium erwarb er bereits 1930 an der Jenaer Universität das landwirtschaftliche Diplom." (Deutsches Ärzteblatt, Heft 42 v. 16.10.1975)


Augsburg - 11. Dezember 1935

Im Jahre 1935 erbt Dr. Felix Grandel, Chemiker und Diplomlandwirt in Rörmond/Holland, durch den Tod seines Onkels Gottfried Richter von seiner Mutter die historische Pfladermühle in der Augsburger Pfladergasse 7-13. Die nunmehr unter Richters Pfladermühle am 11. Dezember 1935 auf ihn übertragene Kunstmühle im historischen Stadtkern ist der älteste Mühlenstandort des gesamten bayerischen Raumes:

"Im Jahre 982 wird die 'Wassermühle am Vorderen Lech' in der Chronik des heiligen Ulrich 1276 in der Stadtrechtsurkunde König Rudolfs von Habsburg genannt. 1288 ging die Pfladermühle in den Besitz des Augsburger Hochstifts. 1571 wurde sie von der Müllerfamilie Richter erworben." (Augsburger Allgemeine: "Die Geschichte eines ungewöhnlichen Unternehmens" - 2009)


Richters Pfladermühle in Augsburg - 1911 (Fotografie im Privatbesitz)


Nach Übereignung mit neuem Firmenschriftzug: Richters Pfladermühle - 24 Juni 1937 (Digitalisiert auf //recherche-stadtarchiv.augsburg.de: StadtAA/40100/Fotosammlung/FS_FA_C_13 / Baupolizei)

Felix Grandel hat Pläne mit der Pfladermühle. Auch in ihm steckt der Erfindergeist, doch für das bislang produzierte weiße Feinmehl zeigt er wenig Interesse. Ihn interessieren eher die Abfälle der Produktion, aus denen bislang Viehfutter gemacht wurde. Ein altes Merian-Heft über Augsburg greift hierzu eine Unterhaltung zwischen dem Firmenchef und seinem Angestellten auf:

"'Was wollen Sie mit den Keimen?' fragte der Obermüller. 'Die schmecken bitter und werden schnell ranzig. Keime sind allenfalls für Viecher gut.'

'Denen geht es gut dabei und den Menschen immer schlechter', entgegnete (-Felix-) Grandel. Das war im Jahr 1936. Ihm war damals schon klar, daß das Wertvollste am Weizenkorn der ölhaltige Keim ist. Nur wurde der zusammen mit den Randschichten in der modernen Hochmüllerei entfernt." (pharmazeutische-zeitung.de: "Dr. Grandel GmbH: Ein Saatkorn, das aufgeht", Firmenportrait zum 50-jährigen Jubiläum v. 21.7.1997)

In die Firma von Dr. Felix Grandel tritt eine Person, die in späteren Untersuchungsunterlagen der SS von Reichsleiter Heinrich Himmler zugeordnet wird:

"Der Zeuge (-Anton Zass, geb. 17.1.1906, Bahnhofstr.12-) kennt den Betroffenen (-Dr. Felix Grandel-) seit Mai 1935. Im Februar 1936 trat der Zeuge als Geschäftsführer in den Mühlenbetrieb  (Pfladermühle) Augsburg ein. Von diesem Zeitpunkt an hatte der Zeuge einen sehr regen Briefverkehr. (Bis zu 10 Briefe in der Woche) Dieser Briefverkehr erstreckte sich ausschliesslich auf den Betrieb, bzw. auf die chemischen Arbeiten desselben." (Staatsarchiv Augsburg, Akten G 475, Spruchkammer Augsburg-Stadt I u. III, Bl.7 - Felix Grandel - Webers "Ermittlerbericht" v. 3.2.1948)


1936

Rückblickend wird über die Verhältnisse rund um die Firma Pfladermühle von einem ehemaligen Abteilungsleiter des Unternehmens berichtet:

"1) 1936/37 Eintrit (-von Dr. Felix Grandel-) in die NSDAP (in Holland).

2) Ständiger Mitarbeiter am 4 Jahresplan H.(-ermann-) Görings.

7) Geschäftsführer der Pfladermühle A.(-nton-) Zass (SS-Mann und Pg. seit 1936/37)" (Spruchkammer I, Augsburg-Stadt - Schreiben an den öffentlichen Ankläger der Spruchkammer Augsburg bzw. Mindelheim von Willy Junkers, Falkensteinstr.1/0 v. 27.7.1946)

Nach Angaben von Felix Grandel heißt es:

"Bei der Umsiedlung (-von Holland-) nach Deutschland sagte man mir, daß ich als Rückwanderer zum mindesten Anwärter der NSDAP sein müßte. Im Mai 1937 wurde ich dann Mitglied der NSDAP mit der Nummer 3.512.411 und damit gleichzeitig bei der DAF, NSV, NSBDT. 1938 trat ich bei der DAF und NSBDT wieder aus, da der Verein Deutscher Chemiker - dem ich schon Jahre vorher angehörte - mit der DAF gleichgeschaltet wurde und dadurch seine guten Leistungen der Fachorganisation einbüßte. Irgendwelche Ämter in der Partei und ihren Gliederungen und in der Wirtschaft - wiewohl sie mir als Chefchemiker einer bedeutenden Oelherstellerfirma vielfach angeboten wurden - nahm ich nicht an. Als Forscher war ich mit Arbeit überreichlich eingedeckt, zumal ich außerdem noch meinen eigenen Mühlenbetrieb mit pharmazeutischer Abteilung Pfladermühle, Augsburg, Pfladergasse 11/13 von Emmerich aus zu betreuen hatte." (Staatsarchiv Augsburg, Akten G 475, Spruchkammer Augsburg-Stadt I u. III - Felix Grandel: "Politischer Lebenslauf" v. 22.7.1946)

Die Nationalsozialisten erkennen schnell den Nutzen des Ernährungswissenschaftlers für die ausreichende Versorgung der Bevölkerung und die auf Krieg getrimmten Truppen der Wehmacht. Dementsprechend verzeichnen sich seine Einkünfte: Beläuft sich das steuerpflichtige Einkommen im Jahre 1934 als Angestellter noch auf 3300.- RM, so schnellt es zur Mitte des Krieges auf 304.000.- RM hoch.



März 1939

Regelmäßig veröffentlicht Dr. Felix Grandel aus Emmerich Aufsätze in Fachzeitschriften:

"Das Vitamin E, seine Bedeutung bei Mensch, Tier und Pflanze" (Angewandte Chemie Bd.52, S.420 - 1939)

Hierzu heißt es: 

"Vitamin E (hauptsächlich alpha-Tocopherol) ist ein essenzielles, fettlösliches Antioxidans, das Zellen vor oxidativem Stress schützt, Zellmembranen stabilisiert und Entzündungen hemmt. Es beugt Arteriosklerose vor, stärkt das Immunsystem und wird oft als 'Anti-Aging-Vitamin' für die Haut eingesetzt. Gute Quellen sind Pflanzenöle (Weizenkeim-, Sonnenblumenöl) und Nüsse" (KI-Übersicht: Vitamin E)


1940

Für das Kriegsjahr 1940 kündigt sich bei Felix Grandel eine Veränderung an:


(Digitalisiert auf digi.bib.uni-mannheim.de: Zentralregisterbeilage zum Reichs- und Staatsanzeiger Nr.237, S.2 v. 9.10.1940)

Im Vorlauf zu dieser Firmeneintragung werden von der Firma Noury & van der Lande für die Jahre 1939/40 Patentanmeldungen eingereicht:

"DE715456C 1939-07-04 + DE729662C 1940-04-09: Methode und Gerät zum Entfernen der Keime aus Samen, insbesondere Mais." (goodip.io/iq/assignee/noury-van-der-lande-oelwerke)

Dr. Felix Grandel trägt hier als Forscher zu 8 Patentanmeldungen für seinen Arbeitgeber bei und nimmt damit eine firmeninterne Spitzenrolle ein:

"DE906982C 1938-11-19 + DE909984C 1939-06-15: Prozess zur Herstellung langlebiger, hochwirksamer Vitaminpräparate" (goodip.io/iq/assignee/noury-van-der-lande-oelwerke)


Ölwerk Noury & van der Lande: Statistik der jährlich angemeldeten Patente (goodip.io/iq/assignee/noury-van-der-lande-oelwerke)

"Ich erkäre hiermit eidesstattlich, dass der Leiter des Forschungslaboratoriums Dr. Felix Grandel (...) durch seine hervorragenden Forschungsarbeiten auf dem Gebiete der Fettchemie und Vitaminforschung - u. a. Erschliessung von zusätzlichen Fettquellen (Trockene Maisentkeimung u.s.w.) - als Schlüsselkraft für das Werk während des Krieges wirklich unabkömmlich war und nur deshalb immer wieder uk-gestellt wurde.(...) Seine zahlreichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen in der Fachpresse und Patente, die im In- und Ausland erteilt wurden, bestätigen die Richtigkeit meiner Aussagen." (Staatsarchiv Augsburg, Akten G 475, Spruchkammer Augsburg-Stadt I u. III - Felix Grandel: "Eidesstattliche Erkärung" des Generalvertreters der Firma Oelwerke Noury & van der Lande in Emmerich, Theodor Geukes v. 13.11.1946)

Privatier Gottfried Grandel betont in einem Briefwechsel mit der verwitweten DOG-Hauptanteilseignerin Bertha Lohmann aus Hamburg nicht ohne Stolz über seinen Sohn:

"Felix (-Grandel-) ist in Berlin bei den maßgebensten Stellen (-OKH-Amtsgruppenchef Ernst Pieszczek und Wilhelm Ziegelmayer, Oberregierungsrat des Oberkommandos des Heeres u. Heeresverwaltungsamtes-) ebenfalls gut bekannt und ist sehr oft dort tätig. Er hat durch eine Erfindung (-Verfahren zur Trockenentkeimung von Mais-) ein ganz neues Feld für die Erzeugung von fetten Oelen erschlossen, Sie wissen, wie bedeutungsvoll das (-besonders für die kämpfenden Soldaten der Wehrmacht und Waffen-SS-) heute ist." (Brief von Dr. Grandel an die verwitwete DOG-Hauptanteilseignerin Bertha Lohmann v. 15.1.1941)

So schreibt die Reichsstelle für Milcherzeugnisse, Öle und Fette mit Bestätigung des Oberkommandos der Wehrmacht:

"Herr Dr. chem. & Dipl. agrar Felix Grandel, Emmerich, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Oelwerke Noury & van der Lande, Emmerich, ist der Erfinder eines neuen Verfahrens zur Trockenentkeimung von Mais. Dieses Verfahren ist ausserordentlich bedeutsam für die deutsche Fettversorgung. Für die Verwertung dieses Verfahrens, insbesondere während der Dauer der Kriegswirtschaft, ist Dr. Grandel unentbehrlich. Wir empfehlen deshalb dringend, ihn von der Heranziehung zum Militärdienst freizustellen." (Staatsarchiv Augsburg: Spruchkammer-Akten G 475, Felix Grandel, Augsburg-Stadt I u. III, S. 59 v. 1.3.1940)

Zu der militärischen Verwendung Felix Grandels wird erwähnt:

"Auf Grund seiner Stellung und Person den ganzen Krieg über uk (-unabkömmlich-) gestellt - Gesundheitszustand: kv(-kriegsverwendungsfähig-). Sogar zum Volkssturm uk gestellt." (Staatsarchiv Augsburg: Spruchkammer-Akten G 475, Augsburg-Stadt I u. III - Schreiben an den öffentlichen Ankläger der Spruchkammer Augsburg bzw. Mindelheim von Willy Junkers, Falkensteinstr.1/0 v. 27.7.1946)


Chefchemiker in Emmerich a. Rhein: Dr. Felix Grandel - 1938 (Fotografie im Privatbesitz)


Veröffentlichung in der Fachpresse: Dr. Felix Grandel über die patentierte Trockenentkeimung von Mais - 1943 (onlinelibrary.wiley.com)

Die nach dem Krieg von ihm als Tochterunternehmen im Jahre 1947 neu gegründete Keimdiät GmbH erhält mit der geerbten Pfladermühle und dem dort untergebrachten biologisch-pharmazeutischen Laboratorium ihren ersten Firmensitz. Gefertigt werden bereits ab 1942 Arzneimittel, chemische Erzeugnisse für Heilzwecke und Gesundheitspflege. Die Firmenbezeichnung verzichtet ab dem 16. November 1942 auf den Namenszusatz Richters und bezeichnet sich nur noch als Pfladermühle - Inh. Dr. Felix Grandel.

"Der Zeuge (-Geschäftsführer Anton Zass-) schildert den Betroffenen (-Dr. Felix Grandel-) als einen äusserst intelligenten und strebsamen Menschen, mit dem eine andere Unterhaltung als die über den Betrieb oder der Entdeckung der Keimdiät nicht möglich ist, geschickt weiss der Betroffene (-Dr. Felix Grandel-) das Gespräch auf diese Punkte zu bringen." (Staatsarchiv Augsburg, Akten G 475, Spruchkammer Augsburg-Stadt I u. III - Felix Grandel: "Ermittlerbericht" v. 3.2.1948)


"Der Keim ist das Wunder des Lebens": Werbeprospekt von Richters Pfladermühle - 1942 (Fotografie im Privatbesitz)

In Bezug auf die bewusste Ernährung scheinen sich Dr. Felix Grandel und Adolf Hitler einig zu sein:

"Hitlers Frühstück bestand in der Regel aus einem Glas gewärmter (aber nicht gekochter) Milch, einer Scheibe Oldenburger Schwarzbrot (also Roggen-Vollkornbrot), einem Zwieback oder einem Stück dänischen Knäckebrots sowie einem Apfel. Ab 1944 ass er ein Schweizer Müsli aus Milch, Haferflocken, Nüssen, Zitrone, Keimdiät und einem geriebenen Apfel. Honig ass er gern. Butter und Käse wenig, Marmelade kaum." (Picker: "Hitlers Tischgespräche", S.241 - 1963)


Richters Pfladermühle in der Augsburger Pfladergasse - 1942 (Postkarte im Privatbesitz / Hauer, Carl - Augsburg)


1944

Aufgrund der zunehmenden Bombardierung durch alliierte Luftstreitkräfte wird Dr. Felix Grandel im Rahmen der Luftschutzpolizei als Leiter einer Kampfstoff-Untersuchungsstelle eingesetzt. (Staatsarchiv Augsburg, Akten G 475, Spruchkammer Augsburg-Stadt I u. III - Felix Grandel: "Fragebogen/Selbstauskunft" v. 7.5.1946) 


Luftschutz-Polizei-Angehörige aus Solingen in Luftwaffen Fliegerbluse. LS-Polizeimann Westen mit Kammeraden, drei davon mit Polizeiadler auf Schiffchen und Breeches Hose, die anderen mit Luftschutz-Adler auf Mütze und grader Hose - 1944 (Symbolfoto im Privatbesitz)

Die KI-Übersicht führt aus:

"Die Bezeichnung 'Kampfstoff-Untersuchungsstelle für den zivilen Luftschutz' bezieht sich historisch auf Einrichtungen im nationalsozialistischen Deutschland, die im Rahmen des Reichsluftschutzbundes (RLB) tätig waren. Für den Standort Emmerich am Rhein lassen sich dazu folgende historische Zusammenhänge feststellen:

Ziviler Luftschutz:

Während des Zweiten Weltkriegs wurden in strategisch wichtigen Städten wie Emmerich (aufgrund der Rheinlage und Industrie) spezielle Untersuchungsstellen eingerichtet. Diese hatten die Aufgabe, bei vermuteten Angriffen mit chemischen Kampfstoffen Proben (Boden, Wasser, Textilien) zu analysieren und Entwarnung oder Schutzmaßnahmen zu koordinieren.

Geheimhaltung: Einrichtungen, die sich mit chemischen Kampfstoffen befassten, unterlagen oft strenger Geheimhaltung, weshalb private Aufnahmen selten sind.

Zerstörung: Emmerich wurde am 7. Oktober 1944 zu fast 97% zerstört. Dabei gingen viele Gebäude und damit auch Dokumente verloren.

Gegen Ende 1944 wurden mobile Untersuchungseinheiten (sogenannte 'Kistenlabore') zunehmend wichtiger, um flexibel auf die sich nähernde Front reagieren zu können.

Spezifische Verwaltungsvorgänge oder lokale Bekanntmachungen zu Personal oder Standorten solcher Stellen finden sich am ehesten in den Beständen der Stadtverwaltung im Stadtarchiv Emmerich. Insbesondere die Akten der 'Ortspolizeibehörde - Luftschutz' oder die 'Lagemeldungen des Luftschutzleiters' aus dem Jahr 1944 könnten Details zu den damals aktiven Untersuchungs- und Gasspürtrupps enthalten."

In diese Phase fällt ein von Dr. Felix Grandel gestellter Förderantrag an die Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft:

"Glycerinaustauschstoffe und Verwendung derselben zur Veresterung von Fettsäuren - Forschungsauftrag von 1944 - bewilligt" (//gepris-historisch.dfg.de: Felix Grandel)

Zu dem Hintergrund des Forschungsauftrages wird später von einem Berufskollegen Felix Grandels vermerkt:

"Ich erkläre hiermit, dass die wissenschaftlichen Arbeiten von Herrn Dr. Grandel keinerlei politischen und militärischen Hintergrund hatten, sie bewegten sich allein auf dem Ernährungsgebiete und auf dem technischen Sektor, was auch bereits aus den zahlreichen Veröffentlichungen hervorgeht. Auf technischem Gebiete arbeitete er an Glyzerin und seinen Abkömmlingen, die jedoch allein als Kälteschutzmittel in der Kunstharzindustrie und als Weichmacher Verwendung fanden. Es ist mir auch bekannt aus meinen Besuchen in Emmerich, dass Herr Dr. Grandel in seinem Institut eine Kampfstoffuntersuchungsstelle für den zivilen Luftschutz hatte. Aus unseren Unterredungen und aus den Betriebsbesichtigungen kann ich jedoch bestätigen, daß er meines Wissens ausschließlich über Kampfstoffe und ihre Wirkung auf Lebensmittel gearbeitet hat und dass sein Laboratorium wahrscheinlich in Emmerich deshalb für diese Zwecke herangezogen wurde, weil es das größte und das am besten eingerichtete Institut dieser Art war." (Staatsarchiv Augsburg: Spruchkammer-Akten G 475, Felix Grandel, Augsburg-Stadt I u. III, S. 68 - Prof. Paul Pelschenke/ Eidestattliche Erklärung von v. 21.10.1946)

Zu dem militärischen Hintergrund des Forschungsauftrages heißt es bei der KI-Übersicht:

"In militärischen Kontexten werden Glycerinaustauschstoffe und deren Fettsäureester primär zur Optimierung der Logistik, Leistung und Sicherheit von Betriebsstoffen eingesetzt. Die Anwendungen lassen sich in drei Hauptbereiche unterteilen:

1. Hochleistungsschmierstoffe und Waffenöle

Militärisches Gerät ist (-besonders im Russlandfeldzug der Wehrmacht-) extremen Temperatur- und Umweltbedingungen ausgesetzt. Veresterte Polyole (wie Polyglycerinester oder synthetische Ester) bieten gegenüber mineralischen Ölen entscheidende Vorteile:

Verschleißschutz & Haftung:

Ester haben eine hohe Affinität zu Metalloberflächen, was besonders bei Automatikwaffen und hochbeanspruchten Getrieben (z. B. in Panzern oder Hubschraubern) für einen stabilen Schmierfilm sorgt. Bekannte Produkte wie das ursprüngliche Ballistol Waffenöl basieren auf ähnlichen chemischen Prinzipien.

Tieftemperatur-Flexibilität:

Durch die Wahl spezifischer Austauschstoffe bleiben diese Schmierstoffe auch bei extremer Kälte (Arktis-Einsätze) flüssig, während herkömmliche Fette verharzen würden.

2. Spezialkraftstoffe und Treibmittel

Die chemische Modifikation von Fettsäuren spielt eine Rolle bei der Entwicklung alternativer und sicherer Treibstoffe:

Flammpunkterhöhung: Für den Einsatz auf Flugzeugträgern werden Kraftstoffe mit hohen Flammpunkten benötigt (z. B. JP-5 / NATO-Code F-44 mit 65 °C), um das Brandrisiko bei Beschuss oder Unfällen zu minimieren. Bestimmte Esterderivate dienen hier als Additive zur Steigerung der Zündsicherheit.

Additive für Treibladungen:

In der Munitionstechnik werden Glycidyl-Verbindungen (wie Polyglycidylnitrat / Poly-GLYN) als energetische Binder eingesetzt, um die Leistung von Festtreibstoffen zu erhöhen.

3. Energetische Materialien (Sprengstoff-Chemie)

Obwohl Glycerin die Basis für klassisches Nitroglycerin bildet, werden Austauschstoffe genutzt, um stabilere oder leistungsfähigere Explosivstoffe zu erzeugen:

Sprengöl-Alternativen:

Durch Veresterung anderer Polyole entstehen Nitratester (analog zur Nitrocellulose), die in modernen Verbundsprengstoffen als Weichmacher oder energetische Komponenten fungieren.

Stabilisatoren:

Fettsäureester werden oft als Phlegmatisierungsmittel eingesetzt, um hochempfindliche Sprengstoffe für den Transport und die Handhabung unempfindlicher zu machen.
Zusammenfassend ermöglichen diese Stoffe den Streitkräften eine präzise Anpassung ihrer Betriebsstoffe an die geforderten Standards für Belastbarkeit und Sicherheit.

Der Bezug zu Glycerin und dessen Austauschstoffen im militärischen Kontext des Zweiten Weltkriegs liegt an folgender Stelle:

Sprengstoffmangel:

Glycerin war der kritische Rohstoff für die Herstellung von Nitroglycerin (für Dynamit und zweibasige Treibladungspulver). Da Fette zur Glyceringewinnung (durch Fettspaltung) kriegswichtig und knapp waren, suchte man intensiv nach Austauschstoffen wie Glykolen oder synthetischem Glycerin, um die Munitionsproduktion aufrechtzuerhalten.

Schmierstoffe:

Die Veresterung von Fettsäuren mit Austauschpolyolen war entscheidend für die Entwicklung synthetischer Öle, um die Abhängigkeit von importiertem Erdöl zu verringern und die Funktionsfähigkeit von Waffen bei extremer Kälte (z. B. an der Ostfront) zu garantieren.

Hydrauliköle:

In der komplexen Steuerung der V2 wurden spezielle Flüssigkeiten benötigt, bei denen Ester-Verbindungen aufgrund ihrer Viskositätsstabilität eine Rolle spielten, jedoch nicht als primärer Treibstoff.

Fazit: Während Glycerinprodukte für die Sprengköpfe und die Schmierung der V-Waffen relevant waren, flogen die Raketen selbst mit Alkohol oder Benzin.

Die Forschung von Felix Grandel führte zu militärisch relevanten Ergebnissen, allerdings weniger im Bereich der Raketenantriebe als vielmehr in der Versorgungssicherheit und Materialerhaltung.

Messbare militärische Ergebnisse

Felix Grandel erhielt 1944 einen offiziellen Forschungsauftrag der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zum Thema 'Glycerinaustauschstoffe und Verwendung derselben zur Veresterung von Fettsäuren'. Die messbaren Auswirkungen waren:

Ersatz kritischer Ressourcen:

Glycerin war ein strategischer Rohstoff für die Sprengstoffherstellung (Nitroglycerin). Durch Grandels Forschung an Austauschstoffen (wie Glykolen oder modifizierten Keimölen) konnten Fette, die zur Ernährung oder für die klassische Munitionsproduktion benötigt wurden, eingespart oder ersetzt werden.

Synthetische Schmierstoffe (Kältetauglichkeit):

Die Veresterung von Fettsäuren mit Polyolen ermöglichte die Herstellung von synthetischen Ölen. Diese waren im Gegensatz zu mineralischen Ölen weniger anfällig für das 'Einfrieren' bei extremen Minustemperaturen. Dies war ein entscheidender Faktor für die Einsatzfähigkeit von Bordwaffen in Flugzeugen und Panzern an der Ostfront.

Haltbarmachung von Betriebsstoffen:

Als Experte für Keimöle (Grandel gründete später die Keim-Öl-Werke in Augsburg) forschte er an der Stabilität von Ölen. Militärisch war dies wichtig, um Schmier- und Kraftstoffe gegen Oxidation und Verharzung zu schützen, was die Lagerfähigkeit von strategischen Reserven erhöhte.

Einordnung zu den V-Waffen

Es gibt keine Belege dafür, dass Grandels spezifische Forschung den Antrieb der V-Waffen direkt beeinflusste. Die V2 nutzte Ethanol und Sauerstoff, keine Fettsäureester. Grandels Beitrag lag vielmehr in der chemischen Kriegswirtschaft, um durch synthetische Alternativen (Ersatzstoffe) die Ressourcenknappheit der Wehrmacht zu verwalten.

Nach dem Krieg nutzte Grandel seine Erkenntnisse aus der Lipidsynthese und der Keimöl-Forschung zur Gründung seines heute bekannten Kosmetikunternehmens.

Eine öffentliche oder wissenschaftliche Kritik an der Forschung von Dr. Felix Grandel fand nach 1945 kaum statt. Dies liegt an mehreren Faktoren:

1. Fokus auf zivile Kontinuität

Nach dem Krieg gründete Felix Grandel 1947 die Keim-Diät G.m.b.H. Dr. Grandel. Die Forschung an Lipiden und Fettsäureestern wurde nahtlos in den Bereich der Ernährungswissenschaft und Kosmetik überführt. Da seine Arbeit an Austauschstoffen primär chemisch-technischer Natur war und nicht direkt mit Kriegsverbrechen oder Massenvernichtungswaffen (wie Giftgas) in Verbindung stand, galt sie als 'wehrtechnische Routineforschung'.

2. Die Rolle der DFG-Aufträge

Felix Grandel arbeitete im Rahmen von DFG-Forschungsaufträgen, die unter dem Titel 'Glycerinaustauschstoffe' liefen. Diese Forschung wurde nach 1945 oft als reine Mangelwirtschafts-Forschung eingestuft - also als Versuch, die Zivilbevölkerung und Industrie trotz Blockade mit Ersatzstoffen (Ersatz-Fetten/Ölen) zu versorgen. Eine moralische Verurteilung solcher 'Substitutionsforschung' unterblieb in der jungen Bundesrepublik meist.

3. Fehlende öffentliche Aufarbeitung

Keine politische Belastung: Felix Grandel trat politisch nicht prominent in Erscheinung, was ihn vor den großen Entnazifizierungskritiken schützte.

Unternehmensimage: Das Unternehmen DR. GRANDEL positionierte sich früh als Pionier der 'Gesundheitsnahrung' (z.B. Weizenkeimprodukte). Die militärische Herkunft einiger Verfahren zur Ester-Stabilisierung wurde in der offiziellen Firmengeschichte nicht offensiv thematisiert, aber auch nicht als skandalwürdig wahrgenommen.

Zusammenfassend:

Während die Beteiligung namhafter Chemiker an der Hochtechnologie des NS-Staates (wie IG Farben) scharf kritisiert wurde, blieb die Forschung von Grandel als Teil der 'chemischen Grundversorgung' weitgehend unter dem Radar der öffentlichen Kritik. Er gilt heute eher als visionärer Unternehmer denn als belasteter Militärforscher.

Hermann Göring besuchte Emmerich am Rhein im Jahr 1934 anlässlich der 700-Jahr-Feier der Stadt. Der Bezug zu Emmerich war biografisch begründet, da sein Vater, Heinrich Ernst Göring, dort 1839 geboren wurde und die Familie tiefe Wurzeln in der Stadt hatte. Hinsichtlich des Kontakts zum Ölwerk Noury & van der Lande und Dr. Felix Grandel ergibt sich folgendes Bild:

Besuch bei Noury & van der Lande:

Während seines Aufenthalts 1934 besuchte Göring tatsächlich die ortsansässige Industrie. Noury & van der Lande (heute Teil von AkzoNobel) war damals eines der bedeutendsten Unternehmen in Emmerich und spezialisiert auf die Veredelung von Ölen und Fetten sowie die Herstellung von Bleichmitteln für Mehl.

Rolle von Dr. Felix Grandel:

Felix Grandel war Chemiker und arbeitete in den 1930er Jahren für Noury & van der Lande, bevor er nach dem Krieg sein eigenes Unternehmen in Augsburg gründete. In seiner Funktion als Chefchemiker (oder in leitender wissenschaftlicher Position) war er maßgeblich an der Forschung zu Fettsäuren und Austauschstoffen beteiligt, die aufgrund des Vierjahresplans (unter Görings Leitung) strategische Priorität hatten.

Belegter Kontakt:

Es gibt Hinweise darauf, dass Grandel Göring bei dessen Werksbesichtigung die technischen Neuerungen und die Bedeutung der Ersatzstoffforschung erläuterte. Grandel galt als Experte für Lipide, und seine Arbeit an Glycerinaustauschstoffen war genau jene Art von 'autarker' Forschung, die Göring für die Kriegsvorbereitung und die Unabhängigkeit von Importen (Vierjahresplan) forderte.

Zusammenfassend:

Ein Zusammentreffen am 3. Juni 1934 im Rahmen einer Werksbesichtigung bei Noury & van der Lande ist historisch plausibel und wird in regionalgeschichtlichen Kontexten oft als Moment angeführt, in dem die industrielle Bedeutung der Emmericher Fettchemie für die NS-Wirtschaftspolitik unterstrichen wurde."

Im fünften Kriegsjahr ist durch den konstant näher rückenden Frontverlauf absehbar, dass der Krieg nicht mehr zu gewinnen ist. Zu Felix Grandels unternehmerischen Aktivitäten wird berichtet:

"Bezüglich der angeforderten Korrespondenz teilte mir (-der Augsburger Geschäftsführer-) Herr (-Anton-) Zass mit, dass diese bis zum Jahre 1944 vernichtet, bzw. dem Altpapier zugeführt worden sei." (Staatsarchiv Augsburg, Akten G 475, Spruchkammer Augsburg-Stadt I u. III, Bl.7 - Felix Grandel - Webers "Ermittlerbericht" v. 3.2.1948)

"Er führte hier (-Ölwerke Noury van der Lande-) auch den Neubau eines Forschungslaboratoriums mit biologischer Versuchsstation und serientechnischem Laboratorium durch. Während dieser Jahre schrieb er eine Reihe von wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Sein besonderes Interesse wandte er den fettlöslichen Vitaminen und dem ruhenden Getreidekeim als Wirkstoffträger zu. Als (-am 14. Juli-) im Jahre 1944 das Werk in Emmerich durch Kriegseinwirkung zerstört wurde, kehrte er nach Augsburg zurück, um sich dem Aufbau seines eigenen Betriebes zu widmen. In unermüdlichem Fleiß baute er die Pfladermühle zu einer Spezialfabrik für Getreidekeim-Präparate aus." (Getreide, Mehl und Brot, Bd.7-9, S.116 - 1953)


Ziel von alliierten Bombern: Ölwerk Noury & van der Lande in Emmerich a. Rh. - 1910 (albert-gieseler.de: Ölwerke Noury & van der Lande G.m.b.H. / Deutsche Ölmühlen-Industrie, Nr.186)

Aufgrund der ansässigen Industrie bekommt Emmerich zunehmend die Wucht der Bombenangriffe zu spüren:

"Zu einem unausgleichbaren Engpaß an Keimmehl kam es, als (-am 14. Juli 1944-) die gesamten im niederrheinischen Emmerich lagernden Vorräte durch Luftangriffe vernichtet wurden. Als Ersatz vermochte man 10-12t Malzkeime zu kaufen, die näher bei Olmütz im Protektorat Böhmen/Mähren lagerten" (Schenck: "Dr. Morell. Hitlers Leibarzt und sein Pharmaimperium", S.475 - 2019)


Emmerich am Rhein nach der schwersten Bombardierung vom 7. Oktober 1944 ()


Ausmaß der Zerstörung von Emmerich - 1945 (rp-online.de: "Zerstörung Emmerichs - Nur noch Schutt und Asche" v. 7.10.2021)

Auch pharmazeutische Drogen und Präparate, Mittel zur Körper- und Schönheitspflege und ätherische Öle verlassen nun die Produktionsstätte der Augsburger  Pfladermühle. Inwieweit die auf dem Briefkopf vermerkte Kunstmühle in schwäbisch Kirchheim zur Produktionssteigerung beiträgt, ist unklar. Felix Grandel entwickelt ursprünglich von Emmerich aus die Idee der Therapie und Diät mit Getreidekeimen. Zu dieser Phase vermerkt er rückblickend:

"In meinem Augsburger Werk hatte ich als Geschäftsführer (-das Mitglied der SS-) Herrn Anton Zass, wohnhaft Augsburg, Bahnhofstrasse 12 1/2. Nur etwa alle viertel Jahre fand ich Zeit, um persönlich in Augsburg nach dem Rechten zu sehen. Die wichtigste Post, insbesondere Anfragen wissenschaftlicher und medizinischer Art von Interessenten der von mir entwickelten 'Keimdiät'-Präparate, erledigte ich in meinem Sekretariat von Emmerich aus. Dort arbeitete ich auch die Reklameschriften, Aufdrucke für Packungen und Etiketten, Ärzteprospekte usf. aus und betrieb Neuprojekte. Die rein kaufmännischen Dinge überließ ich vollständig  dem Herrn (-Anton-) Zass, so auch z. B. die Bemessung der freiwilligen Beiträge zum W(-inter-)H(-ilfs-)W(-erk-), NSV. Ferner war mein Geschäftsführer (-Anton Zass-) Personalchef. Prinzipielle Dinge der Geschäftsführung wurden stets vorher gemeinsam besprochen." (Spruchkammer-Akte Dr. Felix Grandel)


Keltische Triskele, von Sonne umgeben: Briefpapier-Logo von 1945 (Schriftstück im Privatbesitz)


Ehepaar Grandel: Anneliese (geb.? Jansen) und Felix - zwischen 1946 und 1954 (Fotografie im Privatbesitz)


Augsburg 1945

Nach der Kapitulation der Wehrmacht wird Bayern von amerikanischen Truppen besetzt. Bereits im Jahr 1945 beginnt die breit angelegte 'Entnazifizierung' der deutschen Bevölkerung. In einem Schreiben an seine Stiefmutter Helene Grandel berichtet Dr. Felix Grandel:

"Liebe Mutti, Ende vorigen Jahres warst Du so lieb und hast für mich für Zwecke der Entnazifizierung das vorgeschriebene Formular für eine eidesstattliche Erklärung ausgefüllt und unterschrieben. Zusammen mit einem Gesuch und anderen Unterlagen mußte ich es damals bei der Industrie- und Handelskammer, Augsburg, einreichen, die es wieder an die Amerikanische Militärregierung, Detachement / Schwaben, Prinzregentenplatz, weiterleitete. Inzwischen wurde die Entnazifizierung von selbstständigen Unternehmern zurückgestellt und durch das Entnazifizierungsgesetz neue Zuständigkeiten in Form der Spruchkammern geschaffen. Meine Bemühungen beim Detachement / Schwaben, wenigstens die eingereichten Unterlagen wieder zurück zu erhalten, um sie jetzt wieder neu bei meinem Antrag an die Spruchkammern in Augsburg zu verwenden, scheiterten. Die dort versammelten Akten sollen mit unbekanntem Ziel nach München vor Monaten weitergeleitet worden sein und sind nicht mehr auffindbar. Ich bin daher gezwungen, an Dich erneut mit der freundlichen Bitte heranzutreten, mir nochmals dieselbe eidesstattliche Erklärung, wie im Dezember 1945, ausstellen zu wollen." (Brief von Felix Grandel aus Kirchheim/Kunstmühle an Stiefmutter Helene Grandel, verw. Winternitz v. 22.7.1946)

Vor der US-Militärregierung Schwaben, die ihm die Beschäftigung schriftlich genehmigt, stuft sich Dr. Felix Grandel als Mitläufer ein. Gegenüber seiner Stiefmutter Helene Grandel vermerkt er:

"Der Verlust meines lieben und hoffnungsvollen Buben Lutz, die bösartigen Denunziationen verschiedener früherer Mitarbeiter (-u. a. Willy Junker-) der Pfladermühle und die damit zusammenhängende Verurteilung des Herrn (-Anton-) Zass sind schwer, aber nach und nach vielleicht doch zu überwinden.(...) Ich bin jetzt mit Anneliese (-zur schwäbischen Kunstmühle von Graf & Baur-) nach Kirchheim gefahren, um etwas auszuspannen und das Ende des Jahres still ohne Aufnahme von größeren Projekten abzuwarten." (Brief von Felix Grandel aus Kirchheim an Stiefmutter Helene Grandel v. 5.12.1945)

Doch anstelle neuer Projekte wartet ein mehrjähriges Berufsverbot und Spruchkammerverfahren auf den gefragten Chemiker. Die amerikanischen Ankläger notieren:

"Bezüglich der angeforderten Korrespondenz teilte mir (-der Augsburger Geschäftsführer-) Herr (-Anton-) Zass mit, dass diese bis zum Jahre 1944 vernichtet, bzw. dem Altpapier zugeführt worden sei und dass die noch vorhandene (im Gewicht einer Tonne) sich in Kirchheim (- über dem schwäbischen Mindelheim, Kunstmühle Graf & Baur, Hausnummer 153, pharmazeutische Erzeugnisse-) befindet. Der Ermittlung war es klar, dass, wenn nicht sofort eine Sicherstellung erfolgt, eine Durchsicht der Akten erfolglos sein wird. Aus rein technischen Gründen musste dies aber unterbleiben und beschränkte sich die Ermittlung auf Vernehmungen im Betrieb (Pfladermühle). Der Zeuge A. (-Geschäftsführer Anton Zass-), der selbst Betroffener (-im Sinne der Spruchkammerermittlungen-) ist und nur im (-normalen-) Arbeitsverhältnis (-zu Felix Grandel-) stehen soll, wurde von der Ermittlung im Direktionsbüro angetroffen. Trotz seiner Versicherung, er arbeite nur im Arbeiterverhältnis, ist die Ermittlung der Überzeugung, dass der Zeuge A. (-Anton Zass-) nach wie vor die Geschäfte führt. " (Staatsarchiv Augsburg, Akten G 475, Spruchkammer Augsburg-Stadt I u. III, Bl.7 - Felix Grandel - Webers "Ermittlerbericht" v. 3.2.1948)


1946

Im Laufe des Jahres 1946 dreht sich vorerst der Wind für die beruflichen Vorhaben des Forschers Felix Grandel durch ein Schreiben seines ehemaligen Abteilungsleiters Willy Junker, zu dessen Inhalt in einem Aktenauszug vermerkt wird:

"Gegen Dr. Grandel liegt (-seit dem 27. Juli 1946-) ein Belastungsschreiben vor, in dem aufgeführt ist, dass G.(-randel-) gute Beziehungen zu grossen Nazis hatte und im regen Briefwechsel mit dem Berghof (-wo Adolf Hitler rund 1/3 seiner Regierungszeit verbrachte-) und dem OKH (-Oberkommando des Heeres-) Berlin stand." (Staatsarchiv Augsburg, Akten G 475, Spruchkammer Augsburg-Stadt I u. III - Felix Grandel: "Aktenauszug" v. 7.5.1946)

Zur beginnenden Nachkriegs-Entnazifizierung durch amerikanische Ermittler wird zu den Verhältnissen rund um die Augsburger Firma Pfladermühle recherchiert. Von einem ehemaligen Mitarbeiter wird dem öffentlichen Ankläger der Spruchkammer zur Kenntnis gebracht:

"7) Geschäftsführer der Pfladermühle A.(-nton-) Zass (SS-Mann und Pg. seit 1936/37) wurde (-nach Kriegsende von Dr. Felix Grandel-) als einfacher Angestellter weiterbeschäftigt, dagegen wurden Nicht/Pg. entlassen (also rausgeschmissen). (-möglicherweise spricht der Autor dieses Vermerkes als  ehemaliger Abteilungsleiter von seiner eigenen Situation-)

8) Frau A. Leonard, die jetzige Geschäftführerin, ist eine Freundin der Frau Zass und Patin eines der Kinder davon (Strohmann?).

9) Fall 'Fragebogenfälschung' des ehem.(-aligen-) Geschäftsführers (-Anton-) Zass nachprüfen (Dr. Grandel musste den Fall doch genau wissen).

10) Frl. Rosl Feyerbacher, Augsburg, Rosenaustr. 17, wird immer noch im Büro der Pfladermühle beschäftigt, trotzdem sie früher Hausmädchen war und bei der (-NSDAP-)Ortsgruppe abends ehrenamtlich arbeitete (Schulkameradin und Freundin Dr. Gr.) (üble Denunziantin)." (Spruchkammer I, Augsburg-Stadt - Schreiben an den öffentlichen Ankläger der Spruchkammer Augsburg bzw. Mindelheim von Willy Junkers, Falkensteinstr.1/0 v. 27.7.1946)


Augsburg, 1947

Nach zweijährigem Entnazifizierungsverfahren durch die amerikanische Besatzungsbehörde wird auch Dr. Felix Grandel wieder erlaubt, als selbsständiger Unternehmer tätig zu sein. Als Geschäftsführer gründet er erneut per Gesellschaftsvertrag vom April 1947 als Tochterfirma der Pfladermühle die Keimdiät GmbH. Prokurist wird das ehemalige SS-Mitglied Anton Zass. (ABC der deutschen Wirtschaft: Industrie, S.436 - 1949)


Augsburg, 14. August 1951

Nach dem Tod seines Vaters beginnt Felix Grandel die Veröffentlichung einer Schriftenreihe unter dem Titel  Forschung und Praxis für die Lebensreform, welche die hinterlassenen Gesundheitsüberlegungen seines Vaters aufgreift:


(Catalog of Copyright Entries. Third Series: 1951)

Als Druckerei wählt Dr. Felix Grandel Hanns Georg Müller aus Krailling bei München, Hans-Sachs-Str. 19. Ob es sich dabei um den Nachfolger des 1945 im Gefängnis erhängten Firmeninhabers der Druckerei M. Müller handelt, ist aber eher nicht anzunehmen. Der 1945 verstorbene Druckereibesitzer Adolf Müller war unter Nationalsozialisten eine besonders bekannte Adresse:

"... eine Druckerei, in der später das meiste gedruckt wurde (-u .a. Völkischer Beobachter-), was sich nationalsozialistisches Schrifttum nannte, in die Druckerei von M. Müller & Sohn." (Digitalisiert auf invenio.bundesarchiv.de: NS 8/20, S.3 - Alfred Rosenbergs Erinnerungen an die Anfänge der NS-Bewegung - o.D.)

Weitere Veröffentlichungen erscheinen in Krailling unter dem Titel "Gesundheit und Ernährung - einmal anders gesehen" (Gottfried Grandel) und "Die Gesundheit schützen trotz Tempo und Hetze - 'Fermendiät' und 'Keimdiät', eine Zusatznahrung und Heilkost" von Felix Grandel.


Augsburg, 1959

In Fachvorträgen und einer Kosmetik-Tagung wird den Pressevertretern die Produktreihe empfohlen. Oft in der ersten Reihe mit dabei: Die Mutter des Firmeninhabers, Gutta Roßteuscher-Grandel, geb. Auguste Richter:

"Kürzlich fand in Augsburg eine Tagung statt, zu welcher Dr. phil. nat. Felix Grandel eine Reihe von prominenten Gästen aus dem In- und Ausland geladen hatte. Unter dem Vorsitz von Univ.-Prof. Dr. W. Halden, Graz, folgten rund 200 Gäste den äußerst interessanten und lehrreichen Ausführungen der Dozenten . So hob Prof. Dr. Halden die Bedeutung der Phosphatide im Rahmen einer pflegenden Kosmetik durch sinnvolle Ernährung hervor, während die bekannte Leiterin der Hamburger Kosmetikschule, Frau Hanna Reuss, die Möglichkeiten und Grenzen der Hautpflege aufzeigte und durch mehrere Beispiele aus ihrer Praxis illustrierte. Prof. Dr. med. S. Bommer, Greifswald, erläuterte im Hauptthema 'Ganzheitliche Ernährungsbehandlung in Dermatologie und Kosmetik' u. a. auch seine 3-Stufen-Diät, mit der er beachtlicher Erfolge bei akuten und chronischen Hauterkrankungen erzielen konnte. Prof. Dr. med. W. Schneider, Augsburg, sprach über die äußere Vitamin-Anwendung in der Dermatologie und Kosmetik unter Berücksichtigung der essentiellen Fettsäuren. Auch die Bedeutung der Phytohormone für die pflegende Kosmetik wurde durch einen interessanten Vortrag des Nestors der biologischen Hautpflege, Herrn Karl Rothermann, gebürend herausgestellt.

Die Stellung der Keimdiät und die Wirksamkeit ihrer einzelnen Erzeugnisse im Rahmen einer echten Schönheits- und Gesundheitspflege für jung und alt kamen in einem Vortrag von H.(-ans-) Neumann zur Geltung. Während bisher im allgemeinen die dekorative Kosmetik, das Make-up, also mehr die 'Kosmetik von außen' in den Vordergrund der Schönheitspflege gestellt worden sind, kommt man heute immer mehr zur Einsicht, daß dadurch nur vorübergehende, zeitlich bedingte Korrekturen zu erreichen sind, nicht dagegen die angestrebte, durchgreifende und bleibende kosmetische Erneuerung. Hier setzt die 'Kosmetik von innen' ein, die durch sinnvolle Ernährung, Diät, Zuführung von biologischen Wirkstoffen in wertvollen Präparaten und nicht zuletzt auch durch Erkenntnisse einer seelischen Hygiene und inneren Beruhigung die Voraussetzungen schaffen soll, über die Hautpflege den ganzen Menschen und seine äußere Erscheinung zu harmonisieren, zu gesunden und damit zu beglücken." (Seifen,Öle, Fette, Wachse: Bd.85, Nr.20, S.595 "Kosmetik-Tagung in Augsburg" - 1959)


Vortrag von Hans Neumann (?) vor Fachpublikum: Einführung in die Wirkungsweise von Grandelate - 1959 (?) (Fotografie im Privatbesitz)


Werbeanzeige der Firma Keimdiät - 1953 (Bayerisches Ärzteblatt, Heft 4, 7.Jg. v. April 1953)


Werbeanzeige der Firma Keimdiät (Bayerisches Ärzteblatt, Heft 11, 7.Jg., S.180 - 1953)


1954

Felix Grandels ehemaliger Geschäftsführer Anton Zass eröffnet ein Reformhaus in Düsseldorf, Kölner Str. 285 und gründet zudem eine GmbH zum Vertrieb biologisch-pharmazeutischer Präparate.


Augsburg, 1959


Auf Einladung des Kneipp-Vereins in Augsburg: Vortrag von Dr. Felx Grandel - 14. Oktober 1959 (Digitalisiert auf: //recherche-stadtarchiv.augsburg.de: StadtAA/40067/Plakatsammlung/399)


Augsburg, 1961

Aufgrund der betrieblichen Erfordernisse wird das alte Sonnenuhrhaus 1955 in angepasster Bauform ersetzt. Das daran angrenzende Stammhaus folgt im Jahre 1960 durch den Neubau eines Fabrikationsgebäudes:

"Der Neubau dient nun in erster Linie der Fabrikation und Konfektionierung neuartiger Spitzenpräparate, zu denen u. a. auch das Nerventonikum 'Molat' gehört. Hier werden aber auch die kosmetischen Spezialitäten der Hautdiätserie abgefüllt und versandfertig gemacht" (StAA: Sign. 1603 - Augsburger Allgemeine, Nr.271, S.17 - "Moderner Neubau der Keimdiät-GmbH in der Pfladergasse" v. 24.11.1961)


Historische Steinmetz-Mühle als Stammhaus: Firmensitz der Keimdiät-GmbH, 1947 gegründete Tochterfirma der Pfladermühle in der Pfladergasse - 1961 (StAA: Sign. 1603 - Augsburger Allgemeine, Nr.271, S.17 - "Moderner Neubau der Keimdiät-GmbH in der Pfladergasse" v. 24.11.1961)


1964

Das Unternehmen wächst schnell aufgrund der gefragten Qualitätsprodukte, wie Keimdiät, Granoton und Grandelate. Schon bald werden weltweit Geschäftsverbindungen unterhalten. Dabei scheut sich der Firmeninhaber nicht, unkonventionelle Wege in der Vermarktung zu gehen:




Werbung über die Schallplatte: Keimdiät-Song - 1964


Molat am Messestand: Felix und Annelise Grandel mit Mitarbeitern der Keimdiät - 1969 (Fotografie im Privatbesitz)


1970

Zum 65. Geburtstag heißt es über Dr. Felix Grandel:

"Das Erreichen des 65. Lebensjahres bedeutet vielfach einen großen Einschnitt im ganzen Leben. Diese Altersgrenze ist für viele Menschen gleichbedeutend mit dem Aufhören der beruflichen Tätigkeit, selbst dann, wenn sie sich noch in bestem gesundheitlichen Zustand befinden. In zunehmendem Maße setzt sich jedoch heute die Erkenntnis durch, daß diese Grenze doch nur sehr willkürlich gesetzt wurde und daß sie wahrscheinlich nicht einmal dem durchschnittlichen Leistungsniveau des älter gewordenen Menschen entspricht. Gerade in der freien Wirtschaft und in den freien Berufen sehen wir, daß deren Angehörige noch weit darüber hinaus voll in ihrem Beruf stehen und ihn mit unverminderter Schaffenskraft ausfüllen. Ja, gar nicht so selten werden erst nach dieser Altersgrenze große Leistungen vollbracht, zumal, wenn sie sich auf wissenschaftliche Gebiete oder die Leitung eines großen Unternehmens beziehen. Ein deutliches Beispiel hierfür ist Dr. Felix Grandel in Augsburg, der Gründer und Leiter der weltweit bekannten Fabrik biologisch-pharmazeutischer Präparate 'Keimdiät GmbH'. In ihm vereinigen sich in ausgeprägter Weise der Wissenschaftler mit dem Unternehmer und Betriebsleiter, eine wohl seltene, dann aber besonders glückliche Kombination. Der Beginn des 65. Lebensjahres am 1. Juni 1970  findet Dr. Felix Grandel auf der Höhe seiner Schaffenskraft, voll beschäftigt mit neuen Problemen, die der immer weiteren Ausgestaltung seiner Lebensaufgabe dienen. Für diese war er gleichsam vorbestimmt. Er wurde zunächst Diplom-Landwirt und mußte dann 1927 infolge Krankheit des Vaters die Leitung der väterlichen Fabrik, der Olwerke G. Grandel, in Augsburg übernehmen. So wurde er schon frühzeitig mit allem vertraut, was das Öl als Nahrungsmittel betraf. Dann studierte er in Jena Chemie und legte 1929 das Verbandexamen ab. 1935 ging die Pfladermühle in Augsburg durch Erbgang auf seine Mutter über und er übernahm die Leitung derselben. Die Pfladermühle ist die älteste Mühle in Süddeutschland; sie wird bereits im Jahre 982 in einer Chronik erwähnt und war war seit 1571 im Besitz des Müllergeschlechtes der Richter, zu dem seine Mutter gehört. So kam zum Öl das Getreide, und dem jungen Chemiker war es bald nicht mehr genug, nur in der üblichen Weise Korn zu mahlen. Er begann, sich mit dem bisher beim Mahlprozeß ausgeschiedenen Getreidekeim wegen seines hohen Vitamin- und Wirkstoffgehaltes zu beschäftigen und ihn für die menschliche Ernährung auszunutzen. Dazu war es nötig, die Weizenkeime zu entbittern. Das gelang durch ein eigenes Fermentationsverfahren. Es war der Ausgangspunkt für den Begriff der 'Keimdiät', der 1938 als Warenzeichen eingetragen wurde. Seit 1939 sind Dr. Grandels 'Keimdiät-Weizenkeime' (Keime 'W ') als wertvolles Ergänzungsmittel für die menschliche Ernährung und zur Behandlung mannigfacher Mangelerscheinungen im Handel. Bald folgte das Keimdiätöl unter dem Namen 'Polygran-Ö, das sich durch seinen hohen Gehalt an Vitaminen, auch an Vitamin D, auszeichnet. Auf dieser Grundlage hat Dr. Felix Grandel ständig weitergebaut, immer mit dem Ziel, beste, wahrhaft biologische Erzeugnisse zu schaffen. So entstand für die Kosmetik das Hautdiät-Öl mit dem reichen Gehalt an Vitamin E als Antioxydans, die Fermentdiät Amylatin, für die Reduktionsdiät das Molat, weiterhin die Arzneimittelserie der Grandelate und noch manches andere mehr. Derart wurde aus der alten Pfladermühle ein hochmodernes, großes und wissenschaftlich anerkanntes Unternehmen, dessen treibende Kraft nach wie vor Dr. Grandel ist. Durch seine Initiative und seinen Ideenreichtum verbinden sich wissenschaftliche Forschung und praktische Auswertung derselben, sobald die Ergebnisse reif dazu sind. Das geschieht bei Dr. Grandel mit höchster Kritik und stets wachem Verantwortungsbewußtsein. Gerade das aber verbürgt den Erfolg seines Strebens, für das wir ihm noch viele Jahre Glück wünschen. Wer ihn kennt und um seine  seine Vitalität weiß, wird nicht im Zweifel sein, daß ihm dies aller menschlichen Voraussicht nach gelingen wird. R.(-udolf-) F.(-ritz-) Weiß (-Begründer der wissenschaftlichen Pflanzenheilkunde, trennte sich 1936 von seiner jüdischen Ehefrau und trat vermutlich zeitgleich der NSDAP mit der Nr. 3 656 951 bei, BArch R 9347, Film 29-)" (Medizin und Ernährung, Bd.11/12, S.196 - "Dr. Felix Grandel 65 Jahre" - 1970)

Die gefertigten Produkte für die Reformhäuser werden schließlich um einen zusätzlichen Absatzmarkt erweitert:

"Ergänzend werden Grundstoffe für die weiterverarbeitende Industrie produziert." (Deutsches Ärzteblatt, Heft 42 v. 16.10.1975)


Dr. Felix Grandel zum 70. Geburtstag - 1975 (Deutsches Ärzteblatt, Heft 42 v. 16.10.1975 / Fotografie: Kroher, Erna D.)


Aus Liebe zum Detail: WMF-Serviettenständer - 1965 (Fotografie im Privatbesitz)


Geburtstagsausflug in Augsburg: Dr. Felix Grandel mit seiner Stiefmutter Helene Grandel-Winternitz - 1975 (Fotografie im Privatbesitz)


Felix Grandel zum 90. Geburtstag seiner Stiefmutter Helene. Rechts im Bild: Helenes 2. Tochter Christine, erste Tochter von Gottfried Grandel - 2. August 1976 (Fotografie im Privatbesitz)


Ein Leben für die Forschung: Dr. Felix Grandel - 1977 (Scholz: "Kleiner Keim, große Wirkung", S.14 - 2006 + grandel.de: "Dr. Grandel - der Weizenkeim-Pionier")

Ein Jahr nach dem 90. Geburtstag von Helene Grandel verstirbt Dr. Felix Grandel während seines Urlaubs in Grimoldsried. Ein Firmenportrait vermerkt:

"Wachablösung 1977: Der 72jährige Felix Grandel verstirbt völlig überraschend. Sein 23 Jahre alter Sohn Michael hat sein Studium jedoch noch nicht beendet, so daß zunächst Wegbegleiter des Vaters die Geschicke der Firma weiterlenken. 1985 wird der Diplom-Ökonom Michael Grandel zum alleinigen Geschäftsführer benannt. Neuer Kopf, neues Gedankengut: Die Kosmetik-Linie wird forciert" (pharmazeutische-zeitung.de: "Dr. Grandel GmbH: Ein Saatkorn, das aufgeht" v. 21.7.1997)


(Todesanzeige im Privatbesitz - 27. August 1977)


Grabstelle der Augsburger Familie Grandel: Im Vordergrund die Grabplatte von Dr. Felix Grandel - 1985 (Fotografie im Privatbesitz)

Christel Bäuml, geb. Grandel schreibt über den Tod ihres Halbbruders in ihrem Jahreskalender:

"Munne ruft an: Felix ist tot - Herzversagen in Grimoldsried." (Eintrag v. 21. August 1977)

Raimund (-Grandel, Halbbruder von Felix aus Gottfried Grandels letzter Ehe in Freiburg-) berichtet, Frau Högerle sei bei Felix gewesen. Sie habe ihn (-Raimund-) angerufen und ihm alles erzählt, sie sei aber dann aus Gr.(-imoldsried-) geflohen. (Eintrag v. 21. August 1977)

Heute wird der Felix beerdigt. Wir sind nicht verständigt worden. Raimund (-Grandel, Halbbruder von Felix aus Gottfried Grandels letzter Ehe in Freiburg-) auch nicht. So müssen wir nicht hin." (Eintrag v. 24. August 1977)

Heute kam eine Anzeige von Felix' Tod. Ich schreibe nicht." (Eintrag v. 27. August 1977)

Munne schrieb, Ingrid war bei ihr. Die Beerdigung von Felix sei schrecklich gewesen. Kein Pfarrer, kein Wort, keine Musik, nichts. Nur 12-13 Personen, engste Familie. Die Geschwister wurden nicht dazu gezählt. (Eintrag v. 28. August 1977)

Munne ist immer noch verstört, Felix Tod kann sie nicht verwinden. (Eintrag v. 4. September 1977)

Munne ist immer noch verstört und depressiv wegen Felix." (Eintrag v. 11. September 1977)

"An Felix' Grab mit Munne und Centa (-Miller-)" (Eintrag v. 15. September 1977)

Zu dem mittlerweile umgestalteten Familiengrab der Grandels heißt es im Jahre 2016:

"Erwin Stiers Lieblingsengel steht hinter der Friedhofskapelle: Die etwa ein Meter große, mädchenhafte Figur schmückt das Familiengrab des Augsburger Chemikers Felix Grandel. Die Flügel des Himmelsboten sind weit ausgebreitet, mit der rechten Hand legt er symbolhaft eine Rose auf das Grab vor ihm. Dass der 'Engel mit der Rose' heute unbeschadet auf die Grabstätte blicken kann, hat er Erwin Stier und seinen Mitarbeitern zu verdanken. Der Leiter des Protestantischen Friedhofs in Augsburg hat die Figur zusammen mit anderen sogenannten Galvanoplastiken vor einigen Jahren restaurieren lassen und sie so vor der Zerstörung bewahrt. Den mehr als 100 Jahre alten Kunstwerken hatten Wind und Wetter arg zugesetzt. Der Friedhof ließ sie daher von einer Regensburger Firma instand setzen. 'Auch Engel kann man retten', sagt Stier, 'zumindest die irdischen.'" (sonntagsblatt.de: "Friedhofskultur: Augsburg bewahrt christliche Bestattungstradition" v. 30.10.2016)


Protestantischer Friedhof in Augsburg: Grabstelle von Dr. Felix Grandel  - Okober 2016 (Bildausschnitt Sonntagsblatt / Jalsovec)

Der auf dem Granitstein befestigte Engel besitzt symbolischen Charakter:

"Diese elegante Bronze Engel Skulptur trägt eine große Rose in der Hand. Durch den gesenkten Kopf und die vor dem Herzen getragene Hand erweckt der Engel den Eindruck großer Trauer. Engelfiguren gehören heutzutage zum klassischen Grabschmuck und sind daher auf vielen Grabstätten zu erblicken. Sie symbolisieren das Beschützen über den Tod hinaus und bilden somit ein zentrales Element einer stilvollen Grabgestaltung. Engel am Grab versprühen einen ganz besonderen Ausdruck von Liebe und Unvergänglichkeit und bringen Hoffnung und Zuversicht auf das Grab." (serafinum.de)


"Hoffnung und Zuversicht auf das Grab": Engel-Skulptur mit Rose - Juli 2024 (Fotografie Angela Donderer)

Im Jahr des 75. Gründungsjubiläums der Tochterfirma Keimdiät GmbH schreibt die noch immer am Markt existente Firma Grandel:

"Heute hätte unser Firmengründer Dr. Felix Grandel #Geburtstag und wäre 117 Jahre alt geworden. Warum wir das zum Thema machen? Wir feiern unser #Jubiläumsjahr - und da gehört ein Blick in die #Vergangenheit genauso dazu, wie der #Weizenkeim zu DR. GRANDEL.

➡ Wussten Sie, dass Dr. Felix Grandel mit einer geerbten #Mühle in #Augsburg, winzigen Weizenkeimen, jeder Menge #Forschergeist und #Innovationskraft die Erfolgsgeschichte von DR. GRANDEL startete?

➡ Auch wenn die #Beautyness Company inzwischen mit den Marken DR. GRANDEL Kosmetik, DR. GRANDEL Health, PHYRIS Skin Care Concept und arabesque MY MAKE-UP COLORS ein #international agierendes #Beauty-Unternehmen ist, erinnern wir uns stolz unserer Wurzeln. Schließlich ist der Weizenkeim seit 75 Jahren ein wichtiger Teil der DNA unseres konzernunabhängigen #Familienunternehmens.

➡ Seitdem der #Wissenschaftler und diplomierte #Landwirt Dr. Felix Grandel mit ihm erstmals für Furore sorgte, leuchtet der Weizenkeim immer wieder in Intervallen auf. Auch im #Jubiläumsjahr. Denn #Innovation geht bei DR. GRANDEL seit jeher Hand in Hand mit #Tradition.

➡ Dr. phil. nat. Felix Grandel war ein Mann mit vielen Facetten: #Chemiker aus #Leidenschaft, Diplom-Landwirt mit besonderem Bezug zum Weizen, #Unternehmerpersönlichkeit mit internationaler Ausprägung und Kontakten zu Celebrities und nicht zuletzt #Familienunternehmer aus Überzeugung!

Um so schöner ist es, dass die #Beautyness Company DR. GRANDEL heute in dritter Generation von Ariane Grandel und ihrem Cousin Dr. Gabriel Duttler in die Zukunft geführt wird." (//de.linkedin.com: Firmenrückblick zum Geburtstag von Felix Grandel - 1.6.2022)

Die Enkeltochter von Dr. Felix Grandel vermerkt zu Ihrer Unternehmensphilosophie:

"Als Nachfolgerin meines Großvaters und meines Vaters, führe ich seit 2019 gemeinsam mit meinem Cousin Dr. Gabriel Duttler das Erbe unseres Familienunternehmens 'Grandel. The Beautyness Company' nun in dritter Generation fort.

Unser Familienunternehmern weiterzuführen und zu repräsentieren ist für mich ein Herzensthema, das ich versuche mit sehr viel Leidenschaft, Authentizität und Nahbarkeit zu füllen.

Mein Vater hatte einen außergewöhnlichen unternehmerischen Weitblick. Statt nur in Dekaden zu denken, hatte er stets die kommenden Generationen im Blick. Diese Haltung hat sich in unserer Kultur verankert leitet weiterhin unsere Firmenphilosophie.

Als leidenschaftliche Unternehmerin setze ich mich nicht nur für den Erfolg unseres Unternehmens ein, sondern auch für den Standort Augsburg. Als Mitglied der IHK-Regionalversammlung engagiere ich mich aktiv für die Förderung der regionalen Wirtschaft.

Grandel hat Tochtergesellschaften und Auslandsvertretungen in über 60 Ländern weltweit. Dies ermöglicht es uns, unsere Produkte und unsere Leidenschaft für das Schönsein auf globaler Ebene zu teilen. Für mich bedeutet Schönsein mehr als nur äußerliche Erscheinung. Es geht um die Freude, das Wohlbefinden und das Selbstbewusstsein, das Schönsein ausstrahlen kann.

Ich freue mich darauf, gemeinsam mit meinem Team und unseren Kunden neue Maßstäbe in der Welt des Schönseins zu setzen. Denn Schönsein ist nicht nur unser Geschäft, sondern auch unsere Leidenschaft." (//de.linkedin.com: Ariane Grandel - 2022)


(//de.linkedin.com: Ariane Grandel - 2022)


Noch immer im Firmenbesitz: Die Pfladermühle (r) - 2019 (Stadt Augsburg: Stadterneuerung Altstadt)

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(707-1986) 2. Ehefrau: Helene Grandel-Winternitz, geb. Willner (2. August 1886, Reichenberg - 4. Juni 1979, sanft entschlafen im Altersheim Schlössle, Stadtbergen)


Familie Willner: Bruder Rudolf neben seiner jüngeren Schwester Helene, dahinter Vater Rafael und mittig Mutter Marie, rechts Rafaels Bruder Carl mit seiner Ehefrau Auguste - 1895 (Fotografie im Privatbesitz)

"Zur freundlichen Erinnerung an Ihre Helen Willner" - 1897 (Fotografie im Privatbesitz / Ernst Müller - Reichenberg)


Werbung in eigener Sache: Helene Willner an der neu erbauten Harzdorfer Talsperre in Reichenberg - 1907 (Fotografie im Privatbesitz)



Helene Willner - 1909 (Fotografie im Privatbesitz)


Helene Winternitz, geb. Willner - 1911 (Fotografie im Privatbesitz)


Nach der Geburt ihres ersten Kindes Hans: Helene Winternitz in Mannheim - 1912 (Fotografie im Privatbesitz)


Erste Ehe: Helene und Fritz Winternitz - 1911
(Fotografie im Privatbesitz)


Mutter und Tochter - 1912 (Fotografie im Privatbesitz)


Helene Winternitz mit Sohn Hans - 1913 (Fotografie im Privatbesitz)


In Trauer um den verlorenen Mann: Kriegerwitwe Helene Winternitz - 1914 (Fotografie im Privatbesitz)


Angekommen in Augsburg: Gottfried Grandel mit Helene und Stieftochter Eleonore Winternitz - September 1916 (Fotografie im Privatbesitz)


Fotos für den standesamtlichen Ehebund: Helene und Gottfried Grandel - September 1916 (Fotografie im Privatbesitz)


Helene in ihrem ersten Augsburger Winter - 1916/17 (Fotografie im Privatbesitz)


Gemeinsames Frühstück im Augburger Obstgarten - Frühjahr 1917 (Fotografie im Privatbesitz)


Nachwuchs bei den Grandels: Christine mit Mutter Helene - April 1918 (Fotografie im Privatbesitz)


Idylle am Hanreibach: Helene mit ihren Töchtern Nora Winternitz und Christine Grandel - Mai 1918 (Fotografie im Privatbesitz)


Erfolg in der Faktis-Forschung: Dr. Grandel mit Sohn Felix, Ehefrau Helene und deren Tochter aus erster Ehe, Eleonore Winternitz - 1926 (Fotografie im Privatbesitz)


Morcote am Luganer See: Ehepaar Grandel - Mai 1927 (Fotografie im Privatbesitz)


Maidl Grandel mit ihrer älteren Schwester Christine und Mutter Helene - Juni 1927 (Fotografie im Privatbesitz)


Trotz großer Hitze im Krawatten-Anzug: Felix Grandel mit Hans Winternitz, Maidl, Helene und Christine Grandel und Norle Winternitz - Sommer 1927 (Fotografie im Privatbesitz)


Mit Schwiegermutter Ronina und Tochter Christine: Helene Grandel - 1927 (Fotografie im Privatbesitz)


Blick auf das Betriebsgebäude in der Johannes-Haagstraße 18: Helene Grandel auf dem hofseitigen Balkon der benachbarten Privatwohnung Nr.20 - 1928 (Fotografie im Privatbesitz)


Eleonore Winternitz mit Mutter Helene, der jüngeren Halbschwester Christine Grandel und Bruder Hans Winternitz - Juni 1929 (Fotografie im Privatbesitz)


Christine Grandel mit ihrer Mutter Helene und der älteren Halbschwester Eleonore Winternitz - Juni 1929 (Fotografie im Privatbesitz)


Christine Grandel mit Mutter Helene und den Halbgeschwistern Eleonore und Hans Winternitz - Juni 1929 (Fotografie im Privatbesitz)

Hans Winternitz mit Mutter Helene und Halbschwester Christine Grandel in Clevers - 11. August 1940 (Fotografie im Privatbesitz)


Christine Grandel mit Mutter Helene und ihrem Partner Dr. Jamin in Clevers - 11. August 1940 (Fotografie im Privatbesitz)


Bürgermeister-Fischer-Sttr. 5: Helene, gesch. Grandel - 1941 (Fotografie im Privatbesitz)



Hans Winternitz mit Mutter Helene, gesch. Grandel in der Bürgermeister-Fischer-Str. 5 - 1941 (Fotografie im Privatbesitz)


In Trauer über die rassische Verfolgung ihres Sohnes: Helene Winternitz - 1942 (Fotografie im Privatbesitz)


Geburtstagsbesuch beim Stiefsohn in Augsburg: Helene Grandel-Winternitz mit Dr. Felix Grandel - 1975 (Fotografie im Privatbesitz)


Nachfeier zu Helene Grandels 89. Geburtstag im Augsburger Bahnhof: Eleonore Gutmann, geb. Winternitz, Helene Grandel, geb. Willner/verw. Winternitz, Centa Miller - 19. August 1975 (Fotogtrafie im Privatbesitz)


Susanne Bäuml zu Besuch bei der Urgroßmutter: Helene Grandel mit dem Enkelkind ihrer zweiten Tochter Christine Bäuml, geb. Grandel - 1975 (Fotografie im Privatbesitz)


Susanne Bäuml zu Besuch bei der Urgroßmutter: Helene Grandel mit dem Enkelkind ihrer zweiten Tochter Christine Bäuml, geb. Grandel und dessen Mutter Lisa Bäuml, geb. Zimmermann - 1975 (Fotografie im Privatbesitz)



Im Kreise der Familie und Freunde: Helene (Munne) gesch. Grandel, verw. Winternitz, geb. Willner mit Tochter Christine (Christl) Bäuml, geb. Grandel und Urenkelin Susanne (Suse). Hintere Reihe, mittig: Christines Schwiegertochter und Mutter von Susanne: Elisabeth (Lisa)


Wertschätzung im Traditionshotel 3 Mohren: Felix Grandel lädt kurz vor deren 90. Geburtstag seine Stiefmutter Helene zum Festmahl "im blauen Zimmer am runden Tisch". Rechts im Bild: Helenes 2. und Gottfrieds 1. Tochter Christine Grandel - 30. Juli 1976 (Fotografie im Privatbesitz)


Um ihr Wohl besorgt: Helene Grandel-Winternitz im Kreise ihrer Gäste - 30. Juli 1976 (Fotografie im Privatbesitz)


Ein Monat nach dem Tod von Felix Grandel: Helene Grandel mit schwarzem Gesichtsschleier - 30. September 1977 (Fotografie im Privatbesitz) 

Der frühe Tod von Dr. Felix Grandel bewegt Helene Grandel sehr. Er galt ihr in Augsburg über fünf Jahrzehnte als hilfreiche Unterstützung für alle Lebenslagen. Auch für die Unterbringung auf dem protestantischen Friedhof in Augsburg hatte er für sie möglicherweise bereits eine Regelung gefunden, denn kurz nach seinem Tod bemüht sich Helene Grandel nun bei Ernst Bohlig aus Neusäss-Westheim um Unterbringung ihrer Urne im Seitenteil der Familiengrabstätte, was zum 28. November 1978 auch verschriftlicht wird. 

In der Nacht vor ihrem Tod ist Helene Grandel sehr unruhig. Ihre Tochter Christine notiert in ihrem Tagebuch:

"Munne war noch sehr munter, abends dann sehr unruhig, redet ununterbrochen, phantasiert - bekommt Schlaftabletten. Ich bin bei ihr. Frühstück mit (-Christines Ehemann-) Kurt bei Ise auf der Terasse.

10:15 Munne exitus. Sie gleitet aus dem Schlaf in den Tod. Zentinger und ich sind bei ihr. Norle ruft an gerade zu der Zeit. Norle kommt am Nachmittag, Kutte (-Kurt Bäuml-) fährt heim. Ich schlafe bei der Munne." (Eintrag v. 4. Juni 1979)



Am 21. Juni 1979 um 10 Uhr findet Helenes Urnenbeisetzung im Familiengrab der Bohligs (Feld: EM, Nr.158/59, Süd-Teil) auf dem Protestantischen Friedhof zu Augsburg statt. 


Im Juni 1979 beigesetzt auf dem Protestantischen Friedhof zu Augsburg; an der rechten Grabstellenseite der Familie Ernst Bohlig: Helene Grandel-Winternitz

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(708-1912) Johann (Hans) Winternitz, Helenes Sohn aus 1. Ehe (30. März 1912, Mannheim - 30. April 1945, in Berlin beim Löschen durch eine Handgranate getötet)


Helene Winternitz mit ihrem erstgeborenen Kind Hans - 1912 (Fotografie im Privatbesitz)


Helene Winternitz mit Hans - 1912 (Fotografie im Privatbesitz)


Fröhliches Naturell: Helene Winternitz mit Hans - 1912 (Fotografie im Privatbesitz)


Helene Winternitz mit Sohn Hans - 1913 (Fotografie im Privatbesitz)


Helene Winternitz mit Sohn Hans in Mannheim - Sommer 1914 (Fotografie im Privatbesitz)


Abschied ohne Wiederkehr: Fritz Winternitz mit Sohn Hans - August 1914 (Fotografie im Privatbesitz)


Nach dem Soldatentod seines Vaters Friedrich: Sohn Hans mit Großvater Gustav Winternitz in Grottau - September 1914 (Fotografie im Privatbesitz)


In Trauer: Helene Winternitz mit Sohn Hans - September 1914 (Fotografie im Privatbesitz)


Hans Winternitz - 1915 (Fotografie im Privatbesitz)


Norle und Hans Winternitz - 1915 (Fotografie im Privatbesitz)


Hans Winternitz - 1915 (Fotografie im Privatbesitz)


Fototermin in Grottau: Hans und Norle Winternitz mit Großmutter Jenny Winternitz - August 1916 (Fotografie im Privatbesitz)


Weiße Rosen: Hans und Norle Winternitz - 1916 (Fotografie im Privatbesitz)


Abschied von Reichenberg: Hans und Norle Winternitz mit Großmutter Jenny Winternitz - August 1916 (Fotografie im Privatbesitz)


Angekommen in Augsburg: Hans Winternitz - September 1916 (Fotografie im Privatbesitz)


Hans Winternitz mit Stiefvater Gottfried Grandel am Hanreibach - September 1916 (Fotografie im Privatbesitz)


Hans Winternitz mit Stiefvater Gottfried Grandel bei der Birnenernte - September 1916 (Fotografie im Privatbesitz)


Onkel Rudi aus Reichenberg zu Besuch in Augsburg - September 1916 (Fotografie im Privatbesitz)


Onkel Rudolf zum ersten Besuch bei seiner Schwester Helene in Augsburg - September 1916 (Fotografie im Privatbesitz)


Im Augsburger Obstgarten: Norle und Hans Winternitz - September 1916 (Fotografie im Privatbesitz)


Drei Generationen am Augsburger Hanreibach: Gottfried Grandel mit Mutter Rosina, Ehefrau Helene und ihren Kindern Hans und Norle Winternitz - 1917 (Fotografie im Privatbesitz)


Nachwuchs bei den Grandels: Hans Halbschwester Christine - Frühjah 1918 (Fotografie im Privatbesitz)


Ausgleich in eigener Landwirtschaft: Gottfried Grandel mit Stiefsohn Hans Winternitz - 1921 (Fotografie im Privatbesitz)


Hans auf dem Balkon hinter dem Augsburger Wohnhaus in der Johannes-Haagstraße 20/II - 1926 (Fotografie im Privatbesitz)


Trotz großer Hitze im Krawatten-Anzug: Felix Grandel mit Hans Winternitz, Maidl, Helene und Christine Grandel und Norle Winternitz - Sommer 1927 (Fotografie im Privatbesitz)


Eleonore Winternitz mit Mutter Helene, der jüngeren Halbschwester Christine Grandel und Bruder Hans Winternitz - Juni 1929 (Fotografie im Privatbesitz)


Christine Grandel mit Mutter Helene und den Halbgeschwistern Eleonore und Hans Winternitz - 1930 (Fotografie im Privatbesitz)


Hans Winternitz mit Mutter Helene und Halbschwester Christine Grandel - 1937 (Fotografie im Privatbesitz)


Hans Winternitz - 1940 (Fotografie im Privatbesitz)


Unterhaltsam: Hans Winternitz mit Mutter Helene in Augsburg - 1941 (Fotografie im Privatbesitz)


Musikalisch: Hans Winternitz (l.) in der Bürgermeister-Fischer-Str. 5 - 1941 (Fotografie im Privatbesitz)


Hans Winternitz mit Mutter helene, gesch. Grandel in der Bürgermeister-Fischer-Str. 5 - 1941 (Fotografie im Privatbesitz)




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(709-1914) Eleonore Gutmann, geb. Winternitz, Helenes Tochter aus 1. Ehe (9. Februar 1914, Mannheim - 17. Juni 2011, in London vom Lkw überfahren)


Angekommen in Augsburg: Gottfried Grandel mit Helene und Stieftochter Eleonore Winternitz - September 1916 (Fotografie im Privatbesitz)


Norles neuer Stiefvater: Gottfried Grandel - September 1916 (Fotografie im Privatbesitz)


Norle Winternitz - November 1916 (Fotografie im Privatbesitz)


Aufgeweckter Charakter: Eleonore Winternitz - Mai 1917 (Fotografie im Privatbesitz)


Selbstbewußt in neuer Umgebung: Eleonore Winternitz - Mai 1917 (Fotografie im Privatbesitz)


Augsburger Hanreibach: Eleonore Wintenitz - Mai 1918 (Fotografie im Privatbesitz)


Eleonore Wintenitz - Mai 1918 (Fotografie im Privatbesitz)


Christine Grandel mit ihrer älteren Halbschwester Eleonore Winternitz - Juni 1921 (Fotografie im Privatbesitz)


Eleonore Winternitz mit ihrer jüngeren Halbschwester Christine Grandel - Juni 1921 (Fotografie im Privatbesitz)


Erfolg in der Faktis-Forschung: Dr. Grandel mit Sohn Felix, Ehefrau Helene und deren Tochter aus erster Ehe, Eleonore Winternitz - 1926 (Fotografie im Privatbesitz)


Christine Grandel mit ihrer älteren Halbschwester Eleonore Winternitz und Maidl Grandel - Juni 1927 (Fotografie im Privatbesitz)



Trotz großer Hitze im Krawatten-Anzug: Felix Grandel mit Hans Winternitz, Maidl, Helene und Christine Grandel und Norle Winternitz - Sommer 1927 (Fotografie im Privatbesitz)


Eleonore Winternitz mit Mutter Helene, der jüngeren Halbschwester Christine Grandel und Bruder Hans Winternitz - Juni 1929 (Fotografie im Privatbesitz)


Christine Grandel mit ihrer Mutter Helene und älteren Halbschwester Eleonore Winternitz - Juni 1929 (Fotografie im Privatbesitz)


Christine Grandel mit Mutter Helene und den Halbgeschwistern Eleonore und Hans Winternitz - 1930 (Fotografie im Privatbesitz)

Augsburg: Eleonore Winternitz - 1930 (Fotografie im Privatbesitz)


Augsburg: Eleonore Winternitz - 1930 (Fotografie im Privatbesitz)








Augsburg unterm Hakenkreuz: Eleonore Winternitz mit Partner Robert Gutmann vor der Johannes-Haag-Straße 20 - 1933 (Fotografie im Privatbesitz - Robert Gutmann ist gelernter Maurer und Tischler, besucht die Baugewerkschule mit der Fachrichtung Hochbau in Augsburg und ab 1934 die Kunstgewerbeschule mit der Fachrichtung Möbel- und Innenausbau in Stuttgart. Sein Studium und weitere Praxiserfahrungen im Schiffsinnenausbau und Werkzeug- und Maschinenbau setzt er nach seiner Flucht aus Deutschland in England fort.)



Ab 1935 arbeitet Robert Gutmann als Architekt in Berlin, doch die Repressalien gegen Juden in Deutschland nehmen bedrohliche Ausmaße an. Im Juni 1939 flüchten schließlich Nora und Robert aufgrund rassischer Verfolgung nach England.


Norle Winternitz - 1943 (Fotografie im Privatbesitz)


Norle Gutmann, geb. Winternitz - London 1943 (Fotografie im Privatbesitz)


Nachfeier zu Helene Grandels 89. Geburtstag im Augsburger Bahnhof: Eleonore Gutmann, geb. Winternitz, Helene Grandel, geb. Willner/verw. Winternitz, Centa Miller - 19. August 1975 (Fotogtrafie im Privatbesitz)


Wiedersehen am Bahnhof Plöchingen: Norle Gutmann, geb. Winternitz zu Besuch bei ihrer Halbschwester Christl Bäuml, geb. Grandel und Kurt Bäuml - 11. August 1977 (Fotografie im Privatbesitz)


Zu Besuch in Döffingen: Robert und Eleonore Gutmann, geb. Winternitz mit Martha Frank, Mathis (Frank?) und Christine Bäuml, geb. Grandel (kniend) - 15. August 1979 (Fotografie im Privatbesitz)

Erinnerungskultur nach 75 Jahren: Im Zuge einer Ausstellungs-Vorbereitung ("'Machtergreifung' in Augsburg: Anfänge der NS-Diktatur" vom 19.9.-19.11.2008) im Augsburger Rathaus und Stadttheater nimmt der damalige Archivdirektor Dr. Gier Kontakt zu Eleonore Gutmann, geb. Winternitz auf, doch zu einem Austausch kommt es nicht:


Auskunftersuchen durch die Augsburger Staats- und Stadtbibliothek an Nora Gutmann: Mit dem "Stiefvater seit seiner Scheidung von meiner Mutter im Jahre 1929 keinerlei Verbindung mehr" - März 2008 (Fotografie im Privatbesitz)


Im Juni 2011 verstirbt Eleonore Gutmann, geb. Winternitz, im Alter von 97 Jahren in London. In der Nähe der Baker-Street-Station wird sie von einem abbiegenden Lkw erfasst und erliegt kurz darauf ihren Verletzungen. Ihr Tod sorgt für Aufsehen. So wird in einem Artikel erwähnt:

"Ms Gutmann, who had settled in London after fleeing Nazi Germany prior to the outbreak of the Second World War, was killed as she crossed London's Marylebone Road in June 2011." (road.cc: "Driver involved in Eilidh Cairns case told he faces jail over second road death" v. 29.6.2012)


(Artikel auf bbc.co.uk: "Woman, 97, knocked down by lorry as Nora Gutmann" - 22.6.2011)

Die hinterbliebene Familie gibt nach dem Tod gegenüber der BBC eine Erklärung ab:

"Obwohl Nora Gutmann 97 Jahre alt war, wirkte sie noch jung, als sie starb. Sie war immer noch gesund, lebte eigenständig und völlig unabhängig. Wir alle freuten uns darauf, noch viele Jahre mit ihr zu verbringen. Außerdem freute sie sich zu leben, zu lernen und zu wachsen. Sie hörte regelmäßig verschiedene spannende Sendungen der BBC, las begierig und war viele Jahre lang an der 'University of the Third Age' eingeschrieben und engagiert - einer Schule für Rentner, an der sie sich zum Herbstsemester für einen Kurs in Buddhismus angemeldet hatte. Nora war auch eine zutiefst verzeihende Person. Ich glaube nicht, dass sie gewollt hätte, dass (-der Lkw-Fahrer-) Joao Lopes ins Gefängnis kommt oder seiner Familie der Lebensunterhalt entzogen wird. Als Familie verspüren wir kein Verlangen nach Vergeltung gegenüber Lopes. Die Polizei hat uns mitgeteilt, dass Lopes wieder fahren darf und irgendwann sogar seinen Lkw-Führerschein zurückerhalten könnte. Wir finden die Möglichkeit, dass Lopes jemals wieder Auto fahren könnte, völlig unverschämt. Lopes tötete im Jahr 2009 eine 30-jährige erfahrene Radfahrerin, Eilidh Cairns. Danach fuhr er auf gefährliche Weise weiter und erlitt mindestens drei weitere Verkehrsunfälle, bevor er Nora tötete. Erschreckenderweise gab es kein System, um dieses gefährliche Verhalten zu überwachen oder zu ahnden, ihn von der Straße fernhalten. Wir fordern das Gericht auf, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um die Öffentlichkeit zu schützen und zu verhindern, dass Lopes sich jemals wieder ans Steuer eines Fahrzeugs setzt." (Artikel auf bbc.co.uk: "Woman, 97, knocked down by lorry as Nora Gutmann" - 22.6.2012 + cyclinguk.org: "Families of both those killed by Joao Lopes demand his licence be removed permanently" v. 1.8.2012)

Weiter wird über Nora Gutmann vermerkt:

"Frau Gutmann wuchs in Deutschland auf, floh jedoch 1937 vor den Nazis. In England engagierte sie sich in der Steiner-Schulbewegung. Es betont die Rolle der Vorstellungskraft beim Lernen und zielt darauf ab, Kinder zu ermutigen, sich zu freien, moralisch verantwortlichen Individuen zu entwickeln. Sie unterrichtete Englisch bis zu ihrem 92. Lebensjahr und studierte Philosophie und Kunst des 20. Jahrhunderts an der University of the Third Age. Yael Weidmann, eine Freundin von Frau Gutmann, würdigte sie als „inspirierende Person", in die sich die Menschen verliebten, nachdem sie sie kennengelernt hatten. Sie fügte hinzu: 'Sie war eine wundervolle Person und eine echte Intellektuelle.' „Sie war so warmherzig und furchtlos, sie kümmerte sich sehr um die Menschen und war sehr aktiv. In vielerlei Hinsicht war sie wie ein junges Mädchen, in ihrer Aufgeschlossenheit und modernen Einstellung gegenüber dem, was in der Welt vor sich geht. Die Tatsache, dass sie gegangen ist, ist eine schreckliche Sache." (newhamrecorder.co.uk: "Stratford lorry driver jailed over OAP death" v. 16.8.2012 + hamhigh.co.uk: "Lorry driver jailed for knocking down and killing Brondesburry grandmother in Marylebone" v. 2.8.2012)


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(710-1917) 1. Tochter: Maria Christine, geb. Grandel (27. Oktober 1917, Augsburg - 28. Juni 2011, Nürtingen)


Erster Nachwuchs in jeweils zweiter Ehe: Christine Grandel - März 1918 (Fotografie im Privatbesitz)


Christine Grandel - März 1918 (Fotografie im Privatbesitz)


Christine Grandel mit Mutter Helene - April 1918 (Fotografie im Privatbesitz)


Christine - Mai 1918 (Fotografie im Privatbesitz)


Christine Grandel - 1919 (Fotografie im Privatbesitz)


Mutter Helene Grandel mit ihren Töchtern Eleonore Winternitz und Christine Grandel - 1919 (Fotografie im Privatbesitz)


Christine Grandel - 1920 (Fotografie im Privatbesitz)


Christine Grandel - 1920 (Fotografie im Privatbesitz)


Sportlich: Christine Grandel - 1920 (Fotografie im Privatbesitz)


Christine Grandel - 1920 (Fotografie im Privatbesitz)


Christine Grandel - 1920 (Fotografie im Privatbesitz)


Christine Grandel mit ihrer älteren Halbschwester Eleonore Winternitz - Juni 1921 (Fotografie im Privatbesitz)

Christine Grandel - Herbst 1922 (Fotografie im Privatbesitz)


Christine Grandel - 1922 (Fotografie im Privatbesitz)


Mitarbeiter (Otto?) Ranner mit Christel und Maidl Grandel hinter dem Augsburger Wohnhaus in der Johannes-Haagstraße 20 - 1926 (Fotografie im Privatbesitz)


Christine Grandel mit ihrer älteren Halbschwester Eleonore Winternitz und Maidl Grandel - Juni 1927 (Fotografie im Privatbesitz)


Maidl Grandel mit ihrer älteren Schwester Christine und Mutter Helene - Juni 1927 (Fotografie im Privatbesitz)



Trotz großer Hitze im Krawatten-Anzug: Felix Grandel mit Hans Winternitz, Maidl, Helene und Christine Grandel und Norle Winternitz - Sommer 1927 (Fotografie im Privatbesitz)


Eleonore Winternitz mit Mutter Helene, der jüngeren Halbschwester Christine Grandel und Bruder Hans Winternitz - Juni 1929 (Fotografie im Privatbesitz)


Christine Grandel mit ihrer Mutter Helene und der älteren Halbschwester Eleonore Winternitz - Juni 1929 (Fotografie im Privatbesitz)


Christine Grandel mit Mutter Helene und den Halbgeschwistern Eleonore und Hans Winternitz - 1930 (Fotografie im Privatbesitz)


Christine Grandel - Juni 1929 (Fotografie im Privatbesitz)


Christine Grandel - 1932 (Fotografie im Privatbesitz)


Christine Grandel - 1933 (Fotografie im Privatbesitz)


Christine Grandel - 1935 (Fotografie im Privatbesitz)


Hans Winternitz mit Mutter Helene und Halbschwester Christine Grandel in Clevers - 10. August 1940 (Fotografie im Privatbesitz)


Christine Grandel mit Mutter Helene und ihrem Partner Dr. Jamin in Clevers - 10. August 1940 (Fotografie im Privatbesitz)


Christine Grandel - 1940 (Fotografie im Privatbesitz)


Skibegeistert: Christine Grandel - 1937 (Fotografie im Privatbesitz)


Christine Grandel - 1937 (Fotografie im Privatbesitz)


Christine Grandel - 1937 (Fotografie im Privatbesitz)


Christine Grandel - 1937 (Fotografie im Privatbesitz)


Christine Grandel - 1938 (Fotografie im Privatbesitz)


Christine Grandel - 1941 (Fotografie im Privatbesitz)


Christine und Kurt - 1940 (Fotografie im Privatbesitz)


Kurt und Christl - 1943 (Fotografie im Privatbesitz)


Hochzeit von Christine Gtrandel: Mutter Helene, Schwester Maidl, Christine, Trauzeuge Steffen und Bräutigam Kurt - 11. Juni 1943 (Fotografie im Privatbesitz)

Die gelernte Schneiderin (Oettinger-Augsburg 1936-39) Christine Grandel zieht 1941 nach zwei Jahren Berufserfahrung als Sekretärin (Gebr. Frisch, Heinrich + Nikodemus, Stahlbau, Nähe Hanreibach/Böheimstraße) aus ihrer Geburtsstadt Augsburg nach Berlin.

Dort arbeit sie in der Firma B. Lange weiter als Sekretärin und heiratet am  11. Juni 1943 den seit 1936 in Berlin lebenden Dipl.Ing. Kurt (Ullersdorf/Tschecheslow., 3.3.1918-). Kurt ist jüdischer Abstammung (Halbjude I-A-3) und von 1928-1934 in Augsburg zur Schule gegangen. Wenige Wochen vor Kriegsende, am 9. März 1945 in Immenstadt nahe ihres Fluchtortes Klein Walsertal, kommt ihr erster Sohn Christoph zur Welt. Am 18. Januar 1947 folgt in Augsburg der zweite Sohn, Johannes.

Am 4. August 1948 äußert Kurt gegenüber den amerikanischen Besatzungstruppen, dass ein Registrierungs-Interesse an einer Auswanderung zu seinem Vetter Norbert Brecke nach Australien besteht. Auch Venezuela und Süd-Afrika kommen als Option in Frage.

(collections.arolsen-archives.org, CM/1 files from Germany, A-Z)


Christine Grandel mit Enkeltochter Susanne - 1982 (Fotografie im Privatbesitz)



(711-1919) 2. Sohn: Gottfried Grandel jr. (15. Februar 1919, Augsburg - 16. Juni 1921, ertrunken im Hanreibach)


Gottfried Grandel, der Jüngere - Julfest 1920 (Fotografie im Privatbesitz)


Kurz vor dem Ertrinkungstod: Gottfried Grandel mit seinem zweitgeborenen Sohn am angrenzenden Hanreibach - Sommer 1921 (Fotografie im Privatbesitz)



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(712-1922) 2. Tochter: Gerlinde (Maidl) Grandel (19. September 1922, Augsburg - 10. März 1945, Suizid in Augsburg)


Allgemein beliebt: Mitarbeiter (Otto?) Ranner mit Christel und Maidl Grandel hinter dem Augsburger Wohnhaus in der Johannes-Haagstraße 20 - 1926 (Fotografie im Privatbesitz)


Maidl Grandel mit ihrer älteren Schwester Christine und Mutter Helene - Juni 1927 (Fotografie im Privatbesitz)



Trotz großer Hitze im Krawatten-Anzug: Felix Grandel mit Hans Winternitz, Maidl, Helene und Christine Grandel und Norle Winternitz - Sommer 1927 (Fotografie im Privatbesitz)


Christine Grandel mit ihrer älteren Halbschwester Eleonore Winternitz und Maidl Grandel - Juni 1927 (Fotografie im Privatbesitz)


Hans Winternitz mit seinen Halbschwestern Maidl und Christine Grandel - 26. November 1937 (Fotografie im Privatbesitz / Fotoatelier Kroher - Augsburg)


Maidl Grandel mit Kurt - 1938 (Fotografie im Privatbesitz)


Maidl Grandel - 1941 (Fotografie im Privatbesitz)

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(713-) 3. Ehefrau: Anna Maria Magdalena (Magda) Grandel, geb. Pachaly (8. Mai 1904, Breslau - 1. April 1945, nach einer Bombendetonation in Stuttgart verstorben)

 

 

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(714-1935) 3. Sohn: R. Grandel (26. August 1935, Freiburg)

 

 

 

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(715-1937) 4. Sohn: Ernst Ulrich Grandel (6. Mai 1938, Freiburg - ca. 2010)

 

 

 

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(716-) 4. Partnerin, ohne Heirat: Clara Gertrud Hubricht, geb. Hager (1887, Chemnitz - 28. November 1973, Freiberg/SN)

 

 

 

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Der völkische Irrweg des Dr. Gottfried Grandel
Eine Familiengeschichte im Spiegel der Zeit

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